12. Oktober 2021 / 06:56 Uhr

96-Boss Kind zur 50+1-Entscheidung beim e.V.: "Geht irgendwann vor Gericht"

96-Boss Kind zur 50+1-Entscheidung beim e.V.: "Geht irgendwann vor Gericht"

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Auf dem Podium: die 96-Vereinsoberen bei der Versammlung am Sonntag in der HDI-Arena. Profichef Martin Kind (eingeklinkt) war nicht vor Ort.
Auf dem Podium: die 96-Vereinsoberen bei der Versammlung am Sonntag in der HDI-Arena. Profichef Martin Kind (eingeklinkt) war nicht vor Ort. © Florian Petrow
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96-Profichef Kind will nach der Entscheidung der Mitgliederversammlung des e.V., die 50+1-Regel in der Satzung zu verankern, keine Konsequenzen ziehen: "Darüber denke ich nicht nach." Man werde sie aber rechtlich prüfen lassen. "Meine Einschätzung ist: Es geht irgendwann vor Gericht."

Neues Futter für das Reizthema 50+1 hat die Mitgliederversammlung am Sonntag geliefert. Die Regelung, die den Einfluss von Investoren begrenzt, wurde in der Satzung des e. V. verankert und soll selbst dann noch gelten, wenn sie von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) oder vom Kartellamt gekippt werden sollte. Welche Folgen hat die Entscheidung für das Profifußball-Unternehmen (KGaA) und den Mutterverein (e. V.)?

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Wie reagieren die Gesellschafter um Martin Kind?

Gelassen. Mehrheitsgesellschaft und Ex-Vorstand Martin Kind ist zwar weiter 96-Mitglied, war aber nicht auf der Versammlung. „Das ist die Entscheidung des e. V., das haben wir zu respektieren“, sagt er. „Die Fanszene dominiert die Versammlungen, sie organisiert sich die Mehrheit“, sagt Kind. Konsequenzen will er aber nicht ziehen: „Theoretisch könnten wir morgen unsere Anteile verkaufen, aber darüber denke ich nicht nach.“

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Kommt Kind nicht mehr an 50+1 vorbei?

Der Hörgeräteunternehmer wollte eine Ausnahmeregelung bei der DFL erwirken, scheiterte aber. Welche rechtliche Wirkung die Verankerung in der Satzung hat, „werden wir prüfen lassen. Meine Einschätzung ist: Es geht irgendwann vor Ge­richt.“

Was erwartet der Mutterverein von der Satzung?

Für Aufsichtsratschef Ralf Nestler hat die Entscheidung eine Signalwirkung über Hannover hinaus. 96 ist ligaweit so etwas wie die Speerspitze im Kampf um 50+1. Auch der e. V. weiß nicht, welche Konsequenzen es hätte, sollte die Regel fallen.

Was sagt der Sportrechtler?

Paul Lambertz aus Düsseldorf war 2019 bei der 96-Versammlung dabei und hat für 96 ein Gutachten erstellt. Li­zenz­neh­mer bei der DFL ist die KGaA, bei der Kind Ge­schäfts­füh­rer ist. Voraussetzung für die Lizenz ist aktuell die Einhaltung von 50+1. Fällt die Voraussetzung weg, könnte 96 eben ohne 50+1 die Lizenz erhalten. Aber: „Hannover könnte auch weiter an der 50+1-Regel festhalten“, meint Lambertz in einer ersten rechtlichen Einschätzung. Man müsse sich dann doch daran halten, ob­wohl es nicht vorgeschrieben ist.

Was ist der Stand der Dinge bei 50+1?

Ob die Regel fällt, ist offen. Das Kartellamt erwartet da­zu bis Ende des Monats eine Stellungnahme der DFL. Kind „fehlt die Fantasie, wie eine solche Entscheidung aussehen soll. Das ist ein gordischer Knoten.“


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Wie wird 50+1 bei 96 gelebt?

Die Schnittmenge zwischen Profifirma und e. V. ist die Management GmbH, die den Geschäftsführer beruft (jetzt Kind). Diese Gesellschaft ge­hört zum e. V., woraus der ein uneingeschränktes Weisungsrecht für sich reklamiert. Das negiert Kind: „Es gilt der Grundlagenvertrag, in dem klar geregelt ist, wer was darf.“ Nestler will auch kein Öl ins Feuer gießen: „Wir wollen gemeinsame Entscheidungen treffen, das lässt sich am Konsensvertrag ablesen. Entscheiden wir die Dinge gemeinsam, wird 96 erfolgreich sein.“

Wo gibt’s aktuell Streit?

Streitpunkt ist die Berufung eines neuen Geschäftsführers der Profifirma. Jeweils zwei Personen von Kapitalseite und Mutterverein müssen sich in der Management GmbH einigen. Aktuell gibt es ein Patt, deshalb hat Robert Schäfer keine ­Chance, Kind-Nachfolger zu werden. Es wird nur eine Lösung geben: Gesellschafter und e. V. müssen von vorn anfangen und gemeinsam einen neuen Kandidaten finden.