19. April 2022 / 22:22 Uhr

Ein Jahr vor Vertragsende: 96 und Akademieleiter Tarnat trennen sich zum Saisonende

Ein Jahr vor Vertragsende: 96 und Akademieleiter Tarnat trennen sich zum Saisonende

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Abschied: 96-Akademieleiter Michael Tarnat hört zum Saisonende auf.
Abschied: 96-Akademieleiter Michael Tarnat hört zum Saisonende auf. © Michael Wallmüller
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96 und Michael Tarnat gehen zum Saisonende getrennte Wege. Der Vertrag wird ein Jahr vor Ende der Laufzeit aufgelöst. Darauf haben sich der Zweitligist und der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums geeinigt. Manager Marcus Mann sieht die „Chance, neue Impulse zu setzen“.

Der Umbau in der 96-Nachwuchsakademie geht weiter – und macht auch vor den Chefs nicht Halt. Am frühen Dienstagabend verkündete 96 die Trennung vom langjährigen Akademieleiter und früheren Starkicker Michael Tarnat (52) in diesem Sommer. „In beiderseitigem Einvernehmen“ heißt es in der dazugehörigen Mitteilung – aber ein Jahr vorm eigentlichen Ende von Tarnats Vertrag. Eine Abfindung wird trotzdem nicht fällig.

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Tarnat ist nach Fußballlehrer Stephan Schmidt, der die U19 coacht, der zweite namhafte Abgang aus der Akademie innerhalb von nur sieben Tagen. Der Ex-Profi (unter anderem 96, Bayern München, Manchester City) geht nach fünf Jahren als Talenteboss „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“. Die Entscheidung sei der richtige Schluss nach den Gesprächen der vergangenen Tage. „Ein offener und direkter Austausch ist mir in der ganzen Zeit immer wichtig gewesen“, betont Tarnat. „Wenn man über einen solchen Austausch gemeinsam darauf kommt, dass beide Seiten offen dafür sind, etwas Neues zu machen, dann ist das eine sehr saubere Lösung.“

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Offiziell bleibt 96 zwar vage bei den Trennungsgründen, doch die Durchlässigkeit aus dem Nachwuchs zu den Profis war in den vergangenen Monaten und Jahren intern immer wieder ein kritisch beäugtes Thema. Ob es an falschen Entscheidungen in der Akademie lag – oder doch an fehlendem Rückhalt bei den Profis und den nicht passenden Talenten? Das lässt sich kaum aufdröseln.

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Manager Marcus Mann drückt es versöhnlich aus – aber mit Spielraum zwischen den Zeilen: „Es ist immer schade, wenn eine Zusammenarbeit endet, aber es bietet sich im gleichen Zuge natürlich auch die Chance, in der 96-Akademie neue Impulse zu setzen.“

Daniel Stendel lediglich Kandidat für Trainerjob

Weil die Überlegungen zum vorzeitigen Abschied tatsächlich erst in den vergangenen Tagen Fahrt aufnahmen, hat 96 keinen schnellen Ersatz. Und auch ob Tarnat überhaupt bis zum neuen Vertragsende am 30. Juni die Weichen im Nachwuchs stellt, steht zur Diskussion. Vielleicht soll der Nachfolger schon früher den Weg der Jugendakademie vorgeben. Ex-Proficoach Daniel Stendel, dessen Name im Akademieumfeld zuletzt häufiger auftauchte, ist allerdings kein Kandidat. Stendel kann sich eine Rückkehr vorstellen – er wird aber nur als Kandidat für einen Trainerjob im 96-Nachwuchs gehandelt. Die Chefs bevorzugen aktuell ohnehin eine externe Lösung – ohne einen klaren Favoriten zu haben.

Fakt ist: 96 investierte in den vergangenen Jahren pro Saison etwa 7 Millionen Euro ins Leistungszentrum an der Eilenriede. Viel Geld für überschaubaren Ertrag. Allzu viele Talente schafften es nicht zu den 96-Profis, noch weniger konnte der Klub gewinnbringend verkaufen. In den vergangenen Jahren waren das Waldemar Anton (zum VfB Stuttgart) und Noah Sarenren-Bazee (FC Augsburg). Das brachte zusammen etwas mehr als 6 Millionen Euro ein – dafür lässt sich die Akademie etwa ein Jahr betreiben. Der neue Chef braucht eine bessere Quote.