12. Mai 2020 / 08:25 Uhr

"Wäre ideal zum Trainieren": 96-Profichef Kind plädiert für Einheiten in der Eilenriede

"Wäre ideal zum Trainieren": 96-Profichef Kind plädiert für Einheiten in der Eilenriede

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wir sollten uns ernsthaft damit auseinandersetzen, sagt 96-Profichef Martin Kind mit Blick auf die Verlegung des Trainings in die Eilenriede.
"Wir sollten uns ernsthaft damit auseinandersetzen", sagt 96-Profichef Martin Kind mit Blick auf die Verlegung des Trainings in die Eilenriede. © Florian Petrow/Debbie Jayne Kinsey
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Der verpflichtende Trainingslager mit Einquartierung im Courtyard fällt nach der Absage des Dresden-Spiels aus, die Spieler dürfen weiterhin zu Hause schlafen. Hannover 96 trainiert weiterhin in der HDI-Arena, wobei Profichef Martin Kind dafür inzwischen das Nachwuchsleistungszentrum bevorzugt.

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Man weiß ja längst – vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. In Corona-Zeiten lässt sich für die Profifußball-Vereine feststellen: Sie sind in der Hand der DFL. Der Verband soll die 36 Erst- und Zweitligisten durch das Tief Corona navigieren. Es sind viele Abstimmungen nötig, damit keiner untergeht. „Das gemeinsame Interesse führt uns zusammen“, sagt Martin Kind, Profichef von Hannover 96. Was da heißt: „Die Saison muss auf jeden Fall zu Ende gespielt werden.“

"Unsere Welt geht nicht unter"

Die Absage des für den kommenden Sonntag geplanten Dresden-Spiels verändert die Planungen. „Wir hätten gern gespielt“, sagt Kind, „aber unsere Welt geht nicht unter.“ Doch müssen die Verhältnisse in der kleinen 96-Welt schon wieder neu geordnet werden.

Gerhard Zuber ist der sportliche Steuermann, er hat die DFL auf dem Radar und regelt den regen Funkverkehr. „Wir befinden uns in regelmäßigem Austausch“, bestätigt der 96-Sportdirektor.

Bilder vom Training von Hannover 96 (11. Mai)

John Guidetti stürmt, beobachtet von Hendrik Weydandt, mit Ball los. Zur Galerie
John Guidetti stürmt, beobachtet von Hendrik Weydandt, mit Ball los. ©

So fehlte am Montag lange die offizielle DFL-Erlaubnis zur Hotelstornierung. Das Marriott Courtyard am Maschsee war ab Dienstag gebucht, weil das DFL-Konzept ein verpflichtendes siebentägiges Trainingslager vorsieht. Alle Mannschaften werden kaserniert und sollen keine Außenkontakte haben.

Profis bleiben vorerst zu Hause

Die Erlösung für die 96-Profis: Sie können vorerst weiter bei ihren Familien und Partnern wohnen. „Wie in den vergangenen Wochen bleiben unsere Jungs erst mal in einer Art Selbstquarantäne“, erklärt Zuber. „Sie halten sich nur für die nötigsten Wege außerhalb der eigenen vier Wände auf.“

Möglich ist jetzt sogar, dass das 96-Team vor dem ersten Spiel in Osnabrück überhaupt nicht mehr in Quarantäne muss. Zuber lobt die Mannschaft: „Unsere Spieler verhalten sich sehr diszipliniert. Das ist vorbildlich, aber auch notwendig.“ Am Montag wurden auch neue Corona-Abstriche gemacht, die Ergebnisse liegen am Dienstag vor.

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Die zweite wichtige Entscheidung trafen Kind und Zuber: Es wird weiter im Stadion trainiert. Geplant war eigentlich, ab Dienstag auf der Mehrkampfanlage zu üben, um den Rasen in der HDI-Arena zu schonen. Den Nachteil der äußeren Trainingsplätze erläutert Kind: „Es müssen dafür öffentliche Wege genutzt werden. Das ist mit Risiko behaftet, da kann alles passieren.“

96 hatte den Spielern schon im Vorfeld ein Autogramm-, Rede- und Halteverbot erteilt. Ob das allerdings einzuhalten wäre, wenn sich viele Fans auf den Wegen aufhalten, sei höchst unsicher. Ohnehin ist fraglich, warum die Profis nicht das Nach­wuchs­leistungszentrum in der Eilenriede nutzen. „Das wäre ideal zum Trainieren“, meint Kind, „wir sollten uns ernsthaft damit auseinandersetzen.“ Das Gelände ist umzäunt, es ist ein geschlossenes System.

Das Eilenriedestadion: Eine Zeitreise in Bildern

Im damals noch Hindenburg Kampfbahn genannten Stadion werden 1934 die – klar! – Hindenburg-Wettkämpfe eröffnet. Und zwar im zweifelhaften Stil der Zeit. Zur Galerie
Im damals noch "Hindenburg Kampfbahn" genannten Stadion werden 1934 die – klar! – Hindenburg-Wettkämpfe eröffnet. Und zwar im zweifelhaften Stil der Zeit. © Bild:

An der Trainingsplanung soll sich trotz der Spielabsage nicht viel ändern. „Wir ziehen das Programm durch, im Ablauf ändert sich nichts, nur dass die Jungs zu Hause schlafen“, sagt Zuber. An welchem Tag genau dann alle bei 96 hellwach sein müssen und das Osnabrück-Spiel angesetzt wird, bleibt offen.

Wahrscheinlich wird die Saison ja nun auch entgegen der DFL-Planung erst im Juli beendet werden können. Das bedeutet Redebedarf mit den elf 96-Profis, deren Verträge am 30. Juni auslaufen. „Wir werden mit den Spielern und Beratern sprechen und sie bitten, bis Saisonende zu spielen“, sagt der 96-Boss. Diese Interpretation der Verträge ist rechtlich umstritten, aber auch hier gilt Kinds Forderung: „Die DFL muss sich dazu positionieren.“