25. Oktober 2021 / 14:15 Uhr

Kerk als einziger Lichtblick: Das Offensivproblem von Hannover 96 

Kerk als einziger Lichtblick: Das Offensivproblem von Hannover 96 

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Stürmer Lukas Hinterseer wartet immer noch auf sein erstes 96-Tor. Bester Schütze der Roten ist mit drei Treffern nun Sebastian Kerk (unten links).
Stürmer Lukas Hinterseer wartet immer noch auf sein erstes 96-Tor. Bester Schütze der Roten ist mit drei Treffern nun Sebastian Kerk (unten links). © imago images
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Sebastian Kerk fiel am Sonntag in Regensburg als einer der wenigen bei Hannover 96 positiv auf. Der Joker erzielte sein drittes Tor - und ist damit nun bester 96-Schütze. Das zeigt vor allem eines: Den Roten fehlt ein echter Knipser.

Eine regelrechte 96-Tauschbörse gab’s bei der 1:3-Niederlage in Regensburg. Insgesamt wechselte Trainer Jan Zimmermann elfmal: fünfmal im Spiel, sechsmal in der Startaufstellung. Das deutet weder auf Konstanz noch Stabilität hin. Der einzige Gewinner der Wechselbörse ist Sebastian Kerk. Der beste 96-Torschütze stockte sein Konto weiter auf.

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Nach dem 0:1 gegen Schalke war Kerk noch als einer der größten Problemfälle ausgemacht worden. „Kerki spielt unglücklich, er macht sich selbst viel Druck“, erklärte Jan Zimmermann. „Wir hatten deshalb diesmal die Idee, ihn von der Bank kommen zu lassen, damit er befreiter und entspannter spielt.“ Der 96-Trainer konnte sich allerdings nicht wirklich darüber freuen, dass zumindest dieser Plan funktionierte. „Wenn auch sonst nicht viel geklappt hat, das ist aufgegangen.“

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"Den Jungen kennt man in ganz Deutschland und darüber hinaus"

Kerk erzielte den 1:2-Anschluss mit einem direkt verwandelten Freistoß (54.) von der rechten Seite, der einmal durch den Strafraum segelte. Der Regensburger Trainer wollte seinen Verteidigern und dem Torwart keinen Vorwurf machen. „Da waren viele Köpfe fast dran“, die die Flugbahn hätten verändern können, sagt Mersad Selimbegovic „So fliegt er in die lange Ecke.“ Kerk hätte fast noch einen Eckball direkt verwandelt, er klatschte an den Pfosten.

Der Jahn-Coach hob Kerk nachher auch aus der Masse der Zweitligaspieler hervor. „Den Jungen kennt man in ganz Deutschland und darüber hinaus“, glaubt Selimbegovic.

Kerk mit drei Toren bester 96-Schütze

In Hannover hat Kerk allerdings noch nicht viele Nachweise seiner Klasse geliefert. Aus Osnabrück für 50.000 Euro Ablöse zum Saisonbeginn gekauft, erwartet 96 von ihm Tore. Zehn waren es für den Absteiger in der vergangenen Saison. Hält er den aktuellen Schnitt, kommt er nach 34 Spieltagen auch in etwa auf die Osnabrück-Quote.

Jetzt sind es immerhin drei Treffer nach elf Spieltagen – damit ist er bester 96-Torschütze. Das mag schön sein für den 27-Jährigen, ist aber ein Jammer für Mannschaft und Verein. Denn es bedeutet – es fehlt ein richtiger Torjäger, der regelmäßig trifft.


Die besten Torschützen von Hannover 96 seit 2000 (jeweils für jeweilige Saison).

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Saison 2020/21 (2. Bundesliga): Marvin Ducksch - 16 Tore ©

Hinterseer wartet weiter auf erstes Tor

Dafür war Lukas Hinterseer verpflichtet worden. Der frühere HSV-Stürmer, aus Südkorea zurück nach Deutschland geholt, bleibt allerdings weiterhin alles schuldig. Nach einem Eckball war er nah dran an seinem ersten Treffer, verstolperte aber aus kurzer Distanz.

Der Abschied von Marvin Ducksch nach Bremen, wirtschaftlich ein Knüller, kommt 96 immer teurer zu stehen, je länger Hinterseer wie gestern mehr auf dem Hintern sitzt als Tore schießt.