05. Juni 2021 / 09:14 Uhr

Viele Nebenschauplätze: Wer treibt bei 96 eigentlich den Umbau der Mannschaft voran?

Viele Nebenschauplätze: Wer treibt bei 96 eigentlich den Umbau der Mannschaft voran?

Dirk Tietenberg und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jan Zimmermann (von links), Martin Kind und Gerhard Zuber: Sie alle sind beim Umbau der Mannschaft bei 96 involviert - mehr oder weniger stark.
Jan Zimmermann (von links), Martin Kind und Gerhard Zuber: Sie alle sind beim Umbau der Mannschaft bei 96 involviert - mehr oder weniger stark. © Florian Petrow
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Es ist ja nicht so, dass es rein sportlich nichts zu tun gäbe bei Hannover 96. Aber angesichts der vielen Nebenschauplätze stellt sich die Frage: Wer treibt eigentlich den Umbau der Mannschaft voran? Auf der Prioritätenliste ganz oben steht die Verpflichtung eines zentralen Mittelfeldspielers.

Die Wahrheit soll im Fußball angeblich auf dem Sportplatz liegen. Der neue Trainer von Hannover 96 wäre gewiss froh, wenn er endlich auf den Platz könnte. Jan Zimmermann bereitet aktuell den TSV Havelse auf die Aufstiegsspiele gegen Schweinfurt in die 3. Liga vor und startet erst am 21. Juni mit den Profis von 96.

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Auf den Nebenschauplätzen stehen sich zwei verhärtete Fronten gegenüber. Der Machtkampf um die 96-Zukunft nach der Installation des Geschäftsführers Robert Schäfer beherrschte in der vergangenen Woche die Themenlage.

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Dabei geht beinahe unter, dass 96 eine Fußballmannschaft bauen muss. Aber wer managt das eigentlich gerade? Gerhard Zuber arbeitet nur als Manager auf Abruf. Er mischt ein bisschen mit, sitzt bei Willkommensfotos mit Spielern oder neuen Torwarttrainern und bei Vertragsunterzeichnungen am Tisch.

Trennung von Zuber seit Monaten ein Thema

Bei der Trainersuche war Zuber außen vor, obwohl dies seine Baustelle gewesen wäre. Nach einem Treffen ließ der 96-Boss Martin Kind zunächst offen, ob Zuber weiter arbeiten darf oder soll. Offen ist außerdem, wie lange der Österreicher die Arbeitsbedingungen akzeptiert. Die Trennung liegt seit Monaten in der Luft.

Derweil wird fast täglich über Zubers Kopf hinweg über einen neue Managerkandidaten spekuliert, der nicht kommt. Also managt Trainer Zimmermann es vorerst allein. Die Neuen Sebastian Stolze und Sebastian Ernst holte noch Zuber, bei Verteidiger Julian Börner soll Zimmermann die treibende Kraft sein.

96 sucht einen zentralen Mittelfeldspieler, einen Typen, wie Waldemar Anton es war. Das hat Priorität auf der Liste des Trainers. Kind traut Zimmermann das Management zu. "Das hat Zimmermann im Kleinen in Havelse schon so gemacht."


Die Manager von Hannover 96 seit 1996:

<b>Franz Gerber:</b> Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. Zur Galerie
Franz Gerber: Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. ©

Sogar im großen Stil. In Havelse kümmerte er sich um die Leistungsmannschaft, um die Jugend, um Transfers und Sponsoren. Spielerberater oder Scouts rufen aktuell Zimmermann an, wenn es um potenzielle Spieler für 96 geht – nach dem Muster englischer Team Manager. So soll es nicht bleiben, wenn es nach dem neu vorgestellten starken Mann bei Hannover 96 geht.

Dissonanzen bei der Personalie Schäfer

Kind kündigte an, Schäfer werde die Gestaltung der Zukunft übernehmen. Der Geschäftsführer der Arena- und Sales-&-Service-Gesellschaft soll mit seinem Vorschlag für eine Scouting-Abteilung und die Stelle des Kaderplaners bei Kind auf offene Ohren gestoßen sein.

Schäfers und Kinds Plänen stellte sich nun der Mutterverein in den Weg. Der Vorwurf: Schäfer stehe für die Abschaffung der 50+1-Regel bei den Profis. Für den Erhalt de Regel stehe wiederum das gewählte Vorstands-Gremium des Vereins. Schäfer müsste von Vereinsvertretern mitgewählt werden. Vereinschef Sebastian Kramer sagte aber: „Herr Schäfer wird niemals Profi-Chef.“ Zwischen Schäfer und Verein gab es noch kein Gespräch.

Ehemalige Wegbegleiter Schäfers berichten: Der 45-Jährige sei gut darin, Menschen von sich zu überzeugen und man sei zweitens zuversichtlich, Schäfer werde 96 mit Pragmatismus in die Bundesliga führen – wie 2018 als Düsseldorf-Chef.

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Zimmermann tut aktuell gut daran, sich auf die sportliche Seite im zerstrittenen Klub zu schlagen. Sein Havelser Co-Trainer Jens Jansen ist fix bei 96. Felix Sunkel, der frühere Fitmacher des deutschen Eishockeymeisters Hannover Scorpions (2010), wird es werden. Er kommt aus Paderborn. Die offene Position des „Sechsers“ wird Zimmermann auch noch managen. Vielleicht schafft er das sogar, bevor er ab dem 21. Juni die Wahrheit auf dem 96-Platz sucht.