09. Oktober 2019 / 07:08 Uhr

Der Platzwart: Wie das Korb-Traumtor einem Trainer den Tag verdarb

Der Platzwart: Wie das Korb-Traumtor einem Trainer den Tag verdarb

Der Platzwart
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Julian Korb traf sehenswert in Dresden. Ob es Peter Neururer gefreut hat?
Julian Korb traf sehenswert in Dresden. Ob es Peter Neururer gefreut hat? © imago images / Uwe Kraft / Sven Simon / SPORTBUZZER
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Ein sehenswerter Treffer des verhinderten Stürmers Julian Korb leitete den Auswärtssieg von Hannover 96 in Dresden ein. Wie konnte das passieren? Und wer freute sich darüber eher weniger? Der Platzwart analysiert.

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Ein Sonnabend im Oktober 2019. Mirko Slomka hat ein Auswärtsspiel. Als Trainer. Als angestellter Trainer. Von Hannover 96. Wer darauf nach dem Nürnberg-Spiel zehn Euro gewettet hätte, der könnte sofort den Job hinschmeißen und sich auf Sylt in einer reetgedeckten Fischerkate am Meer niederlassen.

Aber Hannover ist eben anders. Menschlich. Hannover ist das Silicon Valley der Menschlichkeit. Und pleite. 96 ist leider auch der Süd-Sudan der Haushaltsführung. Beides zusammengenommen schränkt die Handlungsfreiheit von Martin Kind ein wenig ein. Zum Glück für Mirko Slomka.

96-Trainer Slomka ist Realist

Doch Mirko Slomka ist auch Realist. Eine deutliche Leistungssteigerung hat der Chef gefordert. Die Fahrt zurück von Dresden nach Hannover hat er deshalb sicherheitshalber extern organisiert. 19,99 Euro mit dem Flixbus, einmal umsteigen. Der Platz schräg hinter dem Fahrer ist für ihn reserviert, never change a running seating. Mirko Slomka glaubt natürlich nicht an Wunder, aber seit Nürnberg bleibt ihm rational betrachtet nichts anderes übrig.

Also gurgelt er seitdem vor der Pressekonferenz mit Wasser aus Lourdes. Kann nicht schaden. In Dresden, auf dem Tisch in der Gästekabine, die Flasche Wasser aus Lourdes, zum Gurgeln vor dem Schwurbeln. Julian Korb hat einen trockenen Hals. Vor dem Gang aufs Feld nimmt er einen großen Schluck aus der Pulle.

Das Motto von Julian Korb: Carpet Diem

Normalerweise ist Julian Korb ein eher unscheinbarer Fußballer, dem auf dem Platz gar nicht so viel gelingt, der anschließend aber auch kein großes Aufheben darob machen möchte. Sein Motto: Carpet diem, immer auf dem Teppich bleiben. In Dresden – ein Wunder. Stendera hebt einen Ball ebenso gekonnt wie gewollt – Stendera ist neu in Hannover, man mag es ihm nachsehen – in den 16er. Korb löst sich, nimmt mit der Brust an, der Ball volley mit links ins Tor.

Korb wusste bis zu diesem Zeitpunkt nicht mal, dass er ein linkes Bein hat, geschweige denn, wo das Tor steht. Ein neues Bein? Ein Tor? Wenn das kein Wunder ist, Lourdes lässt grüßen. Augenblicklich reiht sich Julian Korb ein in die 96-Torschützenliste der 2. Liga. So hat Dieter Schatzschneider auch mal angefangen. Nur noch 153 Tore, und Korb ist locker am Langen vorbei.

Etwa zur gleichen Zeit steigt ein Herr mittleren Alters müde aus seinem Porsche-SUV und bestellt in der rustikalen Schankstube des Maxi Autohofs in Lauenau (Motto: Carne diem – 50% mehr Fleisch!) eine Haxe und ein Herrengedeck.

Euphorie nach Hannover-Art

In der 89. Minute schickt Stendera mit einem Steilpass – Stendera ist immer noch neu in Hannover – Cedric Teuchert auf die Reise Richtung Dresden-Tor. Teuchert, fast so neu wie Stendera, schiebt er den Ball unbedarft an Torhüter Broll vorbei ins Gehäuse. 2:0, Party, Auswärtssieg. Der zweite hintereinander, wenn das keine Serie ist. Umgehend wird versucht, das Heimrecht gegen Osnabrück gegen kleines Geld und ein paar Glasmurmeln an die Ostwestfalen zu verscherbeln. Wenn das nicht klappen sollte, sagt Martin Kind, dann müsse man „die Leistung jetzt additiv in den Heimspielen bestätigen und gegen Osnabrück performen“. Nicht-Hannoveranern muss man es immer wieder erklären: Auch so kann Euphorie klingen.

Die Saison hat noch viele Tage

Abpfiff in Dresden. Etwa zur gleichen Zeit blickt der Herr mittleren Alters auf dem Maxi Autohof Lauenau auf sein Handy. An der Haxe war das Schwein noch dran. Er schüttelt ungläubig seinen Schnauzbart und bestellt mit leerem Blick das zweite Herrengedeck und ein drittes dazu. Heute war nicht sein Tag.

Aber die Saison hat ja noch viele Tage. Er wird da sein, wenn er gebraucht wird, wie immer. Getreu seinem Lebensmotto: Carport diem!

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