13. Februar 2019 / 08:27 Uhr

Der Platzwart: 96-Champagnerfußball mit Schaum vorm Mund und Mumm für alle

Der Platzwart: 96-Champagnerfußball mit Schaum vorm Mund und Mumm für alle

Der Platzwart
Thomas Doll, Hannover 96 und der Champagnerfußball: Der Platzwart analysiert.
Thomas Doll, Hannover 96 und der Champagnerfußball: Der Platzwart analysiert. © Lobback/dpa/Sportbuzzer
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Nach dem 2:0 gegen Nürnberg trat Trainer Thomas Doll bei auf die Euphoriebremse: "Es war klar, dass wir hier keinen Champagnerfußball sehen werden!" Aber wie kann Hannover 96 jetzt Hoffenheim ordentlich einschenken? Der Platzwart analysiert.

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Erinnert sich noch jemand an den 22. September 2018? Nürnberg gegen Hannover. Frühe Rote Karte, zwei Gegentore, Scheißspiel, Beginn allen Übels und Elends – für Hannover 96. Knapp fünf Monate später Rückspiel und alles von vorn: frühe Rote Karte, zwei Gegentore, Scheißspiel, Beginn aller Gram, Kümmernis und Trainersuche – für Nürnberg.

Ein Murmeltierspieltag mit umgekehrten Vorzeichen. Nehmen die Dinge entsprechend ihren Lauf wie in Punxsutawney, wird Hannover bis zum Saisonende neun Spiele gewinnen und drei Remis holen, macht 30 Punkte plus, am Ende also 44. Wenn dann noch kurzfristig der Intertoto-Cup wiedereingeführt wird, warten auf 96 heiße Nächte in España statt kalter Duschen im Erzgebirge und 1. Liga statt 2. Wahl und 3. Zähne.

Kein Champagnerfußball? In Hannover?

Neu-Trainer Thomas Doll muss nach Erfolgserlebnissen wie dem dritten Dreier der Saison und dem zweiten Spiel ohne Gegentor vorsichtshalber mal kurz auf die Euphoriebremse treten. Seine Ansage: „Es war klar, dass wir hier keinen Champagnerfußball sehen werden!“ Keinen Champagnerfußball? In Hannover? Der Champagnerhochburg Deutschlands? Verpflichten wir Spieler wie Leo Weinkauf, Julian Kork und Sergio Pinot etwa ohne Grund? „Eierlikör! Wir brauchen Eierlikör!“, wollte Oliver Kahn 2003 sagen, bevor man ihm das Wort abschnitt – der FC Bayern München ist seitdem zehnmal deutscher Meister geworden und beweist, was Sportmediziner immer schon raten: viel trinken.

Hannover 96 ist in dieser Zeit niemals deutscher Meister geworden. Mit „Champagnerfußball“ hat Doll jetzt formuliert, was er vorhat. Mit wem auch immer.

Nürnberg war genauso alle wie 96

Die Frage wäre: Wie geht Champagnerfußball? Prickel-Pässe? Zicki-Zacka? Schaum vorm Mund?

Mal abgesehen vom ständigen Anstoßen erinnert bei 96 derzeit eher wenig an Champagnerfußball und an alles Verlockende, das mehr als 33 000 Zuschauer an einem Februar-Sonnabend in die HDI-Arena locken könnte. Dabei hatte der Verein noch mit einer Großkampagne in den Sozialnetzwerken geworben. Vielleicht war der Aktionsname einfach schuld: „Alle gegen Nürnberg“ klang nach dem blutleeren Leipzig-Spiel nicht wie Massenmobilisierung, sondern eher wie die konditionelle Zustandsbeschreibung der Mannschaft. Alle gegen Nürnberg. Gut, dass Nürnberg genauso alle war wie die Roten. Um beim Cham­pa­gner­fuß­ball zu bleiben: Flasche leer.

Sevilla bekam von 96 eingeschenkt

Vor wenigen Jahren lief es an gleicher Stelle flüssiger für die Roten, da bekamen Premiummarken wie Bayern oder Sevilla reihenweise eingeschenkt, da wurden spätere Europa-League-Sieger ins Torkeln gebracht, da gab es Champagner UND Fußball. Und in kritischen Situationen gab‘s im Trainingslager ein Fläschchen Klosterpfort Melissengeist, und alles wurde gut. Wie haben sich die Zeiten geändert.

In dieser Saison gibt es bei den Kellergeistern von 96 meist Wasseröder ohne Kohlensäure und Goala Zero, im Sturm Johnny Walker, dazu kommt ein Langzeitverletzter pro Woche, so dass Felipe ohne eigenes Zutun plötzlich zur gesünderen Hälfte des Kaders zählt. Man sollte Nicolai Müller bis kommenden Sonnabend körperweit wattieren und ihn bei der TSG Hoffenheim beim Torjubel von Eckfahnen wegdrängen. Dass es zum Torjubel kommen wird, ist aufgrund der Murmeltiertheorie ja so gut wie sicher, vorher gibt‘s eine Runde Mumm für alle und hinterher Rotkäppchen halbtrocken.

Ansonsten immer an die alte Platzwart-Weisheit denken: Besser ein Esser im Tor als ein Trinker davor.

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