27. August 2021 / 16:47 Uhr

"Ich trainiere jeden Tag zusätzlich": 96-"Opa" Frantz geht noch nicht in Rente

"Ich trainiere jeden Tag zusätzlich": 96-"Opa" Frantz geht noch nicht in Rente

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ich bin ehrgeizig, arbeite viel, trainiere jeden Tag zu­sätz­lich. Denn im Endeffekt geht es immer um Leistung und nicht um das Alter. - 
Mike Frantz
"Ich bin ehrgeizig, arbeite viel, trainiere jeden Tag zu­sätz­lich. Denn im Endeffekt geht es immer um Leistung und nicht um das Alter." -  Mike Frantz © Florian Petrow
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Ein Tritt vors Schienbein. Davon hat Mike Frantz (34) in seiner Karriere in 14 Jahren Profifußball schon viele bekommen. Aber dieser Tritt im Training tat weh. Ein Einsatz in Darmstadt am Samstag ist sehr fraglich. „Wenn er laufen kann, dann spielt er“, sagte Trainer Jan Zimmermann. Frantz sprach im SPORTBUZZER-In­ter­view über seine Rolle, seine wahre Position und die Tücken als Profi bei Hannover 96.

Mike Frantz, eine Frage vorweg, sind Sie eigentlich doppelt geimpft?

Ja. Wir haben in der Familie Risikopatienten, deshalb ha­be ich mich darum ge­küm­mert, Möglichkeiten zu finden. Ich habe schließlich auch mitbekommen, dass so etwas gravierend enden kann.

Im Freundeskreis?

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Baris Basdas hat seinen Papa verloren. Das war schon krass, mit einem Mitspieler verbringt man mehr Zeit als mit seiner Familie. Der Verlauf, wie schnell das alles gegangen ist, das war schon echt hart für ihn. Wenn man so etwas verhindern kann, sollten wir alles dafür tun.

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Sie haben gegen Heidenheim auf der Sechs in der Startelf gestanden. Was bedeutet Ihnen das?

Ich bin ehrgeizig, arbeite viel, trainiere jeden Tag zu­sätz­lich. Das ist nötig, um Leistung zu bringen. Denn im Endeffekt geht es immer um Leistung und nicht um das Alter.


Wie war es vor dem Spiel?

Der Trainer muss immer Spieler enttäuschen, die er nicht aufstellt. Vorher war ich es, jetzt waren es andere. Klar kann man auf der einen Seite enttäuscht und sauer sein, um auch die nötige Schärfe zu behalten. Auf der anderen Seite müssen wir uns als Team entwickeln. Es geht darum, Fußball zu arbeiten, sich über die Basics des Spiels Übergewicht zu erarbeiten. Mit weniger wird’s nicht gehen, das haben wir in Dresden gesehen.

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In Dresden haben wir kein Team gesehen …

Dagegen kann ich nichts sa­gen. Es war offensichtlich, dass wir ein sehr schlechtes Spiel gemacht haben. Aber man darf nicht vergessen: Wir sind noch keine eingespielte Mannschaft, können das auch noch gar nicht sein. Man sieht bei uns in der Liga, in der Bundesliga und in der 3. Liga, dass vor allem die Mannschaften oben stehen, die eingespielt sind. Die leben das Gefestigte, das „wir“ vor. Wichtig ist aber: So einen Auftritt wie in Dresden, den darf es nicht mehr geben.

Sie hatten Ihr Alter er­wähnt. Ihr Spitzname ist „Opa“. Ist das nicht respektlos?

Klar (lacht). Den Namen habe ich seit letzter Saison. Wenn ich auf dem Spielplatz bin und mit meinem Sohn spazieren gehe, denke ich darüber nach, dass mich Jungs, die einiges jünger sind, einfach „Opa“ nennen. Ich habe es von Anfang an mit Humor genommen und tue das immer noch. Die Jungs wissen, dass ich in jeder Einheit 100 Prozent gebe und das vorlebe.

Sie haben vergangene Saison wenig gespielt, waren verletzt, der aktuelle Trainer macht keinen Hehl daraus, dass er einen neuen Sechser möchte. Welche Gedanken machen Sie sich?

Zunächst einmal muss man wissen, dass ich ja grundsätzlich kein Sechser bin. Ich bin eher ein Achter, der eine gewisse Offensivqualität in der ersten und zweiten Liga gezeigt hat. Ich hatte leider letztes Jahr eine sehr schwere Verletzung. Das war frustrierend, aber ich jammere nicht rum. Wir haben jetzt ein neues Trainerteam, einen neuen Sportdirektor, wir wollen etwas entwickeln. Und wenn ich Sechser spielen soll, werde ich das ausfüllen, und das – zumindest zuletzt gegen Heidenheim – nicht einmal so schlecht.

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Aber Sie würden lieber Achter spielen?

Ich kann doch nicht derjenige sein, der immer vom Team redet, und dann suche ich mir die Position aus. Ich möchte das mit Leben füllen. Ich finde es spannend, es wird bis zum 31. August noch viel passieren, bei uns und bei allen.

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Sie denken aber nicht über eine Veränderung nach?

Nein. Aber ganz ehrlich: Fußball war immer irgendwie in manchen Bereichen eine Parallelwelt. Diese Verrücktheit wird bis zum Schluss bleiben.

Wie leben Sie in der Parallelgesellschaft?

Zu Beginn meiner Profizeit war das schwer. Mit meinem Wechsel nach Freiburg habe ich gelernt, damit umzugehen. Dass beispielsweise Fußball und Journalismus ein Stück weit zusammengehören. Wenn man scheiße spielt, muss man auch kritisch gesehen werden. Ich mache da keinem einen Vorwurf. 22 Spieler zu bewerten, ist echt verdammt schwierig. Zusammengefasst: Da sollten alle etwas gelassener werden.