19. Mai 2020 / 09:57 Uhr

Erst Test, dann XL-Training: So diszipliniert lief der erste Quarantäne-Tag von 96

Erst Test, dann XL-Training: So diszipliniert lief der erste Quarantäne-Tag von 96

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Hotel, Stadion, Training, zurück ins Hotel - das waren die Orte des ersten Quarantäne-Tags von Hannover 96. Trainer Kenan Kocak ließ die Profis schwitzen, die verhielten sich diszipliniert wie hier Hendrik Weydandt (eingeklinkt, links) und Ron-Robert Zieler.
Hotel, Stadion, Training, zurück ins Hotel - das waren die Orte des ersten Quarantäne-Tags von Hannover 96. Trainer Kenan Kocak ließ die Profis schwitzen, die verhielten sich diszipliniert wie hier Hendrik Weydandt (eingeklinkt, links) und Ron-Robert Zieler.
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Mit einem Kaffee auf der Terrasse des Courtyard-Hotels hat der erste Tag von Hannover 96 in der Quarantäne vor dem Spiel in Osnabrück begonnen. Es folgte ein weiterer Corona-Test sowie ein zweistündiges Training auf der Mehrkampfanlage. Lediglich Exhibitionist "Ernie" störte das disziplinierte Treiben.

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Der erste Quarantäne-Tag begann für Hannover 96 wie ein Sommermorgen im Trainingslager. Ron-Robert Zieler gönnte sich mit den Torwartkollegen eine Tasse Kaffee. Auf der Seeblickterrasse des Courtyard-Hotels genossen Edgar Prib und Jannes Horn die Aussicht auf den Maschsee. 10 Uhr morgens, Hannover-Harmonie. Der Fußballfrieden wurde um 13.30 Uhr empfindlich gestört. Der Bielefelder Exhibitionist Ernst W., „Flitzer-Ernie“ genannt, hatte das 96-Training exakt abgepasst und zog sich vor dem noch offenen Eingang zum Trainingsplatz aus.

Gruseliger Auftritt vor Geistertraining

Cheftrainer Kenan Kocak machte einen Bogen um den Striptease, Ernie posierte halb ausgezogen, dann zog der Mann die Unterhose runter – und schnell wieder hoch. Eine unhygienische Einlage an einem Tag, an dem Hygiene an erster Stelle stehen sollte.

Was vielleicht irre und witzig klingt, ist gar nicht komisch. Ernst W. wurde mehrfach verurteilt, im vergangenen Jahr zog er vor Schülern in Hannover blank. Bekannt wurde er durch Flitzeraktionen in Bundesligastadien. Nach drei Minuten war der gruselige Auftritt vor dem 96-Geistertraining vorüber, der Ordnungsdienst kam diese drei Minuten zu spät, um dazwischenzugrätschen. Kocak nahm den nackten Wahnsinn wortlos hin, bemüht, den Mann zu ignorieren.

Bilder vom Training von Hannover 96 (18. Mai)

Dominik Kaiser macht sich mit Maske auf den Weg zum Training. Zur Galerie
Dominik Kaiser macht sich mit Maske auf den Weg zum Training. ©

Bisher hatte 96 stets im Stadion geheim trainiert. Am Montag testete die Mannschaft den etwa 200 Meter langen Weg vom Stadion zum Trainingsplatz der Mehrkampfanlage – mit dem Risiko, auf eine Fanansammlung zu treffen. Fans kamen keine, dafür der Flitzer. Die DFL wird den Spielbetrieb wegen des Vorfalls nicht in Gefahr sehen, aber ärgerlich ist es allemal. Bis dahin war alles nach Plan gelaufen.

Elez kommt mit Maske und Sonnenbrille

Um 11.01 Uhr spazierte Timo Hübers als erster Profi vom Courtyard zum Stadion. Marcel Franke und Cedric Teuchert folgten gemeinsam um 11.03 Uhr. Die meisten Profis trugen auf dem Fußweg weiße Masken mit der jeweiligen Trikotnummer, Marlon Sündermann und der bärtige Marc Stendera verzichteten an der frischen Luft auf den Mund-Nase-Schutz. Gut gelaunt sahen alle aus. Den Preis fürs coolste Corona-Outfit verdiente sich der letzte Profi Josip Elez (12.44 Uhr) – mit Maske und runder Sonnenbrille. So weit, so negativ.

Infiziert ist bei 96 niemand. Die Mannschaft kam komplett. Weil die Spieler nacheinander getestet wurden, kam der Kader kleckerweise, solo, im Duo oder im Trio wie Hendrik Weydandt, Edgar Prib und Zieler. „Wie habe ich das vermisst“, sagte der 96-Torwart, der seit über neun Wochen nicht mehr so von Reportern fotografiert wurde.

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Der Corona-Beauftragte und 96-Doc Axel Partenheimer kam zur Abnahme der Testungen vorbei. Mit ihren Autos fuhren später Felipe und Sebastian Jung auf die Anlage – beide verzichten aufgrund muskulärer Probleme auf die Seeblick-Quarantäne. Aber getestet werden müssen sie ebenfalls.

XL-Training über zwei Stunden

Die Quarantänewoche bis zum ersten Pflichtspiel in Osnabrück ist von der DFL vorgeschrieben. Trainer Kocak nutzte den ersten Tag für ein XL-Training über zwei Stunden, um 16.45 Uhr checkten die Spieler wieder in ihrem Hotel ein, in dem Mannschaft und Betreuerteam bis Freitag wohnen.

96 schließt sich aktuell als einzige Profi-Mannschaft im Hotel ein, weil die erste Neustartpartie wegen positiver Fälle in Dresden verlegt wurde. Die Dynamos befinden sich in häuslicher Isolation. Jenen Quarantänetest hatte 96 ja als erstes Profiteam bestehen müssen, nachdem sich Horn infiziert hatte. Beim Mannschaftsquarantänecheck funkte nur Ernie, der Störenfried dazwischen.