13. Januar 2021 / 09:06 Uhr

Bobic über 96-Verteidiger Falette: "Vielleicht waren auch die Erwartungen zu hoch"

Bobic über 96-Verteidiger Falette: "Vielleicht waren auch die Erwartungen zu hoch"

Jonas Freier und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic (eingeklinkt) kennt 96-Innenverteidiger Simon Falette gut.
Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic (eingeklinkt) kennt 96-Innenverteidiger Simon Falette gut. © Florian Petrow/imago images/Jan Hübner
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Als Abwehrchef aus Frankfurt geholt, ist Simon Falette bei 96 nur noch die Nummer drei in der Innenverteidigung. Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic vermutet die Trennung von der Familie als einen Grund dafür, dass der 28-Jährige noch nicht richtig angekommen ist. Eine schneller Wechsel ist aber kein Thema.

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Simon Falette wurde als Abwehrchef verpflichtet, mittlerweile ist er nur noch Edeljoker. In Darmstadt blieb der 28-jährige Nationalspieler erstmals in seiner Zeit bei Hannover 96 ohne Einsatz, obwohl er hätte spielen können: 90 Minuten Bank und zuschauen statt mitackern für den 2:1-Sieg. Eine Blitzflucht, die gerüchteweise die Runde machte, wird es aber nicht geben. Auch weil Falette der beste Verteidiger der 2. Liga sein dürfte, der NICHT spielt.

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Es ist ein Edelproblem und damit eine edle Lösung für 96, wenn doch mal wieder ein Verteidiger ausfällt. Allein deshalb wird Hannover Fa­lette behalten wollen, auch wenn die Bank den Guinea-Kicker nicht glücklich macht. Nach Falettes Einsatzlosdebüt nahm sich Kenan Kocak des Sommereinkaufs aus der Bundesliga an, lobte. „Er wird noch sehr wertvoll für uns sein“, gab der 96-Cheftrainer zu Protokoll. „Er ist mit vollem Herzen dabei.“

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Den Einsatz merken die Kollegen im Training, aber Spitzenverdiener Falette fremdelt noch mit der neuen Heimat – selbst drei Monate nach dem Wechsel. Ein großer Grund: Die Familie (Ehefrau Merveille, drei Kinder) lebt noch immer in der Türkei, wo Falette zuletzt leihweise für Fenerbahçe kickte.

„Er ist ein absoluter Familienmensch, das kann bei Simon auch eine Rolle spielen“, bestätigt Fredi Bobic. Der einstige Toptorjäger von 96 ist jetzt Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt. Von dort aus war Falette fest nach Hannover gewechselt, 96 zahlt nur im Aufstiegsfall eine Ablösesumme.

"Psychologisch eine brutale Belastung"

Bobic kennt den Verteidiger gut – und die besonderen Corona-Probleme der Spieler ohnehin: „Es ist zurzeit für die ganzen Jungs psychologisch eine brutale Belastung, gerade wenn du Familie hast“, erläutert Bobic. „Du pendelst gefühlt nur zwischen deiner Quarantänewohnung und dem Trainingsgelände. So hast du ja keine Freuden nebenbei im Leben. Jeder Mensch braucht auch ein bisschen Glücksgefühle.“

Das Familienproblem scheint nicht so leicht lösbar zu sein, sogar Weihnachten feierten die Falettes getrennt voneinander. Weil bei einem Besuch in der neuen deutschen Heimat des talentierten Fußballervaters erst einmal Quarantäne anstünde, hockte die Familie weiter in Istanbul und Falette allein in Hannover. Er hat seine Liebsten monatelang nicht gesehen – bleibt allerdings die Frage offen, warum die trotz Falettes Dreijahresvertrags nicht einfach auch nach Hannover ziehen.

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Ehefrau Merveille befeuerte zeitweise sogar die Wechselgerüchte, als sie einen Trip in die neue sportliche Heimat ihres Mannes absagte, „falls bei Simon im Winter auf dem Transfermarkt was ist“, wie sie in sozialen Medien schrieb. Nach SPORTBUZZER-Informationen ist ein schneller Falette-Abschied allerdings kein Thema bei 96.

Und für Falette? Der Verteidiger war im Sommer umworben worden, unterschrieb erst nach einigem Zögern für drei Jahre in Hannover. Die ganz große Liebe scheint 96 noch nicht zu sein. Das würde immerhin erklären, warum die Familie noch in der Türkei weilt. Aber: „Ich habe jetzt keine Indikatoren von ihm gehört, dass er total enttäuscht ist“, verrät Frankfurt-Macher Bobic.

Falette ist nur noch die Nummer drei

Bankplatz statt Chefrolle – ein bisschen Enttäuschung wäre ohnehin verständlich. In Kocaks internem Innenverteidiger-Ranking ist Falette auf Platz drei gefallen, hinter Timo Hübers und den wieder gesetzten Marcel Franke. Fachmann Bobic versucht sich an einer Erklärung, warum es trotz hoher Qualität nicht so recht läuft bei Falette: „Vielleicht waren auch die Erwartungen zu hoch an ihn und er hat sich selbst zu sehr unter Druck gesetzt.“

Mit diesem Druck muss Falette jetzt umgehen lernen. Eine Blitzscheidung von 96 im Winter wird es nicht geben – was aber im Sommer passiert, steht auf einem anderen Zettel.