04. September 2019 / 13:39 Uhr

Sparkurs in Hannover: Greift 96 erst nächste Saison an? 

Sparkurs in Hannover: Greift 96 erst nächste Saison an? 

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marvin Ducksch war der teuerste Sommerneuzugang von Hannover 96 (1,5 Millionen Euro), obwohl der Verkauf von Ihlas Bebou 8,5 Millionen Euro in die Kassen spülte. 
Marvin Ducksch war der teuerste Sommerneuzugang von Hannover 96 (1,5 Millionen Euro), obwohl der Verkauf von Ihlas Bebou 8,5 Millionen Euro in die Kassen spülte.  © imago images/eu-images
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So eine positive Transferbilanz wie in diesem Sommer hatte Hannover 96 noch nie. 23,9 Millionen Euro wurden eingenommen und nur 3,1 Millionen Euro ausgegeben. Ist das zu wenig für die Mission Wiederaufstieg? Die ersten fünf Spieltage deuten darauf hin. Gut möglich, dass 96 erst nächste Saison angreifen will. 

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Martin Kind, so ist zu vernehmen, soll schockiert gewesen sein nach dem 0:3 in Hamburg. So schockiert, dass er am liebsten am 2. September noch einmal investiert hätte in einem millionenschweren Neuen. Sportdirektor Jan Schlaudraff stand diesmal auf der Bremse. Wohlwissend aus vergangenen Jahren, dass Panikkäufe selten gut vorbereitet sind. Jene Transfers, die Schlaudraff Anfang Juni schon vorbereitet hatte, bremste wiederum Kind. Nein, zuerst sollen Spieler verkauft und erst dann investiert werden. So bremste 96 sich selbst beim Hochrüsten des Motors. Mit folgendem Resultat: Die Mannschaft hat nicht genügend PS für den Wiederaufstieg. 96 spart sich den Aufstieg und will offensichtlich erst nächste Saison angreifen.

Bebou und Füllkrug spülen Geld in die Kassen

Aus dem Verkauf von Noah Sarenren Bazee (2,4 Millionen Euro/Augsburg) finanzierte man die Transfers von Marvin Ducksch (1,5 Millionen/Düsseldorf), Marcel Franke (0,9 Millionen/Norwich), Sebastian Jung (ablösefrei/Wolfsburg) und Cedric Teuchert (keine Leihgebühr/Schalke). Mit den Verkäufen von Ihlas Bebou (8,5 Millionen/Hoffenheim) und Niclas Füllkrug (6,5 Millionen/Bremen) stopfte man Finanzlöcher. Die sechs Walace-Millionen wurde nicht reinvestiert. Für Iver Fossum (350 000/Aalborg) kamen Emil Hansson (300 000/Feyenoord) und Jannes Horn (100 000 Leihe/Köln). Torwart Ron-Robert Zieler kam außerdem fast zum Nulltarif.

Unterm Strich stehen 23,9 Millionen Euro Einnahmen und 3,1 Millionen Euro Ausgaben. So eine positive Transferbilanz hatte 96 noch nie. Aber die Sparpolitik hat ihren Preis.

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Dennis Aogo (vereinslos -> Hannover 96) Zur Galerie
Dennis Aogo (vereinslos -> Hannover 96) ©

Zu wenig für die Mission Wiederaufstieg?

Fünf Punkte aus fünf Spieltagen sind zu wenig. Mal abgesehen von der krassen Unterlegenheit in Hamburg versäumte es 96, gegen die Mittelklasse der 2. Liga Regensburg und Fürth zu Hause zu gewinnen. Die Mannschaft präsentiert sich nicht wie ein Aufstiegskandidat, eher wie eine Truppe, die froh sein muss, wenn sie nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Die Gründe liegen in der Transferpolitik.

Das sportliche Urteil fällt bisher mittelmäßig aus. Jung performte gut, seine Verletzungsanfälligkeit war von Beginn an ein Risiko. Er verletzte sich prompt. Marvin Ducksch stürmt irgendwo zwischen Himmel und Hölle – zwei Treffer, Höhenflug in Wiesbaden, zwei Flanken, die zu Toren führten. Auf der anderen Seite drei vergebene hundertprozentige Chancen. Teuchert verletzte sich kurz vor der Saison und scheint nicht zu 100 Prozent fit zu sein. Franke spielt in der Abwehr stabil. Zieler startete unglücklich mit Patzern in die Saison. Horn sticht gegenüber Konkurrent Miiko Albornoz nicht heraus. Und Hansson spielt zu wenig, als dass man den quirligen Techniker beurteilen könnte.

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Hamburg und Stuttgart schlagen zu

Marc Stendera und Dennis Aogo kommen nun ablösefrei dazu. Wie und ob die beiden Bundesliga-Haudegen Verstärkungen sind? Niemand weiß es. 96 hofft es. Neun Transfers hat 96 getätigt, zumindest nominell hat Trainer Mirko Slomka nun einen Kader zusammen, der es ihm erlaubt, mal 20 Spieler zu einem Ligaduell mitzunehmen. Im Vergleich zu den ersten drei Zweitligisten der Tabelle schneidet 96 übrigens ebenfalls sparsam ab. Hamburg holte 13 Neue, Stuttgart sogar 15 und Sandhausen 13.

Der nächste 96-Gegner Arminia Bielefeld (Platz fünf) kam in der Transferzeit mit sechs Neuverpflichtungen aus. Hannover 96, aktuell auf Platz zwölf, wähnte sich eigentlich in einer anderen Liga.