20. Januar 2022 / 20:19 Uhr

Nicht der neue Kind: So lief die Kündigung von Robert Schäfer bei Hannover 96

Nicht der neue Kind: So lief die Kündigung von Robert Schäfer bei Hannover 96

Uwe von Holt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Noch guter Dinge: Robert Schäfer (links) und Martin Kind beim Vorstellungstermin im Sommer 2021.
Noch guter Dinge: Robert Schäfer (links) und Martin Kind beim Vorstellungstermin im Sommer 2021. © Florian Petrow
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Nach nur einem Jahr werden 96 und Robert Schäfer wieder getrennte Wege gehen. Der Vertrag des 45-Jährigen, den Boss Martin Kind als Nachfolger ausgeguckt hatte, wird zum Saisonende aufgelöst.

„Zehn Jahre werde ich das nicht mehr machen, auch nicht fünf oder drei“, sagt Martin Kind, Geschäftsführer der für den 96-Profibetrieb entscheidenden KgaA.

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Wie lange der 77-Jährige, der ja auch Mehrheitsgesellschafter ist, den Job aber wirklich noch machen will und muss, ist seit Donnerstag offener denn je. Denn 96 gab bekannt, dass der Vertrag mit Robert Schäfer zum 30. Juni aufgelöst wird – die fristgerechte Kündigung war offenbar be­reits zuvor erfolgt.

Das ist die Einzelkritik nach dem Achtelfinale des DFB-Pokals zwischen Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach:

Ron-Robert Zieler: So wichtig und so gut! Entnervt Gladbach. Allein gegen Neuhaus dreimal stark – Fußabwehr im Eins-gegen-Eins am Fünfer, den Zirkelschuss lenkt er aus dem Winkel, in der zweiten Halbzeit noch mal per Fuß. Auch Zakaria lässt er im Eins-gegen-Eins verzweifeln. <b>Note 1</b> Zur Galerie
Ron-Robert Zieler: So wichtig und so gut! Entnervt Gladbach. Allein gegen Neuhaus dreimal stark – Fußabwehr im Eins-gegen-Eins am Fünfer, den Zirkelschuss lenkt er aus dem Winkel, in der zweiten Halbzeit noch mal per Fuß. Auch Zakaria lässt er im Eins-gegen-Eins verzweifeln. Note 1 ©

Der 45-Jährige, zuvor Vorstandschef bei Fortuna Düsseldorf, sollte eigentlich der neue Kind werden, jetzt muss er sich „eben neu orientieren“, sagt der alte Kind. Schäfer ließ in einer Mitteilung ausrichten: „Ich habe gern Verantwortung bei Hannover 96 übernommen. Wir haben bis zum heutigen Zeitpunkt Projekte erfolgreich eingeleitet und umgesetzt. Trotz allem, eine Entscheidung für die Zukunft war notwendig.“

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„Letztlich merkt man erst in der Zusammenarbeit ..."

Angeheuert hatte Schäfer am 1. Juli vergangenen Jahres, seine Ehe mit 96 war von Anfang an jedoch ein unklärbares Missverständnis. Zu einem hatte sich Kind zusammen mit den anderen Gesellschaftern Dirk Roßmann und Gregor Baum in einem Be­wer­bungs­ge­spräch einwickeln lassen vom eloquenten Bewerber. „Schäfer kann Menschen führen und motivieren“, sagte er da­mals. Jetzt sagt er: „Letztlich merkt man erst in der Zusammenarbeit, wie es sich mit der Führungsqualität und sozialen Kompetenz verhält.“

Die Erwartungen des Chefs hat Schäfer also nicht erfüllt – tatsächlich ist bislang nicht ein sinnvolles 96-Projekt bekannt geworden, das öffentlich mit ihm in Verbindung ge­bracht werden kann. Auch intern soll er Mitarbeiter nicht wie ge­wünscht mitgenommen haben, der be­vor­ste­hen­de Abgang soll am Donnerstag für allgemeine Er­leich­te­rung in diversen 96-Abteilungen gesorgt ha­ben.

Zustimmung des Muttervereins notwendig

Zum anderen wurde Schäfer von der komplizierten 96-Struktur kategorisch ausgebremst. Um Geschäftsführer der übergeordneten Profifirma und Kind-Nachfolger zu werden, wäre die Zustimmung des Muttervereins notwendig gewesen, so ist das im Hannover-Modell geregelt.

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96-Präsident Sebastian Kramer und seine Mitstreiter im e. V. hatten aber so früh wie deutlich klargemacht, dass sie Schäfer auf keinen Fall wollen: „Bei seiner Vorgeschichte und seiner bekannten Haltung zu 50+1 war das undenkbar.“

„Alles Gute für die Zukunft woanders“

Folgerichtig durfte Schäfer bis jetzt auch nur für zwei kleinere 96-Profigesellschaften (Stadion, Sales & Service) amtieren, der Weg zur Machtübernahme war verbaut. Die Trennung von Schäfer fand Kramer folgerichtig bis überfällig, er wünschte ihm „alles Gute für die Zukunft woanders“.

An der Suche nach ei­nem neuen 96-Geschäftsführer möchte sich der Mutterverein wiederum be­tei­li­gen. „Unser Pro­fil liegt der Kapitalseite be­reits vor“, sagte Kramer, „wir wollen konstruktiv mit­ar­bei­ten und stehen für Gespräche zur Verfügung.“ Kind fahndet be­reits nach seinem Nachfolger, er will das „in aller Ru­he tun“ und hat auch schon Ideen – ob sie diesmal beim Mutterverein fruchten, ist offen. Auch Kind ist da „bereit für Diskussionen“.


Immerhin hat Schäfers Abgang keine gravierenden Folgen für die 96-Kasse. Der verhinderte Ma­cher – sein geschätztes Monatsgehalt liegt bei 20.000 Euro – wird bis Ende Juni weiterbezahlt, eine Ab­fin­dung ist nicht vorgesehen.