15. Mai 2020 / 08:37 Uhr

"Musst dich reinfuchsen": 96-Sportdirektor Zuber über den (verzögerten) Neustart

"Musst dich reinfuchsen": 96-Sportdirektor Zuber über den (verzögerten) Neustart

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sportdirektor Gerhard Zuber (eingeklinkt) sieht Hannover 96 gut gerüstet für den Neustart.
Sportdirektor Gerhard Zuber (eingeklinkt) sieht Hannover 96 gut gerüstet für den Neustart.
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Die Profis von Hannover 96 haben - trotz verzögertem Neustart - mittlerweile Fahrt aufgenommen. Sportdirektor Gerhard Zuber blickt auf einen holprigen Auftakt mit Zweikämpfen zurück. Die Geisterspiele seien allerdings auch psychisch eine belastende Sache, der er zuversichtlich entgegensieht.

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Seit einer Wo­che dürfen Hannover 96 und die anderen Zweitligisten wieder normal trainieren. Es war ein langer Weg hin zu mehr Normalität und zurück zu Zwei­kämp­fen, nun steht der Neu­start in der 2. Bundesliga kurz bevor – aber für 96 nicht. Man muss warten wegen der Dresdner Corona-Quarantäne. Glück im Unglück: Eine Woche mehr Wartezeit heißt auch eine Woche mehr Zeit für Vorbereitung und Fitness. Und 96 hält das Tempo hoch.

Es ist dennoch ein Zwiespalt, in dem das Team von Kenan Kocak steckt. Denn die Vorfreude auf den Wettbewerb ist groß. Das weiß auch Gerhard Zu­ber. „Wenn ich es mir hätte aussuchen können, hätte ich definitiv lieber gespielt“, so der 96-Sportdirektor. „Ich glaube, dass es ein Vorteil ist, wenn du schon ein Geisterspiel in den Beinen hast. Du kennst die Bedingungen besser, die neuen Wechselmodalitäten, und hin­tenraus könnte es ein Nachteil sein, dass wir eine englische Woche mehr ha­ben... Aber wir machen definitiv das Beste aus der Situation.“

Bilder vom Training von Hannover 96 (14. Mai)


Jannes Horn führt den Ball an der Außenlinie, Simon Stehle naht. Zur Galerie
Jannes Horn führt den Ball an der Außenlinie, Simon Stehle naht. ©

Und die fühlt sich dieser Tage schon wieder besser an. „Wir freuen uns drauf, dass wir bald weiterspielen können“, be­tont Zuber. Die wo­chen­lan­ge Pause sei eine „permanente Drucksituation“ ge­­we­­sen: „Jetzt ist es wie ein Licht am Ende des Tunnels, es fühlt sich alles ein bisschen leichter an.“

"Das ist wie im Sommer: Du fängst klein an"

Weil Dresden in die Team-Quarantäne muss, hängt 96 zwar noch für ein Wochenende in der Warteschleife, die Profis hängen deshalb aber nicht durch – auch wenn’s zum Zweikampfstart vor acht Ta­­gen „ein bisschen holprig“ war, verrät Zuber, der sich jedes Profitraining ansieht.

Kleine Start­pro­blem­chen sind aber kein Wunder nach der wochenlangen Zwangspause, Quarantäne und langsamem Trainingseinstieg oh­ne Nähe. „Du merkst schon, dass der Körper relativ schnell ab­baut. Du musst dir einiges wieder aneignen, dich reinfuchsen“, weiß Zu­ber, „da bist du auch mal ein bisschen spät im Zweikampf oder hast kein gutes Timing beim einen oder anderen ho­hen Ball. Das ist wie im Sommer, wenn du mit der Vorbereitung be­ginnst: Du fängst klein an“ – und wirst schnell besser. Da hilft die Extrawoche Vorbereitung den 96-Profis dann doch.

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Die Corona-Spiele werden aber nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine belastende Sache. „Du brauchst willige Spieler, die die letzten PS aus sich he­raus­ho­len. Da ist viel Eigenmotivaton gefragt, du musst dich selbst brutal pushen“, sagt Zuber. Denn von außen kommt nichts, die Fans dürfen bei den Geisterspielen nur per Fernseher zusehen. Weitere Veränderungen: „Du darfst nicht fluchen, nicht schimpfen, den Druck nicht rauslassen, nicht jubeln, nicht spucken – alles nicht. Das sind eigentlich Automatismen. Es wird sich alles einspielen, aber erst mal ist das komisch.“

Zuber erwartet Veränderungen in der Tabelle

Ein bisschen „komisch“ könnte es auch bei den Er­geb­nis­sen werden. 96-Entscheider Zuber erwartet je­den­falls Veränderungen in der Tabelle. „Ich glaube nicht, dass es nach so einer langen Pause einfach weitergeht wie vorher. Es sind komplett neue Voraussetzungen, und keiner weiß, wo er steht. Das darfst du nicht unterschätzen. Da kann einiges durchgeschüttelt werden.“

Für 96 sieht er aber natürgemäß zuversichtlich nach vorne: „Wir haben gute, stabile Jungs.“ Und an der Stabilität können sie eine Woche länger arbeiten als die Konkurrenz.