24. August 2017 / 07:53 Uhr

Heute wäre Robert Enke 40 geworden: Rührender Gastbeitrag von seinem Freund Ronald Reng

Heute wäre Robert Enke 40 geworden: Rührender Gastbeitrag von seinem Freund Ronald Reng

Ronald Reng
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ein glücklicher Robert Enke im Trikot von Hannover 96
Ein glücklicher Robert Enke im Trikot von Hannover 96 © Ulrich zur Nieden
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Am Donnerstag wäre der frühere 96-Torwart Robert Enke 40 Jahre alt geworden. In einem emotionalen Artikel erinnert sein Freund und Enke-Biograf, Ronald Reng, an den außergewöhnlichen Menschen. 

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Ich glaube, ich habe Robert Enke nie zum Geburtstag gratuliert. Die Geburtstage von Freunden und Bekannten vergesse ich chronisch; beziehungsweise sie fallen mir immer erst einen Tag zu spät ein. Da waren Robert und ich uns ähnlich. Er rief Freunde an ihrem Geburtstag schon mal um 23.50 Uhr an, hektisch atmend und ausrufend: „Ich habe aber gerade noch rechtzeitig dran gedacht!“

Roberts Geburtstag hat sich mir erst eingebrannt, seit es keine Gelegenheit mehr gibt, ihn zu feiern. Heute wäre er 40 geworden. Acht Jahre nach seinem Tod kommen mir zwangsläufig zwei Fragen in den Kopf: Wie würde er heute leben? Und hätte er heute eine größere Chance, die Depressionen zu überstehen, die ihn in den Suizid trieben?

​"Ich möchte es herausschreien"

Eine Antwort verbindet die beiden Fragen: Ich denke, er würde sich heute als angesehener ehemaliger Nationaltorwart in der Aufklärung von seelischen Krankheiten engagieren. Es war Roberts Wunsch, nach seinem Karriereende mit mir in einer Biografie ausführlich über seine Depressionen zu berichten, „ich möchte es herausschreien“, notierte er einmal in seinem Tagebuch.

Aus seiner Überzeugung, nicht für immer schweigen zu können und wollen, wäre zwangsläufig eine Rolle als öffentlicher Vorkämpfer für einen selbstverständlicheren Umgang mit seelischen Krankheiten entstanden. Eine Aufgabe, die heute seine Frau Teresa als Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung erfüllt.

Eine Erinnerung an Robert Enke in Bildern

Robert Enke: Eine Erinnerung in Bildern Zur Galerie
Robert Enke: Eine Erinnerung in Bildern ©
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„Ich möchte einfach, dass niemand mehr das erleben muss, was wir durchmachten“, erklärte mir Teresa einmal ihre Motivation, öffentlich wieder und wieder über Depressionen zu sprechen, so viel Kraft es auch kostet. Robert und Teresa glaubten damals, seine Krankheit verstecken zu müssen. Sie suchten allein, autodidaktisch, nach Hilfe.

Heute würde Robert in Deutschland und im deutschen Profifußball bessere Bedingungen für eine Heilung vorfinden. Das bedeutet nicht, dass sein Suizid in der heutigen Lage auf jeden Fall verhindert worden wäre.

Schwere Depressionen bleiben eine lebensgefährliche Krankheit; in seiner eingeschränkten, nur noch düsteren Wahrnehmung unterlag Robert dem Irrglauben, der Tod sei die Möglichkeit, die Dämonen loszuwerden. Doch müsste er heute nicht mehr heimlich nach Hilfe suchen: Die Robert-Enke-Stiftung hat ein Netzwerk von Sportpsychiatern aufgebaut, und es gibt ein gesellschaftliches Verständnis dafür, dass Depressive nach einer Behandlung sehr oft gesund – normal – weiterleben können.

So stelle ich mir Robert, 40-jährig, als in sich ruhenden Torwarttrainer vor, der sehr viel Zufriedenheit aus dem Zuspruch zieht, den er für sein Engagement in Sachen seelische Gesundheit erhält. Er hätte irgendein Detail des Torwartspiels bahnbrechend verändert, zum Beispiel die Position des Torwarts beim Elfmeter einen Meter hinter die Torlinie verlegt, damit der Torwart kurz vor dem Schuss mit einen schnellen Schritt nach vorne Schwung holen könnte; irgend so eine für Laien irrwitzige Nuance, über die er mehr tüftelte als die meisten.

Und er würde sich darüber kaputtlachen, dass seine Frau Teresa mich jedes Jahr wieder mit einer Handynachricht daran erinnert, den Geburtstag von Roberts Mutter Gisela nicht zu vergessen.

Ronald Reng

Ronald Reng
Ronald Reng © dpa

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