19. April 2018 / 23:26 Uhr

Hannover 96: Mitglieder lehnen Satzungsänderung ab

Hannover 96: Mitglieder lehnen Satzungsänderung ab

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Jahreshauptversammlung von Hannover 96 in der Swiss Life Hall.
Die 96-Mitglieder haben einen Satzungsänderungsantrag auf der Jahreshauptversammlung des Vereins abgelehnt. © Florian Petrow
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Die Satzung von Hannover 96 bleibt unverändert. Die Mitgliederversammlung hat auf der Jahreshauptversammlung den Änderungsantrag zweier Mitglieder abgelehnt. Die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verfehlte der Antrag, bekam aber die Mehrheit der Stimmen.

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Die Mitgliederversammlung von Hannover 96 hat den Satzungsänderungsantrag abgelehnt. Die beiden Antragssteller bekamen bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstagabend gegen 23.30 Uhr für ihr Vorhaben nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit, erhielten allerdings bei der öffentlichen Abstimmung die Mehrheit der Stimmen. 576 stimmten für den Antrag, 544 dagegen. Zuvor hatten die Mitglieder dem Vorstand und Aufsichtsrat überraschend die Entlastung verweigert.

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Mit ihrem Antrag wollten die beiden Mitglieder erreichen, dass die Hauptversammlung in der Satzung deutlich gestärkt werden sollte. Die Beschlüsse der Jahreshauptversammlung sollten nicht mehr nur empfehlenden, sondern bindenden Charakter haben.

Die JHV im Liveticker

Gegner fürchteten um Handlungsunfähigkeit des Vereins

96-Clubchef Martin Kind hatte im Vorfeld der Jahreshauptversammlung im Sportbuzzer-Interview für die Ablehnung des Satzungsänderungsantrages geworben. "Das wäre das Ende von 96 in der bestehenden Form", sagte der 96-Boss. Der Vorstand hätte keine Handlungsfreiheit mehr gehabt.



Ähnlich argumentierte der 96-Aufsichtsratsvorsitzende Valentin Schmidt. Er fürchtete um die "Handlungsunfähigkeit des Vereins". Versammlungsleiter Helmut Hartung bezeichnete den Antrag gar als "rechtswidrig".

Hannover 96: Bilder der Jahreshauptversammlung 2018

Jahreshauptversammlung von Hannover 96 in der Swiss Life Hall. Zur Galerie
Jahreshauptversammlung von Hannover 96 in der Swiss Life Hall. ©

Antragssteller Jens Boldt sagte in seiner Rede: "Mein Verein gibt ein Bild des Jammers ab. Die Mitglieder sollten das Sagen haben." Seine Co-Antragsstellerin Nathalie Wartmann warb ihrerseits für einen demokratischeren Verein: "Wenn ich meine Kinder in einen Verein stecke, möchte ich es in einem demokratischen Verein sehen."

Die IG Pro Verein wies darauf hin, dass die Beschlüsse der Mitgliederversammlung vom 96-Vorstand in der Vergangenheit oft nur als Empfehlung verstanden worden sind - Gerichtsurteile bestätigten diese Sicht.

​Der Satzungsänderungsantrag im Wortlaut

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§ 11 Ziffer 1 Satz 2 der Satzung wird um den Zusatz „und die Vereinsorgane" erweitert und soll dann lauten:

„Die Mitgliederversammlung ist das oberste beschließende Organ des Vereins Ihre Beschlüsse sind für alle Mitglieder und die Vereinsorgane verbindlich. Stimmberechtigt sind alle Volljährigen Mitglieder des Vereins (gern. § 8 Ziffer 3)."

§ 11 Ziffer 2 der Satzung wird dahingehend geändert, dass die Mitgliederversammlung in allen Belangen des Vereines zuständig ist:

1. Die Mitgliederversammlung ist in allen Belangen des Vereines zuständig, insbesondere ist sie zuständig für:

a) Entgegennahme der Berichte der Vereinsorganeb) Entlastung von Vorstand und Aufsichtsratc) Wahl und Abberufung der Mitglieder des Aufsichtsratesd) Wahl und Abberufung der Mitglieder des Ehrenratese) Festsetzung von Mitgliedsbeiträgen und Umlagen mit Ausnahme der Beiträge für Fördermitglieder, die gem. § 6 Abs. 6 vom Vorstand festgesetzt werdenf) Entscheidung über Anträgeg) Entscheidung über Satzungsänderungen bzw. Neufassung einer Satzungh) Entscheidung über Auflösung des Vereins

§ 15 Ziffer 3 a) der Satzung wird geändert: Das Wort „entscheidet" wird durch das Wort „vertritt" geändert und ein neuer Satz eingefügt, wonach auch der Vorstand an die Entscheidungen der Mitgliederversammlung gebunden ist.

Die Neufassung des § 15 Ziffer 3 a) lautet:

„Der Vorstand vertritt den Verein in allen ideellen, sportlichen, wirtschaftlichen und strategischen Belangen. Er ist an die Beschlüsse der Mitgliederversammlung gebunden. Ihm obliegt die Darstellung des Vereins in der Öffentlichkeit."

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Begründung

Der Satzungsänderungsantrag ist notwendig, damit der Hannoversche Sportverein von 1896 e.V. seinen Pflichten als Mitglied der Niedersächsischen Fussballverband (NFV) nachkommt.Gemäß § 4 unserer Satzung ist unser Verein Mitglied in den für seine Sportabteilungen zuständigen Sportfachverbänden. Hierzu gehört der Niedersächsische Fußballverband. Der NFV ist gemäß § 5 1 der NFV-Satzung wiederum Mitglied im Deutschen Fußballbund (DFB). Die Regelungen des DFB sind für den Antragsgegner verbindlich (§ 14 DFB-Satzung).

Der DFB verfügt über einen Ethik-Kodex. In dessen Präambel heißt es:

"Der DFB will den Fußball dauerhaft tragfähig und erfolgreich organisieren sowie seine vielfältigen Potenziale auch zur Erhaltung und Stärkung der demokratischen und ethischen Grundlagen einer freiheitlichen Gesellschaft verantwortlich nutzen."

Damit unser Verein seinen Pflichten nachkommt, ist die Änderung notwendig.

Zudem haben in der letzten Mitgliederversammlung die Mitglieder unseres Vereines einen Beschluss gefasst, der im Anschluss zu einem oder mehreren Gerichtsverfahren geführt hat. Innerhalb dieses Gerichtsverfahren wurde entschieden, dass Beschlüsse der Mitgliederversammlung für den Vorstand nicht bindend sind. In den Medien war das hässliche Wort "Vorstandsdiktatur" zu lesen.

Mit diesem Antrag soll klargestellt werden, dass sich der Hannoversche Sportverein von 1896 e.V. im Einklang mit den übergeordneten Verbänden zu demokratischen Grundsätzen bekennt und die Entscheidungskompetenz bei den Mitgliedern liegt. Damit soll auch gegenüber den Medien das Signal gesandt werden, dass in unserem Verein keine "Diktatur" vorherrscht, sondern eine Meinungsvielfalt Platz haben kann - sofern sie auf Achtung und Anstand beruht.

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