14. Oktober 2021 / 16:10 Uhr

Ex-96-Profi Martin Giesel: "Schalke braucht den Sieg mehr als Hannover"

Ex-96-Profi Martin Giesel: "Schalke braucht den Sieg mehr als Hannover"

Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Giesel früher und heute 
Martin Giesel früher und heute  © Imago
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Martin Giesel spielte für 96 und Schalke. Heute unterstützt er Karsten Surmann in der Sportbuzzer-Fußballschule. Beim 96-Schalke-Spiel am Freitag wird er im Stadion sein und beide Mannschaften anfeuern. Aber er sagt auch über die Hannoveraner: "Mit der aktuellen Mannschaft verbinde ich nichts." 

Martin „Matze“ Giesel gehörte zu Werner Biskups legendärer Rasselbande, der Aufstiegsmannschaft von 1985. Giesel stieg nach dem Abstieg 1986 ein Jahr später noch mal mit 96 auf und wechselte dann zu Schalke. Heute geht der 58-Jährige nicht nur mit seinen Enkelkindern auf den Bolzplatz, sondern hilft auch in der Sportbuzzer-Fußballschule seines Freundes Karsten Surmann aus. Das nächste Mal übernächste Woche (25. bis 29. Oktober) beim VfL Eintracht.

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Herr Giesel, 96 oder Schalke – wem gehört am Freitag Ihr Herz?

Ich bin im Stadion und werde beide Mannschaften anfeuern. Irgendeiner soll glücklich in der 89. Minute das 3:2 schießen. Dann freue ich mich für den Sieger mit. 96 wird am Ende der Saison hoffentlich Sechster oder Achter – und Schalke vielleicht Dritter, Vierter oder Fünfter. Schalke bräuchte den Sieg mehr als 96.

Was verbindet Sie noch mit 96?

Mit der aktuellen Mannschaft nichts. Aber ich war immer Hannoveraner und wollte nie weg. Aber Ex-Präsident Henze dachte damals: Dann verkaufe ich dich mal.

Was hat 96 für Sie bekommen?


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Eigentlich gar nichts. Schalke hatte Auflagen und durfte nur 150 000 Mark zahlen. Plus Bernd Dierßen, der zu 96 zurückkam.

Aber Spaß gemacht hat es bei Schalke trotzdem, oder?

Mit Olaf Thon, mit Toni Schumacher, mit diesem Publikum – eine geile Zeit. Auch wenn es nur ein halbes Jahr war.

Und dann?

Dann war ich Invalide. Ich habe die ersten 17 Spiele ge­spielt, wir hatten uns gerade gefunden – und dann war mein Sprunggelenk kaputt. Im Abschlusstraining vorm Spiel auf dem Betzenberg bin ich mit dem Fuß im Rasen hängen geblieben. Dann wollte der liebe Gott nicht mehr, dass ich mit 26 Jahren weiterspiele.

Sie haben es noch mal versucht ...

Jeden Tag sechs Stunden Re­ha. Dann habe ich mich auf Video gesehen und ge­dacht: So kann ich vielleicht noch ein bisschen Paddelboot auf dem Maschsee fahren, aber bestimmt keinen Erstligafußball mehr spielen.

Wie sehen die Kräfteverhältnisse zwischen 96 und Schalke im Jahr 2021 aus?

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96 findet sich gerade, Schalke ist stärker, die haben ja in der letzten Saison schon ein bisschen aussortiert. Und dann haben sie ja noch den Nachfolger von Herrn Schatzschneider.

Hätten Sie gedacht, dass der Schatzschneider-Rekord mit den 153 Zweitligatoren jemals übertroffen wird?

Das ist natürlich eine Weltklasseleistung von Terodde. Das hätte ich nie gedacht. Wenn einer in der zweiten Liga so viele Tore schießt, dann wechselt er eigentlich sofort in die erste Liga. Das hat der Terodde ja auch versucht, es hat aber nicht ge­klappt.

Bei 96 gegen Schalke spielen diesmal Lukas Hinterseer (von links), Dieter Schatzschneider und Simon Terodde eine große Rolle.
Bei 96 gegen Schalke spielen diesmal Lukas Hinterseer (von links), Dieter Schatzschneider und Simon Terodde eine große Rolle. © picture alliance/dpa/Debbie Jayne Kinsey/IMAGO/Revierfoto

Sie waren ein echter Straßenfußballer, damals in Hannovers Südstadt ...

... haben wir immer auf dem heutigen Bertha-von-Suttner-Platz gekickt: Bastian Hellberg, Fliege Schräder, Maxi Heidenreich, mein Bruder war auch noch dabei. Auf dem Betonplatz haben wir als Erstligaspieler zwischen Weihnachten und Neujahr gespielt – mit Grätschen auf Schneeboden. Ich wollte dort genauso wenig ein Spiel verlieren wie in der Bundesliga.

Und heute?

Heute haben sie ihre Handys und ihre Daddelspiele. Früher war der Bolzplatz ausgebucht: Sechs gegen sechs – und zehn durften gar nicht mitspielen. Heute freust du dich, wenn du drei gegen drei spielen kannst. Jetzt gehe ich mit meinen Enkelkindern hin.

Karsten Surmann arbeitet mit der Jugend
Karsten Surmann arbeitet mit der Jugend © Debbie Jayne Kinsey

Sie können gut mit Kindern – deshalb machen Sie auch bei der Fußballschule Ihres Freundes Karsten Surmann mit. 1985 ist 96 mit lauter jungen Spielern aus der Stadt aufgestiegen. Heute fehlt bei den Profis der Hannover-Nachwuchs.

Ich hätte mich gefreut, wenn 96 in den letzten Jahren einige „Topstars“ für viel Geld weggelassen und ein bisschen mehr auf die eigenen Jugendspieler gesetzt hätte. 96 hatte immer eine starke Jugend. Da müssen doch irgendwo 18-, 19-, 20-Jährige sein. Es kann nicht wahr sein, dass da keine sind.