19. November 2021 / 07:46 Uhr

Verlieren verboten: Was passiert, wenn 96 an der Auswärtsmacht aus Paderborn scheitert?

Verlieren verboten: Was passiert, wenn 96 an der Auswärtsmacht aus Paderborn scheitert?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Tristesse bei Hannover 96, Jubel beim SC Paderborn: Das war zuletzt das gewohnte Bild.
Tristesse bei Hannover 96, Jubel beim SC Paderborn: Das war zuletzt das gewohnte Bild. © dpa
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Der SC Paderborn ist das stärkste Auswärtsteam der 2. Liga. Am Freitagabend (18.30 Uhr) sind die Ostwestfalen bei Hannover 96 zu Gast - erwartet werden nur knapp 9000 Fans. Bei einer Niederlage droht es ungemütlich zu werden bei den Roten.

Ein Aufstiegskandidat kommt heute Abend nach Hannover. Der SC Paderborn ist eine angesagte Fußballsensation aus Ostwestfalen: Flutlicht, Spektakel, Toregarantie, Auswärtsspitzenreiter. Einen stärkeren Gast kann Hannover 96 in der 2. Liga aktuell nicht bekommen. Aber in dem Moment, als 96-Trainer Jan Zimmermann die erwartete Zuschauerzahl hört – 9000 sollen es werden –, hebt er die Augenbrauen und nickt, als wolle er sagen: Das kommt davon.

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Tatsächlich erklärt er: „Wenn wir es schaffen, mehr Spiele zu gewinnen, werden mehr Zuschauer kommen, schaffen wir es nicht, kommen sie nicht.“ 40 000 Fans hatten der Mannschaft gegen Schalke ei­ne Chance gegeben, ebenfalls an einem Freitagabend. 96 verlor un­glück­lich, aber chancenlos 0:1. Nun scheint das Publikum dem Team keinen Sieg mehr zuzutrauen. Es wird mehr dazugehören als ein Er­folg gegen Paderborn, um die Fans zurückzugewinnen. Aber verlieren ist verboten. Sonst drohen weiterer Fanfrust und der Absturz auf einen Abstiegsplatz.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Welche Konsequenzen hätte eine Niederlage?

Niemand sagt vor dem Anpfiff genau, welche Konsequenzen eine erneute Niederlage haben würde. Es wäre die verflixte siebte in dieser Saison. Möglicherweise würde 96 das vielversprechende Experiment mit einem frischen Trainer aus der Region um die Ohren fliegen. Jobgarantien im Vorfeld einer Partie helfen ohnehin keinem Fußballlehrer, wenn sie vielleicht doch gekippt werden. Aber was würde aus einem erneuten Umbruch folgen?

Mann und Kwasniok mit gemeinsamer Vergangenheit

Kurioserweise steht 96 heute ein Trainer gegenüber, den 96-Manager Marcus Mann groß rausbrachte. Als Mann noch Manager in Saarbrücken war, beurlaubte er den beliebten Dirk Lottner und holte Lukas Kwasniok. Mit ihm stieg Saarbrücken in die 3. Liga auf. Auf der anderen Seite steht Folgendes: Als der aktuelle 96-Trainer noch da­bei war, Havelse erfolgreich in die 3. Liga zu führen, plante Paderborn-Manager Fabian Wohlgemuth die Verpflichtung von Zimmermann. Wohlgemuth war sogar selbst mal bei 96 als Manager im Gespräch.

Aber alles kam anders, und wenig lief dabei gut aus Sicht von 96. Wohlgemuth hingegen verlängerte zwei Tage vor dem Duell in Hannover seinen Vertrag, weil es gerade so prima läuft in Paderborn.

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"Hannover steht mit dem Rücken zur Wand"

Kwasniok brachte die 96-Situation gestern auf den Punkt: „Hannover steht mit dem Rücken zur Wand.“ Der 96-Trainer versucht, sich aus dieser engen Position zu lösen. „Natürlich ist der Druck da“, weiß Zimmermann, „wir wissen, wenn wir das Spiel nicht gewinnen, wird der Druck größer, dazu brauchen wir keinen Mentaltrainer, um das rauszufinden.“ Kein Selbstvertrauen, mehr Druck, kein Ligasieg seit zwei Monaten, kein Selbstvertrauen – eine Spirale, die Mentaltrainer David Kadel nicht per Handauflegen wegzaubern kann.


Die wundersame Paderborner Auswärtsserie kam vor allem durch das Angriffsspektakel zustande, für das der Klub seit dem Trainer Steffen Baumgart steht. Baumgart war ja auch mal Thema bei 96. Aber heute gibt Zimmermann die Richtung vor. 96 wird versuchen, die Paderborner Tormaschinen um Sven Michel (zwölf Treffer) und Fe­lix Platte (sechs) auszuschalten.

Tatsächlich macht die Entwicklung während der Länderspielpause doch etwas Mut. Die Rückkehr des Abwehrchefs Julian Börner verspricht mehr mentale Sicherheit als die Sitzung mit einem Motivationsexperten. 96 wird mit Börner eine Steigerung brauchen, um das auswärts so starke Paderborn zu bändigen: „Wir erschrecken uns nicht, wir sind selbstbewusst ge­nug, und wir trauen uns zu, diese Serie zu brechen.“ Dazu muss 96 heute ein Signal senden an die Liga und an die knapp 8000 eigenen Fans, über 1000 Fans kommen aus Paderborn.