10. Januar 2020 / 08:03 Uhr

Neuer Gesellschafter zur neuen Saison: So plant Hannover 96 die Zukunft

Neuer Gesellschafter zur neuen Saison: So plant Hannover 96 die Zukunft

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Plant kommende Saison mit neuem Gesellschafter: 96-Boss Martin Kind.
Plant kommende Saison mit neuem Gesellschafter: 96-Boss Martin Kind. © imago images / Picture Point
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Der Abstieg bedeutete 13 Millionen Euro Verlust: Beim 96-Neujahrsempfang sprach Martin Kind über die Zukunft des aktuell taumelnden Zweitligaklubs. Zur neuen Saison soll sich ein neuer Gesellschafter finanziell beteiligen, außerdem erwartet Kind eine höhere Erfolgsquote bei Transfers. So soll es dann in der nächsten Spielzeit zum Aufstieg reichen. 

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Schwierige Zeiten bei Hannover 96. Im Rückspiegel erscheint eine Kraterlandschaft, voraus lässt sich auch nur schwer ein gut gepflasterter Weg in eine bessere Zukunft erahnen. Beim Neujahrsempfang gab sich Profichef Martin Kind dennoch Mühe, ein hoffnungsvolles Bild von 96 in den nächsten Jahren zu zeichnen.

Der 75-Jährige machte aber auch klar, welch hoher Preis für den Abstieg gezahlt werden muss. „Dramatische sportliche und wirtschaftliche Auswirkungen“ hatte der Absturz in die 2. Liga. In der aktuellen Saison summiert sich das laut Kind „auf einen Verlust von 13 Millionen Euro“. Auf zwei Jahre sind es sogar 34 Millionen Euro, dagegen gerechnet werden aber Spielerverkäufe von etwa 20 Millionen Euro.

Das Jahr 2019 in Bildern: So lief es für Hannover 96 in der 1. und 2. Bundesliga

Beine hochlegen nach Silvester? Das gab es für die 96-Profis auch im Jahr 2019 nicht! Am 2. Januar versammelte Trainer André Breitenreiter die Mannschaft auf dem heimischen Trainingsgelände zum Laktattest, einen Tag später ging es für acht Tage ins Trainingslager nach Marbella. Zur Galerie
Beine hochlegen nach Silvester? Das gab es für die 96-Profis auch im Jahr 2019 nicht! Am 2. Januar versammelte Trainer André Breitenreiter die Mannschaft auf dem heimischen Trainingsgelände zum Laktattest, einen Tag später ging es für acht Tage ins Trainingslager nach Marbella. ©

Viele Altlastverträge laufen aus

Der Umsatz sackte von 90 Millionen Euro in der Bundesliga auf „maximal 42 Millionen in der 2. Liga“, erläuterte Kind. Die Einnahmen um mehr als die Hälfte verringert, die Ausgaben aber weiter bundesligareif – das erklärt den Sparkurs. „Die Kosten können in einem Jahr nicht angepasst werden“, sagte Kind.

Das gilt vor allem für Spielerverträge. Zwar seien mit den meisten Profis Abschläge von 30 bis 50 Prozent vom Erstligagehalt vereinbart worden – mehr sei am Markt nicht durchsetzbar – dennoch läge das Gehalt noch um mehr als das Doppelte über dem, was in der 2. Liga angebracht sei.

So bleiben Profis wie Matthias Ostrzolek, Miiko Albornoz und auch Josip Elez Großverdiener – oft genug ohne entsprechende Gegenleistung. Die gute Nachricht: Zum Saisonende laufen die meisten dieser Altlastverträge aus. Das heißt: Erst dann kann ein wirklicher Neustart beginnen.

Bilder vom Training von Hannover 96 (9. Januar):

Felipe macht beim Kopfballspiel große Augen.  Zur Galerie
Felipe macht beim Kopfballspiel große Augen.  ©

Mehr Erfolg bei Transfers

Kind erwartet, dass dies erneut in der 2. Liga sein wird. „Ziel ist, dass wir in dieser Saison einen sicheren Tabellenplatz erreichen und die Basis für die Weiterentwicklung von Hannover 96 legen.“

Erst dann können Spieler zu Zweitligakonditionen geholt werden. Die Transfer­erfolgsquotenmesslatte legte Kind künftig auf „70 bis 80 Prozent“. In der aktuellen Saison liegt die Erfolgsquote deutlich niedriger. Doch schon im Januar könnten drei Spieler dazukommen. „Wir haben uns auf Namen verständigt“, bestätigte Kind.

Für die Sommertransfers wird frisches Geld benötigt, das eigentlich nicht vorhanden ist. Zumal das TV-Geld um 3 Millionen Euro zur kommenden Zweitligasaison gekürzt wird.

„Bereitschaft vermögender hannoverscher Bürger, sich bei 96 zu beteiligen“

Der Ausweg für Kind: Zum Sommer soll das Eigenkapital in der 96-Profigesellschaft S & S deutlich erhöht werden. Kind spricht von der „Bereitschaft vermögender hannoverscher Bürger, sich bei 96 zu beteiligen“. Auch die drei Gesellschafter, Kind, Dirk Rossmann und Gregor Baum, überlegen, ihre Anteile zu erhöhen. „Ich bin in der Endphase, das neu zu ordnen“, erklärte der Mehrheitsgesellschafter.

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Erstligareife Infrastruktur

So soll es dann in der nächsten Saison zum Aufstieg reichen. „Unser Anspruch muss ein anderer sein als in Sandhausen“, sagte Kind mit Verweis auf die erstligareife Infrastruktur mit HDI-Arena und Nachwuchszentrum. Nun hat aber gerade der neue Trainer früher in dem 15 000-Einwohner-Örtchen erfolgreich gearbeitet.

Kind setzt voll auf Kocak. „Ihm ist es gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren und schrittweise zu entwickeln“, lobte der 96-Chef. „Die Mannschaft lebt und will gewinnen“, und so hofft Kind, „dass wir auch den Stimmungsumschwung bei den Zuschauern schaffen können“.