18. August 2018 / 14:35 Uhr

Hannover 96: Pokalheld Milos Djelmas im Interview - „Du brauchst solche Typen wie mich“

Hannover 96: Pokalheld Milos Djelmas im Interview - „Du brauchst solche Typen wie mich“

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Milos Djelmas mit dem Pokal. An einen Triumph von 96 wie 1992 glaubt er heute nicht mehr. 
Milos Djelmas mit dem Pokal. An einen Triumph von 96 wie 1992 glaubt er heute nicht mehr.  © imago/WEREK
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Was fehlt Hannover 96 und vielen anderen Mannschaften im heutigen Fußball? 96-Pokalheld Milos Djelmas legt sich fest: Typen wie er. Der heute 58-Jährige spricht im Interview außerdem über Fußball als Schachsport und die Fußballkarriere als Kettenraucher.

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Wir erreichen ihn in Belgrad, seiner Heimat. Ist er dort zu Hause? Milos Djelmas lacht. „Ich wohne überall.“ Er arbeitet als Spielervermittler auch in Deutschland und Frankreich. Jeder in Hannover kennt den 96-Pokalhelden. Wie er am 23. Mai 1992 im Finale gegen Gladbach (4:3 nach Elfmeterschießen) mit Stutzen auf Knöchelhöhe und letzter Kraft seinen Elfmeter verwandelt. Seitdem war 96 nie wieder im Finale und noch nicht mal nah dran. In Karlsruhe beginnt ein neues Pokal-Kapitel. Auch der inzwischen 58-jährige Djelmas ist gespannt.

Nerd-Wissen vor dem DFB-Pokal: Das verbindet den Karlsruher SC mit Hannover 96

Vier Trainer und 16 Spieler waren in Diensten beider Klubs: Vor dem DFB-Pokalspiel zeigen wir Euch, was Hannover 96 und der Karlsruher SC gemein haben und wie die Duelle der beiden Vereine ausgegangen sind. Eine Anekdote vorweg: Lars Stindl traf nicht nur gerne für die Roten, sondern auch gegen sie.  Zur Galerie
Vier Trainer und 16 Spieler waren in Diensten beider Klubs: Vor dem DFB-Pokalspiel zeigen wir Euch, was Hannover 96 und der Karlsruher SC gemein haben und wie die Duelle der beiden Vereine ausgegangen sind. Eine Anekdote vorweg: Lars Stindl traf nicht nur gerne für die Roten, sondern auch gegen sie.  ©
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Milos, warum kommt 96 nicht mehr ins Pokalfinale?

Die Meisterschaft ist für 96 schwer genug, da bleibt keine Zeit und auch keine Kraft, um Pokalsieger zu werden. Es gibt in Deutschland nur vier, fünf Mannschaften, die den Pokal gewinnen können. Frankfurts Überraschungssieg gegen Bayern war ja schon eine Ausnahme. Da, wo das meiste Geld ist, da wird auch der Erfolg sein. So ist das leider, wenn Ablösesummen von 100 Millionen Euro und mehr fließen. Dadurch haben die kleineren Mannschaften keine Chance.

Aber die erste Runde beim Drittligisten Karlsruhe wird 96 ja wohl überstehen, oder?

Das erste Spiel im Pokal ist immer schwer, egal, gegen wen. Nach unserem Pokalsieg 1992 sind wir in der Saison danach bei Hertha BSC rausgeflogen – aber gegen die Amateure.

Wie gewinnt 96 denn in Karlsruhe?

Da muss ich überlegen, vielleicht komme ich aus Belgrad eingeflogen. (lacht)

Umfrage: Wie soll die Aufstellung von 96 gegen den KSC aussehen?

Solche Spieler wie dich gibt es ja nicht mehr ...

In den heutigen Mannschaften hast du keine zwei, drei Spieler mehr, die eins gegen eins spielen können. Umgekehrt haben die Spieler, die das können, kaum noch eine Chance, weil es alles Athleten sind, die heutzutage Fußball spielen. Die stehen dir sofort auf den Füßen. Für mich ist das wie Schachspielen. Alle 30 Meter vor und dann zu­rück – eigentlich brauchst du da solche Typen wie mich, die das Spiel ein bisschen überraschender gestalten.

Aber so was kostet Kraft – wie hast du denn im Pokalfinale vor 26 Jahren als Raucher 120 Minuten durchgehalten?

Das Finale ist ja was ganz anderes, da hast du mehr Motivation. Im Halbfinale gegen Bremen war das ge­nauso. Ich war damals fast 32 Jahre alt und hatte schon so viele Spiele in Ex-Jugoslawien und Frankreich gemacht – aber das war nochmal etwas ganz Besonderes.

Im Pokalfinale bist du dann am Ende praktisch auf dem Zahnfleisch gekrochen ...

Ich habe mit Verletzung ge­spielt, hatte zwei Tage vorher vier Spritzen bekommen. Nach dem Spiel hatte ich am Knie eine Beule, die so groß war wie ein Handball. Das konnte nicht rausmassiert werden. Aber in so einem Spiel musst du mit einem Bein spielen, so ist das.

Wie viele Zigaretten hast du vor dem Spiel geraucht?

Früher habe ich nicht so viel geraucht, weil ich keine Zeit hatte. Du musst trainieren und früh ins Bett ... Ich habe in meiner Karriere ungefähr eine Schachtel geraucht.

In der ganzen Karriere?

In der ganzen Karriere jeden Tag. Ich habe keinen Alkohol getrunken, aber ich habe meine Zigaretten gehabt. Was soll ich machen?

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Apropos: Wie war die Party nach dem Pokalsieg?

Bis morgens früh um fünf. Und bis nach Hannover ha­ben wir fünf Stunden ge­braucht, weil die ganze Autobahn dicht war, überall Stau. Da konnten wir im Bus weiterfeiern.

Dass 96 nicht mehr Pokalsieger werden kann, haben wir verstanden – aber was geht denn in der Bundesliga in dieser Saison? Den Trainer André Breitenreiter kennst du ja, der gehörte auch zur Pokalsiegermannschaft, war damals 18 Jahre alt.

Er muss ein guter Trainer sein, weil er auch ein guter Spieler war. Was er in Paderborn und Schalke gemacht hat, war ja auch schon gut.

Hast du eine Lieblingsmannschaft?

Natürlich meine Heimmannschaft Partizan Belgrad – und in Deutschland Hannover. Aber ich sehe auch Liverpool sehr gerne, Manchester City, Real oder Barcelona – da, wo Fußball gespielt wird. Wenn ich Schach lieben würde, dann würde ich Schach spielen.

Das waren die Erstrunden-Spiele von Hannover 96 im DFB-Pokal seit der Saison 2000/01:

<b>2000: VfL Osnabrück - Hannover 0:1:</b> Ein knapper Erfolg für die Roten, die es nach dem Führungstor von Danijel Stefulj versäumten, weiter Druck zu machen. Osnabrück kam aber zu wenig Chancen, sodass Jörg Sievers keine Probleme hatte, die Null zu halten. Zur Galerie
2000: VfL Osnabrück - Hannover 0:1: Ein knapper Erfolg für die Roten, die es nach dem Führungstor von Danijel Stefulj versäumten, weiter Druck zu machen. Osnabrück kam aber zu wenig Chancen, sodass Jörg Sievers keine Probleme hatte, die Null zu halten. ©

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