18. November 2021 / 11:00 Uhr

Paderborns Sven Michel trifft häufiger als das gesamte Team von Hannover 96

Paderborns Sven Michel trifft häufiger als das gesamte Team von Hannover 96

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sebastian Kerk (links) traf viermal für 96 - Sven Michel zwölfmal für den SC Paderborn.
Sebastian Kerk (links) traf viermal für 96 - Sven Michel zwölfmal für den SC Paderborn. © Imago
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Sven Michel trifft häufiger als alle Profis von Hannover 96 zusammen. Am Freitag wird das Team von Jan Zimmermann den Stürmer des SC Paderborn in den Griff bekommen müssen.

Er ist schon 31, hat auch noch nicht unbedingt die Fußballwelt eingerissen. In Barcelona werden sie nicht wissen, wer dieser deutsche Michel sein soll. Größter Erfolg: Gewinn des Landespokals Westfalen 2017. Auf seine Leidenschaft verweist aber die Krönung, die er vor acht Jahren erfuhr – da war Sven Michel Torschützenkönig der Regionalliga West.

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Möglich, dass sie ihm in Paderborn auch am Ende dieser Saison einen Kranz flechten: Michel führt die Torjägerliste der 2. Liga an. Er liegt vor den potenziellen Schützenkönigen Simon Terodde (Schalke, 11 Treffer) und Guido Burgstaller (St. Pauli, 10). Damit hat Michel großen Anteil am Aufschwung in Westfalen – Paderborn kommt am Freitag als Tabellendritter nach Hannover.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

"Schießen zu wenig Tore“

Aus 96-Sicht lohnt sich der Blick auf den Stürmer, nicht nur, weil er besser nicht in Abschlusssituationen kommen sollte. Mit seinen zwölf Toren hat Michel häufiger getroffen als alle 96-Spieler zusammen. Nur zehnmal schafften es Hannovers Profis, den gegnerischen Torwart zu überwinden. Für den 96-Trainer ist das sogar die eigentliche Erklärung für die sportliche Krise. „Wir schießen zu wenig Tore“, sagt Jan Zimmermann.

Von allen Zweitligisten hat nur der Letzte aus Ingolstadt noch seltener getroffen (achtmal). Nach den Transferaktivitäten ergibt sich die Frage: Hätte man das nicht wissen können? Mit Marvin Ducksch (16 Tore) und Genki Haraguchi (9) haben die besten Torschützen 96 verlassen.

Flaute allerorten

Von den neu dazu Gekommenen hat nur Sebastian Kerk ansatzweise seine Torpflicht erfüllt und viermal in der Liga getroffen. Den größten Nachholbedarf meldet 96 bei Lukas Hinterseer an. Als Ducksch-Ersatz geholt, hinkt er sogar in dieser Saison noch hinter dem Neu-Bremer her.

Ducksch hat mit seinem Tor für 96 beim 1:1 in Bremen öfter getroffen als Hinterseer, bei dem nach sechs Einsätzen in der Startelf die Null steht. Fängt der Österreicher nicht langsam an zu liefern, wird 96 kaum aus der Flaute kommen. Der hoffnungsvolle Jungstar Maximilian Beier traf nur im DFB-Pokal gegen Düsseldorf, da allerdings doppelt.


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Von den Alteingesessenen erfüllt Hendrik Weydandt seine Aufgabe ebenfalls nicht – ein Törchen bei elf Einsätzen ist eine grausame Bilanz. Zimmermann will bei seinem Spielerfreund aus gemeinsamen Zeiten in dieser Trainingswoche „einen Schritt nach vorn“ erkannt haben. Beim 5:2 gegen Oberligist Egestorf/Langreder in der vergangenen Woche hatte Weydandt aber wieder mehrere Schritte zurück gemacht – und Großchancen kläglich vergeben.

„Natürlich haben wir Druck"

So steht 96 nur mehr knapp vor den Abstiegsplätzen. „Natürlich haben wir Druck, machen uns Druck, und wollen am Freitag unbedingt gewinnen“, erklärt Zimmermann. „Aber dafür brauchen wir keinen Mentaltrainer, um das herauszufinden.“ Mentaltrainer David Kadel hatte am Montag der Mannschaft und den Trainern einen Vortrag gehalten. „Schaden kann’s nicht“, meint der 96-Trainer. Auch sollten Besuche im Schlaflabor den Profis „ein paar andere Denkansätze“ vermitteln. Hilft aber alles nichts, wenn es nicht im Tor des Gegners klingelt.