02. März 2021 / 07:08 Uhr

"Geht ums Selbstverständnis": Schmeißt 96 Verteidiger Simon Falette jetzt doch raus?

"Geht ums Selbstverständnis": Schmeißt 96 Verteidiger Simon Falette jetzt doch raus?

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Boss Martin Kind (eingeklinkt) wird noch mit Sportchef Zuber und Trainer Kocak über Konsequenzen für Simon Falette sprechen.
96-Boss Martin Kind (eingeklinkt) wird noch mit Sportchef Zuber und Trainer Kocak über Konsequenzen für Simon Falette sprechen. © Florian Petrow
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Nach dem Zoff letzte Woche soll Simon Falette am Dienstag wieder mit dem Team trainieren dürfen. Allerdings könnte 96 den Innenverteidiger doch noch rausschmeißen. "Es geht auch um das Selbstverständnis des Vereins", sagt Boss Martin Kind, der eine Klage des Verteidigers dagegen nicht scheut.

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Die Geschichte von Simon Falette bei 96 ist noch keine Erfolgsstory. Die Frage ist auch, ob sich das noch mal ändern wird oder überhaupt noch ändern kann. Über weitere Strafen für seinen Ausraster in der vergangenen Woche ist ja noch nicht entschieden worden. 96-Boss Martin Kind denkt jedoch auch daran, dem 29-Jährigen zu kündigen. „Es ist noch offen, wie wir das entscheiden“, sagt der 76-Jährige. „Ich habe aber ein paar Gedanken dazu.“

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Das ist der Fall: Falette geht am Mittwoch auf Genki Haraguchi los. Beide sind in dem Übungsspiel einem Team zugeteilt worden. Der Japaner beschwert sich über ein schlechtes Zuspiel, wahrscheinlich mit eher unfreundlichen Worten. Falette schubst Haraguchi zu Boden, legt sich mit Marcel Franke an und Baris Basdas seinen Unterarm an den Hals.

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Am nächsten Tag entschuldigt er sich, das schützt aber nicht vor Strafe. Falette wird vom Spiel gegen Greuther Fürth ausgesperrt, eine Geldstrafe angekündigt. Dabei war er als Ersatz für den verletzten Timo Hübers vorgesehen. Der Ausschluss vom Mannschaftstraining galt bis Montag – aber steht Falette am Dienstag wirklich auf dem Platz?

„Es war natürlich kein schöner Vorfall“, erklärte Trainer Kenan Kocak, der am Platz selbst den Streit nicht schlichten konnte. „Da wurde eine Grenze überschritten.“ Jetzt bleibt die Frage: Fällt der Grenzbalken vor Falette für immer bei 96 herunter?

Der Profichef will sich mit Zuber und Kocak abstimmen

Kind scheint das zu wollen und arbeitsrechtliche Konsequenzen zu planen. „Es geht auch um das Selbstverständnis des Vereins“, sagt der 96-Chef. Welches Fehlverhalten wird vom Klub geduldet und wäre demnach mit einer hohen Geldstrafe abgegolten? Und ab welchem Verschulden bleibt nur der Rausschmiss?

Kind will sich dabei mit Sportchef Gerhard Zuber und Trainer Kocak abstimmen. In den Überlegungen wird das insgesamt unglückliche Wirken Falettes bei 96 eine Rolle spielen. Verpflichtet wurde er als Wunschspieler des Trainers. Kocak hatte sich früh auf den Verteidiger aus Frankfurt festgelegt. Der hielt 96 aber lange hin, vermutlich, weil er auf bessere Angebote von Erstligisten hoffte.

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Diese Spieler sind nicht wirklich in die Historie von Hannover 96 eingegangen. Zur Galerie
Diese Spieler sind nicht wirklich in die Historie von Hannover 96 eingegangen. ©

Erst kurz vor Transferschluss sagte er zu. Im Rückblick gilt Falette bei Kind als Beispiel „für einen Spieler, der nicht wirklich zu 96 will“. Falette nahm nur die letzte Ausfahrt. Als sein Wunschprofi gelandet war, machte Kocak den Fehler, ihm kampflos den Platz von Marcel Franke in der Abwehr zu überlassen.

Nachspiel vor Gericht schreckt Kind nicht

Franke ist beliebt und wichtig im Mannschaftsgefüge. Dazu kommt, dass Falette sportlich die Erwartungen nicht erfüllt. In Würzburg verursachte er beide Gegentore, gegen Kiel einen Handelfmeter, dem ein unverständlicher Meckeranfall und ein Platzverweis folgten. Die private Situation ist ebenfalls kompliziert. Seine Frau und seine drei Kinder besuchten ihn zwar jetzt in Hannover, leben aber in Istanbul. Die Eintracht hatte ihn zuletzt an Fenerbahçe ausgeliehen.

Sein 96-Vertrag gilt bis Juni 2023. Eine Hoffnung ist, dass Kocak ihn mit seinen Kontakten zurück in die Türkei vermitteln kann. Dass Falette vor Gericht ziehen könnte, schreckt Kind jedenfalls nicht. „Wenn wir davon überzeugt sind, werden wir es auch tun. Mit Klagen muss man immer rechnen.“