09. Februar 2021 / 20:20 Uhr

Der unglaubliche Hult: Doppelter Derbyheld wird immer mehr zum Glücksgriff für 96

Der unglaubliche Hult: Doppelter Derbyheld wird immer mehr zum Glücksgriff für 96

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bei AEK Athen spielte er schon Champions League, die fußballerische Klasse merkt man Niklas Hult im 96-Trikot an.
Bei AEK Athen spielte er schon Champions League, die fußballerische Klasse merkt man Niklas Hult im 96-Trikot an. © Getty Images / imago images
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Er ist ein echter Glücksgriff: Niklas Hult kam im Sommer ablösefrei und hat die jahrelange 96-Problemposition hinten links enorm aufgewertet. Seine zwei Derby-Vorlagen am Samstag haben seinen Status als Publikumsliebling noch mal zementiert. So tickt der 31-jährige Schwede.

Niklas Hult reckt die linke Faust nach oben, an der die Mund-Nasen-Maske baumelt, lächelt in die Kamera: „Wir sind Derbysieger – jaaa!“ Das sind er und Hannover 96 sogar doppelt, und daran hat Hult einen großen Anteil: ein Tor beim Hinspiel-4:1, zwei Vorlagen beim Auswärts-2:1.

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Alter Schwede, was für eine Quote! Beim Transfer im Sommer war Hannovers neuer Abwehrheld für viele ein Noname, doch hat er sich als Glücksgriff entpuppt – und in Rekordzeit zum Fanliebling gemausert.

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<b>John Guidetti</b>: Der 28-jährige Schwede kam auf Leihbasis in der Winterpause der Saison 2019/2020 von Deportivo Alavés. Ein halbes Jahr reichte dem sympathisch-verrückten Wandervogel, um nachhaltig Eindruck bei den Fans zu hinterlassen. Sportlich durch starke Leistungen, abseits des Platzes durch eine klare Haltung und seine offene, humorvolle Art. Die Kaufoption war 96 dennoch zu hoch, Guidetti kehrte nach Alavés zurück Zur Galerie
John Guidetti: Der 28-jährige Schwede kam auf Leihbasis in der Winterpause der Saison 2019/2020 von Deportivo Alavés. Ein halbes Jahr reichte dem sympathisch-verrückten Wandervogel, um nachhaltig Eindruck bei den Fans zu hinterlassen. Sportlich durch starke Leistungen, abseits des Platzes durch eine klare Haltung und seine offene, humorvolle Art. Die Kaufoption war 96 dennoch zu hoch, Guidetti kehrte nach Alavés zurück ©

Nahbar und sportlich ein Gewinn

Allzu viel Zeit verbringt Hult sonst eigentlich nicht in sozialen Netzwerken. Doch nach der erneuten Glanzleistung gegen Braunschweig lud er erst Derbysieger-Gruppenfotos hoch auf Instagram, antwortete dann noch Fans, die ihm zuhauf begeistert gratuliert hatten. Der Linksverteidiger ist sportlich ein Upgrade. Nahbar dazu. Das kommt an. „Ich liebe Derbys“, schrieb Hult bei Instagram dazu. Und Hannover liebt den Schweden, der am Samstag 31 Jahre alt wird.

Hult spielte in Schwedens U21 mit Albornoz zusammen

Auch für dessen offensive Power. Die kommt nicht von ungefähr. Früher war Hult linker Mittelfeldspieler, daher kommt der Drang nach vorn. Im schwedischen U21-Nationalteam spielte er sogar mal mit dem Miiko Albornoz zusammen: Der Ex-96er als Linksverteidiger, Hannovers neuer Star davor.

"Lieber ein guter Linksverteidiger als ein mittelmäßiger Mittelfeldspieler"

Doch dann verletzte sich Hult schwer, danach fehlte es nach eigenen Angaben an Explosivität und Endgeschwindigkeit. Hult schulte um. „Ich habe mich entschieden, lieber ein guter Linksverteidiger zu werden, statt ein mittelmäßiger Mittelfeldspieler“, erzählte er lachend im Interview. Eine gute Wahl.

"Als ich hierherkam, habe ich bei minus zehn angefangen"

Während die Außenpositionen der Verteidigung in den Vorjahren oft eher eine 96-Schwäche war, hat der Klub im Sommer nachgelegt. Hult kam vom AEK Athen – ein 30 Jahre alter Schwede, der wegen des auslaufenden Vertrages ein halbes Jahr nur unregelmäßig gespielt hatte.


Die Profis schnippen Schnee: Bilder vom Training von Hannover 96 (9. Februar 2021)

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Die Profis schnippen Schnee: Bilder vom Training von Hannover 96 (9. Februar 2021) ©

Das klang nicht nach einer großen Transfernummer oder einem Superschnapper, auch wenn der schwedische Jetzt-wieder-Nationalspieler immerhin ablösefrei zu haben war. „Als ich hierherkam, habe ich bei null angefangen – oder eher minus zehn“, verriet Hult mal lachend. Die zwei Monate vorm 96-Engagement trainierte er für sich allein. Fürs Einleben, auch sportlich, hat er allerdings nicht lange gebraucht.

Kein großer Name, aber einer mit Klasse

Zumindest ganz detailverliebte Fußballkenner hatten das zumindest ahnen können. Mit 21 Jahren wurde Hult Nationalspieler, mit 22 Jahren schwedischer Meister. Die Verletzung bremste ihn zwar aus, trotzdem machte Hult seinen Weg, spielte Europa- und 2018 sogar in der Champions League. Hult verteidigte gegen Zlatan Ibrahimovic und Arjen Robben. Der Schwede hat keinen großen Namen, aber Klasse. Von beidem profitiert jetzt 96.

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Ein Aufstieg fehlt in seiner Vita noch

Und auch Hult profitiert, fühlt sich richtig wohl mit seiner Familie (Ehefrau Rebecca, eine Tochter und der Familienhund) in Hannover. In diesen Tagen sicher noch ein bisschen mehr mit schwedischen Schneeverhältnissen und doppelten Derby-Glücksgefühlen. Fehlt nur noch der Traumaufstieg für eine perfekte Einstandsaison.

Meister ist Hult in Schweden schon mal geworden, Nationalspieler, Pokalsieger, Champions-League-Kicker. Aber einen Aufstieg hat er noch nicht in seiner Vita. Wäre schön, wenn er den Punkt noch von seiner Liste streichen könnte.