21. September 2021 / 19:08 Uhr

Eine Wundertüte: Was steckt nach den späten Transfers noch bei 96 drin?

Eine Wundertüte: Was steckt nach den späten Transfers noch bei 96 drin?

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In Kiel jubeln - schon wieder Spieler von Hannover 96.
In Kiel jubeln - schon wieder Spieler von Hannover 96. © IMAGO/Philipp Szyza
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Zwei Siege am Stück - das hat's bei 96 schon lange nicht mehr gegeben. Nach den späten Transfers kommt die Mannschaft von Jan Zimmermann als kleine Wundertüte daher. Der SPORTBUZZER analysiert, was bei den Roten jetzt besser klappt - und woran es noch zu arbeiten gilt.

1:0 gegen St. Pauli, 3:0 in Kiel. Es ist acht Monate her, dass Hannover 96 zwei Spiele in Folge feiern durfte. Sportdirektor Marcus Mann muss sich erneut gegen Schulterklopfer wehren: „Ich halte gerade die andere hin.“

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96 hat offensichtlich richtig mit den Last-Minute-Transfers reagiert. In Kiel standen am Samstag in der Startelf neun Spieler, die in der vergangenen Saison nicht dabei waren. Mit den späten Transfers ist 96 eine Wundertüte. Was steckt da wohl noch alles drin? Eine Analyse.

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Das Seriengesetz

Fiese Frage: Herr Mann, wann hat Hannover 96 zum letzten Mal dreimal in Serie gewonnen? Er habe „nicht immer Strichliste geführt“, entschuldigte sich der Manager. Streng genommen ist es schon drei Jahre und vier Monate her, im Aufstiegsjahr 2017, nach dem dritten Sieg in Serie gegen den VfB Stuttgart (1:0). Nach der Corona-Unterbrechung schaffte 96 einen dritten Sieg, aber zwischen zwei Spieltagen lag ein Vierteljahr.

Folgt am Sonntag der dritte Dreier in unmittelbarer Folge, dann dürfte sich 96 – nicht allein wegen des Gesetzes der Serie – Richtung Spitzengruppe der Tabelle katapultieren. Die Hannoveraner sind gegen Sandhausen Favorit, das war vor Kurzem in keiner Partie so deutlich.

Der Spielstil

Die Muster werden deutlicher. In Kiel hat die Mannschaft „mehr innere Ruhe“ gezeigt, findet Mann, „sie hat ein besseres Gefühl, wann man eigene Aktionen oder einen Konter durchzieht.“ Im August spielte 96 zu oft nach hinten, statt die Sicherheit in Angriffen zu suchen. 96 wird unter Zimmermann das Umschaltspiel kultivieren.

In Kiel zeigte 96 aber auch, dass Lukas Hinterseer, Sebastian Kerk und Sebastian Ernst vor einer Defensivwand im Ballbesitz gute Lösungen finden. Ob Umschalten oder Passen – 96 hat die Schalter gefunden, um im Angriff wieder Alarm zu machen.


Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Die Absicherung

Das erste Tor von Ernst in Kiel ist auch eine Folge eines Last-minute-Transfers. „Wenn er Gaël Ondoua im Rücken hat, weiß Sebastian Ernst, dass da jemand absichert“, sagt Mann. Zweimal spielte Ondoua, zweimal hielt hinten die Null. Außerdem harmoniert nun die Viererkette – ob mit Marcel Franke oder Luka Krajnc. 96 hat mehr Chancen vorne und lässt hinten weniger zu. Dieses ausgewogene Verhältnis zeigte zuletzt kein Team so stabil wie Hannover.

Die Standardfrage

Eckbälle, Freistöße – da passiert immer noch nicht viel bei 96. Schön, dass die Mannschaft alle Tore herausspielt – mal nach Abschlag, nach Konter oder Steil-klatsch-Kombinationen. Aber bei den Standards stellt sich in Hannover immer dieselbe Frage: Warum steckt da so wenig Gefahr in der Wundertüte? Körper und Geist: „Der neue Spirit“, sagt Mann, „ist ein Grund dafür, dass wir die Kurve gekriegt ha­ben.“

Der Geist kam mit den frisch verpflichteten Spielern nach Hannover, die Schatten der schweren letzten Saisons sind vorerst verschwunden. Und körperlich bringt 96 fast alle Spieler ins Feld. Nur Mike Frantz hat aktuell eine Sportverletzung.

Beim nächsten Gegner Sandhausen fehlt über ein halbes Dutzend verletzt, darunter beide Torhüter und Kapitän Dennis Diekmeier. 96 verfügt über mehr Reserven. Bleibt dies so, steckt sogar noch der Aufstiegskampf in der Tüte. „Da können Sie gerne spekulieren“, meint Mann, „das ist schöner, als wenn es in die andere Richtung geht. Aber wir analysieren das intern in Ruhe.“