14. März 2018 / 10:09 Uhr

Hannover 96 regt Neugründung eines Fan-Dachverbandes an: Kommt die Rote Kurve wieder?

Hannover 96 regt Neugründung eines Fan-Dachverbandes an: Kommt die Rote Kurve wieder?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gibt es bald wieder einen Fan-Dachverband?
Gibt es bald wieder einen Fan-Dachverband? © Lobback
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96-Führung und Fans diskutierten am Montagabend in der HDI-Arena über Streitthemen. Für 96-Clubchef Martin Kind war es ein erster Schritt um "wieder mehr Vertrauen aufzubauen". Viel Neues sei aber nicht zu hören gewesen, kritisierten einige Fans.

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Beleidigungen gegen Martin Kind auf der einen, Ultras-raus-Forderungen auf der anderen Seite: Die extremen Fronten fanden am Montagabend in der größten Stimmungskrise der 96-Geschichte endlich in der HDI-Arena zusammen. 53 Vertreter aus 27 Fanclubs trafen sich am Montagabend mit 96-Chef Kind, Manager Horst Heldt, Stadionchef Thorsten Meier und Vereinsvize Uwe Krause. Sowohl 96-Vertreter als auch Fanclubs werteten das Krisentreffen als kleinen Erfolg.

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„Wieder mehr miteinander zu reden und Vertrauen aufzubauen, ist ein erster Schritt“, erklärte Kind während der Debatte. Horst Heldt fand es „wichtig, „sich auch mal zu streiten und sich kritisch auseinanderzusetzen. Wir müssen aber wieder dahinkommen, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen.“

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Noch ziehen die 96-Führung und die Opposition in unterschiedliche Richtungen. Zumindest, was die Stimmung im Stadion betrifft, sollen sich die Parteien allerdings einig gewesen sein: Eine miese Atmosphäre wie gegen Gladbach soll es nicht noch einmal geben. Die 96-Führung regte die Neugründung eines Dachverbandes an – wie es früher die Rote Kurve war. Sie hatte sich 2014 aufgelöst, nachdem der Verein sie für den Einsatz für Pyrotechnik verantwortlich gemacht hatte und sie die anfallenden Strafen zahlen sollten.

​Sachliche Diskussionen

In der politischen Diskussion um die Macht im Verein bleiben die Fronten klar verteilt. Kind treibt seine Übernahme voran, die Opposition, bestehend aus Fanclub-Mitgliedern verschiedenster Richtungen, will die 50+1-Regel bei 96 erhalten.

In der Frage von Kinds Übernahme und dem ruhenden Antrag zur Ausnahme der 50+1-Regel sei nichts Neues zu hören gewesen, hieß es aus Fanclub-Kreisen. Über 50+1, die Besitzverhältnisse beim Stadion und das Hannover-Modell soll sachlich diskutiert worden sein.

Choreos, Spruchbänder, Schweigen: Die Proteste bei Hannover 96 in Bildern.

Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. Zur Galerie
Protestbanner beim Heimspiel am 15. Dezember 2018 gegen Bayern München. ©

Die Positionen liegen nach wie vor weit auseinander. Dennoch blieb festzuhalten: Kind stellte sich den kritischen Fragen bei dem Dialog, den der frühere 96-Pressesprecher und NDR-Mann An­dreas Kuhnt moderierte.

Deutschlandweite Initiative

​"Rote 12" mit offenen Brief

Der Fanclub „Rote 12“ hatte in einem offenen Brief Argumente aufgezählt, wa­rum 50+1 erhalten bleiben solle. Ein Punkt: Der Fußball lebe auch von den Fans, deshalb solle der Club sich für ihre Standpunkte interessieren. Vor allem forderte die „Rote 12“: „Lasst uns zusammenkommen und sachlich nach Lösungen suchen!“

Bereits am Mittwoch gehen die Gespräche um eine Versachlichung der Positionen weiter. Fanbeirat und 96-Vertreter treffen sich, um die abgesagte Podiumsdiskussion neu zu terminieren.