01. April 2021 / 17:04 Uhr

"Freue mich, dass es Schlag auf Schlag geht": 96-Keeper Michael Esser im XXL-Interview (Teil 2)

"Freue mich, dass es Schlag auf Schlag geht": 96-Keeper Michael Esser im XXL-Interview (Teil 2)

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Seit drei Jahren in der Landeshauptstadt: Zweiter Teil des großen SPORTBUZZER-Interviews mit 96-Stammtorhüter Michael Esser.
Seit drei Jahren in der Landeshauptstadt: Zweiter Teil des großen SPORTBUZZER-Interviews mit 96-Stammtorhüter Michael Esser. © IMAGO
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96-Stammtorhüter Michael Esser spricht im zweiten Teil des großen SPORTBUZZER-Interviews über das straffe April-Programm, seine Nominierung zu Niedersachsens Fußballer des Jahres, seine Zeit in der Quarantäne und die fußballerische Zukunft des Nachwuchses.

Jetzt stehen sieben Spiele in 21 Tagen an, eine ziemliche Wucht. Wie hält man das durch?

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Ach naja. Es gibt andere Sportarten, da wird fast jeden zweiten Tag gespielt. In Österreich (mit Sturm Graz) hatte ich mal so eine Phase mit Europa-League-Quali und vielen englischen Wochen – irgendwann gewöhnst du dich an diesen Rhythmus. Ich freue mich darauf, dass es Schlag auf Schlag geht. Da können wir ein paar Punkte machen, hoffentlich.

Vor ein paar Tagen sind Sie nominiert worden für die Wahl als Niedersachsens Fußballer des Jahres. Sind sie stolz oder sind solche Auszeichnungen Ihnen eher egal?


Ich habe damit gar nicht gerechnet und war ehrlich überrascht, dass ich überhaupt nominiert wurde. Ich habe auf jeden Fall eine Riesenkonkurrenz, aber das ist schon eine Ehre für mich.

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In dem Fall stimmen Niedersachsens Sportjournalisten ab. Aber würden Sie für sich selbst anrufen, wenn das ginge?

Auf keinen Fall! (lacht) Sowas würde ich nie machen, und die anderen haben auch eine gute Saison gespielt und was erreicht. Ich gönne es jedem!

Leider gibt’s noch ein ernsteres Thema. Sie waren zwei Wochen in Corona-Quarantäne – ein positiver Fall in Ihrer Familie, Sie waren direkter Kontakt. Wollen Sie uns verraten, was genau war?

Ja, es geht um meine Eltern. Ihnen geht es zum Glück gut! Erst hat es meine Mutter erwischt, dann hat es mein Vater auch noch bekommen. Toi toi toi, sie sind auf dem Weg der Besserung. Noch sind sie positiv getestet, aber wir hoffen, dass sie in nächster Zukunft rauskommen.

Das ist wirklich gut zu hören. Es ist ja ein unheimlich vielschichtiges Thema - aber merkt man in solchen Momenten noch mehr, wie privilegiert der Fußball ist, dass so viel stattfinden darf? Sogar irre Länderspielreisen durch die Weltgeschichte. Und in der gleichen Woche hört man von schrecklichen Dingen wie dem Verlust von Baris Basdas, dessen Vater an Corona verstorben ist.

Man merkt noch mal, wie nah dran das ist. Und dass das einfach kein Spaß ist. Wir haben jetzt schon über ein Jahr mit Corona zu tun, trotzdem sollte niemand in so einen Trott kommen, dass man denkt: Ach, da passiert schon nichts. Ich habe es erlebt: Zack, Quarantäne. Und du bist zwei Wochen raus. Gerade durch die Dinge, die sich in den letzten Wochen ereignet haben, bekommt man noch einmal sehr deutlich vor Augen geführt, dass diese Corona-Pandemie einfach eine sehr ernste Sache ist. Ob man da wer-weiß-wie durch die Weltgeschichte reisen muss ... Da bin ich nicht der Richtige, um das zu bewerten. Es ist ein schwieriges Thema, zu dem es viele Meinungen gibt. Am Ende muss es die Politik entscheiden.

War die Quarantäne bei Ihnen, weil alles glimpflich lief, im Nachhinein sogar ein bisschen Glück im Unglück? Um mal wieder Zeit mit Ihrer Familie zu verbringen.

Wir haben viel gespielt mit den Kindern, täglich frisch gekocht, Sport gemacht. Wir konnten ein bisschen was aufholen, was wir sonst nicht haben. Da ging die Zeit relativ schnell vorbei. Mein Sohn hat am Ende der Quarantäne aber schon ein bisschen geflucht, weil er immer mit in den Garten musste: ein paar Bälle draufschießen und mittrainieren.

Bilder vom Training von Hannover 96 (31. März 2021)

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Bilder vom Training von Hannover 96 (31. März 2021) ©

Wird der Sohn eines Torwarts eigentlich Torwart oder Stürmer?

Er war eine Zeit lang im Tor. Aber ich habe ihn dann so lange belabert, dass er es gerade nicht mehr ist. (lacht) Es ist ihm natürlich freigestellt. Aber wenn ich ihm einen Rat geben dürfte, würde ich sagen: Werde Stürmer.

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Warum das denn?

Ich habe mich damals fürs Tor entschieden, weil du Spiele entscheiden kannst. Das kannst du vorne auch, aber hinten bist du öfter mal der Buhmann. Ich bereue meine Entscheidung natürlich trotzdem nicht.