28. Oktober 2020 / 16:51 Uhr

Logistiker statt Dachdecker: So will 96 Moussa Doumbouya an die Profis heranführen

Logistiker statt Dachdecker: So will 96 Moussa Doumbouya an die Profis heranführen

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Moussa Doumbouya soll sich noch mehr aufs Sportliche konzentrieren, um sich in der U23 für die Profis empfehlen zu können.
Moussa Doumbouya soll sich noch mehr aufs Sportliche konzentrieren, um sich in der U23 für die Profis empfehlen zu können. © Florian Petrow
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Bei 96 halten die Verantwortlichen große Stücke auf Moussa Doumbouya. Der Flüchtling aus Guinea hat jetzt einen Ausbildungsvertrag als Logistiker unterschrieben, um sich besser aufs Sportliche konzentrieren zu können als als Dachdecker. Über die U23 soll sich der kräftige Stürmer für die Profis anbieten.

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Hannover 96 hat ihn vom Dach geholt – und Moussa Doumbouya eine neue Arbeitsstelle beschafft. „Er ist auf dem Boden gelandet“, sagt sein Berater Altin Lala. In einem Unternehmen in der Region startet der 22-Jährige einen neuen Versuch fürs Leben neben dem Fußball. „Doumbouya hat jetzt einen Ausbildungsvertrag als Logistiker unterschrieben“, sagt 96-Chef Martin Kind.

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Doumbouya war als Flüchtling mit dem Boot über Libyen ins Land gekommen. Der Mann aus Guinea spielt jetzt im zweiten Jahr für die U23 von 96. Die Arbeitserlaubnis und Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, war sowohl für das hoffnungsvolle Fußballtalent als auch den Verein kompliziert.

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Im Lager zu lernen wird jedoch weniger kraftaufwendig sein, als von Montag bis Freitag auf den Häusern herumzuklettern. Die Dachdeckerausbildung in Celle hat er abgebrochen. Schließlich soll Doumbouya ja auch noch trainieren. Für drei Jahre soll er nun im Lager in die Lehre gehen, fürs Erste soll der Stürmer der U23 deshalb auch keinen Profivertrag unterschreiben. „Als Nicht-EU-Ausländer dürfte er mit einem Profivertrag nicht in der Regionalliga spielen“, erklärt sein Berater Lala. „Damit würden wir ihm aber keinen Gefallen tun.“

Doumbouya soll sich in der U23 weiterentwickeln

96 hat den Stürmer ersatzweise erneut mit einem Amateurvertrag ausgestattet, bis Juni nächsten Jahres. „Formal ist jetzt alles geregelt“, sagt Kind. „Es bietet ihm auch die Chance, bei den Profis reinzuschnuppern.“

Der Plan: Der Torjäger soll sich in der U23 unter den erleichterten Arbeitsbedingungen weiterentwickeln. „Wenn er performt, hat er die Chance, nach oben zu kommen“, sagt Lala. „Man kann ihn bei den Profis reinwerfen, aber das ist jetzt nicht das Thema. Er muss erst bei der U23 liefern.“

Das kann Doumbouya zurzeit nicht – er ist verletzt. Ein Muskelfaserriss stoppte ihn, in den letzten beiden Partien gegen Wolfsburg II und Havelse fehlte Doumbouya. In seinen fünf Spielen für die U23 hat er in dieser Saison vier Tore erzielt. Bei saisonübergreifend 24 Einsätzen kommt er auf zehn Tore.

Kocak soll sich intensiv um den Nachwuchs kümmern

In Zeiten, in denen die Stürmer bei den Profis nicht regelmäßig treffen, kann ein kopfballstarker, schneller und torhungriger Joker auf der Bank hilfreich werden.

Cheftrainer Kenan Kocak hat ein Auge auf Doumbouya, wie er sich fortan auch intensiver um den 96-Nachwuchs kümmern will. „Kocak hat den Ehrgeiz zu zeigen, dass er Talente hochbringen kann“, erklärt Kind. Vom Profitrainer identifizierte Talente aus der U17 und U19 sollen immer mal wieder mittrainieren und gezielt gefördert werden.