24. April 2022 / 15:35 Uhr

Nullleistung bei 0:3 in Paderborn – Hannover 96 rutscht in den Abstiegskampf

Nullleistung bei 0:3 in Paderborn – Hannover 96 rutscht in den Abstiegskampf

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ex-96er Florent Muslija (links) feiert seinen Treffer zum 2:0.
Ex-96er Florent Muslija (links) feiert seinen Treffer zum 2:0. © picture alliance/dpa
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Nach zwölf Minuten war 96 in Paderborn schon geschlagen. Nach dem 0:3 rutscht das fast gerettete Hannover noch einmal in den Abstiegskampf. Christoph Dabrowskis Dreierkette ließ sich in der ersten Hälfte zum Teil von Ex-96er Muslija vorführen.

Starke Leistung – von den Fans aus Hannover. Anderthalb Stunden geräuschvoll Alarm zu machen, das hätte man sich von der Mannschaft auch gewünscht. Aber Hannover 96 ergab sich in Paderborn früh mit 0:3 und macht es dadurch sogar im Abstiegskampf nochmal ein bisschen spannend. 96 verpasste damit die große Chance, den Abstand auf Platz 16 (Dresden) vorentscheidend auszubauen. Auch Trainer Christoph Dabrowski kommt nach dem Debakel nun wieder unnötig in Bedrängnis.

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In der windigen Benteler-Arena fegte Paderborn über Hannovers rechte Defensivseite hinweg. Sebastian Stolze bekam Julian Justvan im 30 Meter-Sprint nicht zu fassen, Rückpass, Philipp Klement hämmert aus acht Metern auf 96-Keeper Ron-Robert Zieler. Zieler lässt zur Seite klatschen, robbt hinterher, aber der Ball kullert ins Tor – 0:1, nach nicht einmal 100 Sekunden. Stolze bekam seine Seite nie in den Griff, reagierte viel zu träge auf Umschaltsituationen.

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96 lahmte auf dem Flügel, Stolze flatterte und mit ihm der junge Tim Walbrecht, der beim Tänzchen seines früheren Kollegen Florent Muslija völlig den Halt verlor. Muslija-Move nach rechts, Walbrecht rutscht ins Leere, Muslija trifft – 0:2, nach nicht einmal zwölf Minuten.

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Von der Defensivqualität vergangener Wochen konnte in nicht die Rede sein. Paderborn riss die 96-Dreierkette mit Walbrecht rechts erbarmungslos auseinander. Hannover war schneller geschlagen, als Dabrowski reagieren konnte. Walbrecht lief von einer Fintenfalle in den nächsten Muslija-Tunnel – aber keine Erlösung in Sicht. Nicht für den schwachen Stolze und nicht für Walbrecht. Paderborn zog die Segel nun ein, 96 brachte mit "Hoch und Weit" zumindest hinten mehr Sicherheit.

Beier, Kerk und Ochs stehen sich gegenseitig im Weg

Aber die Offensive stand sich selbst im Weg. Sebastian Kerk meckerte bei Dabrowski an der Seitenlinie – da scheint ihm was nicht gepasst zu haben. Maximilian Beier, Kerk und Phillipp Ochs standen sich links außen gegenseitig im Weg. Ein paar Halbchancen, ein Schuss von Dominik Kaiser – mehr gab’s nicht zu offensiv nicht sehen.

Nach der Pause dann die Erlösung für Walbrecht: Muroya kam, Dabrowski packte die lose Dreierkette in die Trikotkiste und 96 verteidigte nun mit Vieren in der letzten Reihe. Es wurde kaum besser. Muslija und Kai Pröger knackten die Viererkette spielerisch leicht auf. Zieler füßelte Prögers Schuss gerade noch an den Pfosten, entschärfte ein Klement-Geschoss. Es blieb dabei: Die rechte 96-Seite stand den Paderbornern offen wie das weite Meer. Hannover verteidigte zuweilen mit acht Spielern hinten, ohne wirklich zu stören.

Der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2021/22 in der 2. Bundesliga

Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Weil 96 vorne so wenig Schwung zeigte wie hinten, versuchte es Dabrowski nach einer Stunde mit den Einwechslungen von Linton Maina und Moussa Doumbouya. Maina deutete mit kurzen Dribblings und Flachschüssen an, warum er nach der Saison in die Bundesliga wechseln darf. Aber 96 half das auch in Paderborn nicht weiter. Eher hätte Marvin Cuni (74.) erhöhen müssen. Kelvin Ofori machte das 3:0 mit der Hilfe von Muroya in der Nachspielzeit dann doch noch.

Die 2000 Gästefans veräppelten sich selbst mit Dauergesängen nach dem 0:2-Zwischenstand mit der Zeile "… und wir verlieren jedes Spiel, olé, olé." Das sollte die Mannschaft nicht allzu ernst nehmen. Denn würde 96 wirklich nur noch verlieren in den letzten drei Spielen bei sechs Punkten Vorsprung auf Dresden, dann wird’s doch noch was mit dem Worst-Case-Szenario: zwei Relegationsspiele nach dem Ende der Saison.