02. Juni 2021 / 06:36 Uhr

"Mann der Zukunft": Schäfer soll noch in diesem Jahr Kind nachfolgen - auch in KGaA

"Mann der Zukunft": Schäfer soll noch in diesem Jahr Kind nachfolgen - auch in KGaA

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Robert Schäfer soll bei 96 bald auch für den Profifußball zuständig sein. Klingt simpler, als es ist.
Robert Schäfer soll bei 96 bald auch für den Profifußball zuständig sein. Klingt simpler, als es ist. © Florian Petrow
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Martin Kind hat mit Robert Schäfer seinen designierten Nachfolger als Geschäftsführer auch der für die 96-Profis zuständigen KGaA vorgestellt. Die Vertreter des e.V., deren Zustimmung es hierfür braucht, soll der "Mann der Zukunft" durch Leistung in den Gesellschaften Sales & Service und Arena überzeugen.

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Robert Schäfer macht sich auf den Weg zur Macht bei 96, aber es lauern Stolpersteine. Am Dienstag stellte sich der neue Geschäftsführer gemeinsam mit Boss Martin Kind bei einer Pressekonferenz vor. „Seit mehr als einem halben Jahr“ führte Kind zuvor „intensive Gespräche“ mit Schäfer. Der 45-Jährige war bis vor zwei Jahren Vorstandschef bei Fortuna Düsseldorf, arbeitete zuvor auch bei 1860 München und Dynamo Dresden. „Es gibt keine Patentrezepte“, hat Schäfer dabei gelernt. Kind lobt „seine Erfahrung in der Bundesliga, im Vertragsmanagement und im Marketing“ und stellt ihn als „Mann der Zukunft“ vor.

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Schäfer sagt, er sei „von Anfang an auf einer Wellenlänge“ mit Kind gewesen. „Es kommt darauf an zu verstehen, dass sich die Verhältnisse geändert haben“, sagt Schäfer. „Wir müssen umdenken“, dazu zwingen sinkende Einnahmen und die Corona-Krise. „Um nachhaltig erfolgreich zu sein, brauchen wir grundsätzlich neue An­sätze.“

Mehr über Hannover 96

Dazu hat Kind „ein neues Konzept entwickelt. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Verantwortung im Unternehmen Hannover 96.“ Kind datiert die geplante Machtübernahme Schäfers bei 96 mit dem Blick auf München. Oliver Kahn habe „ein Jahr Zeit bekommen, um sich einzuarbeiten, das wird hier schneller gehen. Aber ein halbes Jahr werden wir gemeinsam brauchen, dann läuft er allein.“



Kramer: Entscheidung "durch die Hintertür"

Da wusste Kind noch nicht, dass Karl-Heinz Rummenigge ebenfalls nach einem halben Jahr an Kahn übergibt. „Dann entscheidet Schäfer die operative Seite.“ Kind will also noch in diesem Jahr die Verantwortung an Schäfer abgeben. Geplant ist, dass er dann in den Aufsichtsrat wechselt. Möglich auch, dass er sich mit seiner Rolle als Gesellschafter zufriedengibt.

Der Übergang wird aber nicht so reibungslos verlaufen wie bei den Bayern. Für die jetzige Position war keine Abstimmung mit dem e. V. nötig. Bei der Übernahme von Kinds Rolle und der Gesamtverantwortung wird das aber schon notwendig. Kind zeigt sich überzeugt, „Herr Schäfer wird durch seine Leistung bestätigen, dass er eine gute Entscheidung dann auch für die KGaA ist“. Das ist die Firma, die für den Profifußball zuständig ist.

In der für die Geschäftsführerberufung zuständigen Managementgesellschaft gab es ein Patt. Die beiden Vertreter des e. V. stimmten gegen Schäfer, die beiden Vertreter der Kapitalseite für ihn. „Wenn sie sich nicht verständigen, gibt’s keine Entscheidung“, sagt Kind. Und entschied sich dann doch für eine Berufung „durch die Hintertür“, wie es Sebastian Kramer, Vorstand im Breitensportverein, nennt.

Hannover 96 und die Ära Martin Kind. Ein Rückblick.

In einer dramatischen und turbulenten Mitgliederversammlung am 26. September 1997 im Wülfeler Biergarten übernahm der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind von Utz Claassen (war mit Personenschützer gekommen) das Ruder bei 96 und führte den Verein (bis auf kurze Zeit, in der Götz von Fromberg die Ge­schi­cke von 96 leitete) durch Höhen und Tiefen. Erst in den letzten drei Jahren wurde es wieder richtig turbulent. Zur Galerie
In einer dramatischen und turbulenten Mitgliederversammlung am 26. September 1997 im Wülfeler Biergarten übernahm der Hörgeräte-Unternehmer Martin Kind von Utz Claassen (war mit Personenschützer gekommen) das Ruder bei 96 und führte den Verein (bis auf kurze Zeit, in der Götz von Fromberg die Ge­schi­cke von 96 leitete) durch Höhen und Tiefen. Erst in den letzten drei Jahren wurde es wieder richtig turbulent. ©

Das berührt dann auch das Dauerthema 50+1, bei dem 96 im Zentrum des Orkans steht. Schäfer hat sich dazu in der Vergangenheit unterschiedlich geäußert. Nun habe er sich „grundsätzlich Gedanken macht“. Etwas verklausuliert führte er aus, warum er gegen die 50+1-Regel ist – ohne das auch so zu formulieren. Der Staat dürfe nicht zur Rettung des Profifußballs herangezogen werden. Zudem sei anders kein spannender Wettbewerb möglich.

96 müsste laut Schäfer „unter den ersten 13 der Bundesliga sein. Der gegenwärtige Zustand ist ein anderer.“ Schäfer will „möglichst schnell eine Entwicklung hinbekommen, um da wieder hinzukommen“.

Erst mal machte er sich aber gleich nach der Fragerunde mit Kind auf zum ersten Treffen mit Trainer Jan Zimmermann. Stolpersteine lagen da nicht im Weg.