20. Juli 2020 / 06:53 Uhr

Kommt jetzt Fahrt in den 96-Poker? Wölfe machen bei Maina ernst, VfB legt bei Anton nach

Kommt jetzt Fahrt in den 96-Poker? Wölfe machen bei Maina ernst, VfB legt bei Anton nach

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Zeichen bei Waldemar Anton (links) und Linton Maina stehen auf Abschied.
Die Zeichen bei Waldemar Anton (links) und Linton Maina stehen auf Abschied. © imago images/Sven Simon
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Um selbst investieren zu können, benötigt Hannover 96 Geld. Geld, das die Roten durch den Verkauf von Linton Maina nach Wolfsburg und Waldemar Anton nach Stuttgart einnehmen möchte. Der Poker zieht sich, könnte in dieser Woche aber Fahrt aufnehmen. Weiter sind die Verhandlungen mit dem VfL.

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Es herrscht Einigkeit: Linton Maina (21) will nach Wolfsburg zu Ex-96-Manager Jörg Schmadtke, Waldemar Anton (23) zu Aufsteiger Stuttgart. Die Kronprinzen von Hannover 96 werden zu Kronjuwelen – und sollen einen Aufstiegskader finanzieren. Nur beim Geld bleiben Fragen offen. Noch. Hannover wird seine Schätze verkaufen müssen. Weil die beiden erstklassig sein wollen vorm zweiten Zweitligajahr – und damit 96 shoppen gehen kann. Der Klub möchte sicherheitshalber Geld einnehmen, bevor größere Summen ausgegeben werden.

Wann wird Maina seiner?

Die erste Kohle könnte bald aus Wolfsburg fließen. Sportchef Jörg Schmadtke will Hannovers jungen Flügelflitzer, die Einigung rückt näher. Der Poker zwischen den Klubs soll weiter sein als bei Stuttgart und 96 wegen Anton. Allerdings wird 96 wohl einen Corona-Rabatt einräumen. Mainas Marktwert liegt laut transfermarkt.de bei 9 Millionen Euro. Gut möglich, dass es für den Rechtsaußen nur die Hälfte gibt.

Die Gedanken dahinter: Maina hat viel Talent – aber er ist häufiger verletzt. In der vergangenen Saison fehlte er zwei Monate mit Leisten- und Hüftproblemen. Auch an der Profieinstellung gab es zwischenzeitlich Zweifel, die Maina aber mit einem starken Rückrundenstart ausräumte. Sein 96-Vertrag gilt außerdem noch zwei Jahre.

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Selbst die VW-Tochter aus Wolfsburg ist in Corona-Tagen nicht mehr so finanzstark wie einst. Ein ähnliches Problem haben viele Klubs. Der Transfermarkt läuft zäh, auch weil der englische Supermarkt noch nicht geöffnet hat. Sobald beispielsweise die Premier League anfängt, sich bei deutschen Spielern mit vielen Millionen Pfund zu bedienen, werden die Preise für Spieler auch in Deutschland steigen. Die kleineren Klubs warten auf eine Art Wasserfalleffekt: Wenn die großen Vereine die großen Summen auspacken (Bayern, Dortmund, Leipzig), fließt das Geld für Ersatz langsam runter bis zu kleineren Teams.

Das gilt auch für den VfB Stuttgart in der Causa Anton. Die Schwaben wollen den Ur-Hannoveraner – und der will endlich wieder erstklassig spielen. Es gab auch von anderen Klubs Interesse, aber keine Spur ist so heiß wie die zum Aufsteiger. 96 und der VfB nähern sich langsam an. Stuttgart hat beim ersten 3-Millionen-Euro-Angebot mittlerweile nachgebessert, aber von den „5 plus x“ Millionen, die 96 haben will, ist der VfB entfernt.

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<b>Ron-Robert Zieler:</b> 2.000.000 Euro (-500.000) Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: 2.000.000 Euro (-500.000) ©

Die Krux für Hannover: Anton hat nur noch ein Jahr Vertrag, nur jetzt gibt’s noch Geld. Auch wenn die defensive Allzweckwaffe wertvoll sein könnte im Aufstiegskampf, wäre in Corona-Zeiten ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag schon ein gutes Schmerzensgeld und würde 96 beweglicher machen auf dem Corona-Markt. Alle 96-Entscheider sollen Anton bereits das Okay für einen Wechsel gegeben haben – wenn das Geld stimmt. Martin Kind, Gerhard Zuber, Kenan Kocak – alle stehen bei Anton im Wort.

Möglich, dass in dieser Woche Fahrt reinkommt. 96 hat zumindest schon einen Ersatz auf dem Zettel, man ist dran an Darmstadts defensivem Mittelfeldspieler Victor Pallson (29). Der Isländer war Stammkraft beim Zweitligafünften. Wenn 96 gut verhandelt, wäre er wohl für eine Million Euro zu haben.

Auch an Stürmer Serdar Dursun besteht nach wie vor 96-Interesse. Es bleibt eine Frage des Geldes: Darmstadt hat rund 2 Millionen Euro aufgerufen als Kaufpreis, das ist viel in Corona-Zeiten. Nur neue Millioneneinnahmen könnten 96 schwach werden lassen. Egal, ob die aus Stuttgart oder Wolfsburg nach Hannover fließen.