10. Oktober 2021 / 18:24 Uhr

Klare Mehrheit: 50+1 kommt nach Mitgliederversammlung des 96 e.V. in Satzung

Klare Mehrheit: 50+1 kommt nach Mitgliederversammlung des 96 e.V. in Satzung

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die 96-Mitgliederversammlung war zum ersten Mal in der HDI-Arena unter freiem Himmel. Vorsitzender Sebastian Kramer berichtete von einer schwierigen finanziellen Lage.
Die 96-Mitgliederversammlung war zum ersten Mal in der HDI-Arena unter freiem Himmel. Vorsitzender Sebastian Kramer berichtete von einer schwierigen finanziellen Lage. © Florian Petrow
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Die Mitgliederversammlung des Stammvereins von Hannover 96 hat mit einer großen Mehrheit beschlossen, dass die 50+1-Regel in der Satzung verankert wird. Der Vorsitzende Sebastian Kramer berichtete auf der mehrstündigen Veranstaltung zudem von einer "schwierigen Finanzlage".

Mitgliederversammlungen von Hannover 96, des Stammvereins, sind immer spannend. Erst recht, seit der Chef des Profifußballs, Martin Kind, seit 2019 nicht mehr gleichzeitig Präsident des Vereins ist. Kind war am Sonntag zum ersten Mal nicht dabei bei der Mitgliederversammlung. Seine frühere Opposition sitzt nun im Vorstand und im Aufsichtsrat. Sportdirektor Marcus Mann übernahm für Kind den sportlichen Bericht – und sammelte Sympathiepunkte. Seine Botschaft vor 497 Stimmberechtigten in der HDI-Arena: Es soll wieder aufwärts gehen mit dem 96-Fußball. Applaus. 

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Im Umgang mit der 50+1-Regel sendete 96 ein klares Signal. Kind hatte viele Jahre für die Abschaffung der Regel gekämpft, um den Einfluss der Investoren zu vergrößern. Mit dem aktuellen Vorstand geht es in eine andere Richtung. Selbst wenn die Deutsche Fußball-Liga oder der DFB die Regel aushebeln sollten, wäre in Hannover 50+1 immer noch gültig.

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Die Versammlung stimmte mit weit über einer Zweidrittelmehrheit für einen entsprechenden Antrag: Nun ist 50+1 Teil der 96-Satzung. Der Antrag schreibt vor, dass zukünftig Anteilsverkäufe des Vereins nicht mehr vom Vorstand allein, sondern von den Mitgliedern bestimmt werden. Der Antrag bekam 17 Gegenstimmen, 15 Enthaltungen. Das zeigt, wie sehr aktueller Vorstand und die Mitglieder auf einer Linie sind.

„Toll, harmonisch, überwältigend“, fand Aufsichtsrat Ralf Nestler die Versammlung. Die 21.063 Mitglieder haben nun mehr Macht im Verein. Aber wie geht es dem e.V. von 1896 finanziell? „Desaströs“, beschrieb Ex-Vorstandsmitglied Jörg Voltmer die Lage in einem Wortbeitrag. Das Sportzen­trum an der Stammestraße verursachte die meisten Kosten. Den Verein drücken Verbindlichkeiten – nun waren Darlehen die Lösung für den Vorstand, der die Geschäfte 2019 von Kind übernahm.

Antrag auf Briefwahlmöglichkeit abgelehnt

Der e.V. nahm 4,5 Millionen Euro bei der Förderbank (KfW) auf, zusätzlich ein vorerst tilgungs- und zinsfreies Darlehen über 1,8 Millionen Euro bei den Gesellschaftern der 96-Profigesellschaft – also auch von Kind. Der Vorsitzende Sebastian Kramer gestand eine „schwierige Finanzlage“ zur Zeit der Übernahme 2019. Mit Marketing, Sponsoren und Mitgliederzuspruch hofft der 96-Verein nun, die Schulden in den Griff zu bekommen.

Für Aufsichtsratswahlen der Zukunft lehnte die Versammlung einen Antrag auf demokratische Briefwahlen ab. 30 Mitglieder stimmten dafür, um älteren und zeitlich verhinderten Sportlern aus Leichtathletik, Triathlon, Tischtennis oder Schwimmen die Möglichkeit zu geben, ihre Stimmen abzugeben. Mit einer Stimme feierten die Mitglieder den letzten lebenden deutschen Meister von 1954: 75 Jahre ist Rolf Gehrcke (89) Mitglied bei 96. Standing Ovations, alle waren sich einig.