06. Mai 2020 / 11:00 Uhr

"Wissen, was sich gehört": Gerhard Zuber sieht keine "Kalou-Gefahr" bei Hannover 96

"Wissen, was sich gehört": Gerhard Zuber sieht keine "Kalou-Gefahr" bei Hannover 96

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Gerhard Zuber kann sich nicht vorstellen, dass es bei Hannover 96 einen Fall wie den von Salomon Kalou in Berlin gibt.
Gerhard Zuber kann sich nicht vorstellen, dass es bei Hannover 96 einen Fall wie den von Salomon Kalou in Berlin gibt. © Florian Petrow/imago images/Metodi Popow
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Einen Fall wie den von Salomon Kalou bei Hertha BSC befürchtet Gerhard Zuber bei Hannover 96 nicht. Der Sportdirektor betont, dass sich die Spieler der Roten an die gebotenen Abstands- und Hygieneregeln halten, zumal sie durch die eigene Quarantäne für das Thema Corona sensibilisiert seien.

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Für die Bundesliga ist der Tag der Corona-Wahrheit gekommen. Geht’s weiter im Profifußball, oder droht sogar ein Abbruch? Die Frage will die Politik am Mittwoch beantworten. Bei Hannover 96 sind sie guter Dinge, dass es bald weitergehen kann – auch, weil sich Kenan Kocak und sein Team aus Überzeugung an die Hygieneregeln halten.

"Das sind alles anständige Jungs bei uns"

Doch in die positiven Rückkehrvorzeichen der vergangenen Tage krachte am Montag plötzlich Salomon Kalou von Hertha BSC, der die Corona-Abstandsregeln auf dem Trainingsgelände der Berliner reihenweise brach und das Ganze live ins Internet übertrug. Das 25-Minuten-Video sorgte für jede Menge Wut im Profifußball.

Der Fall bewegte auch die Verantwortlichen von 96. „Er gefährdet sich selbst, seine Mitmenschen, Mitspieler und die ganze Bundesliga...“, urteilt Sportdirektor Gerhard Zuber. Bei 96, betont er, muss sich aber niemand Sorgen um solche Verfehlungen machen: „Das sind alles anständige Jungs bei uns. Die wissen, was sich gehört und wie sie sich verhalten müssen.“

Bilder vom Training von Hannover 96 (5. Mai)


Josip Elez sprintet über den Platz. Zur Galerie
Josip Elez sprintet über den Platz. ©

Spätestens seit der eigenen Quarantäne sind die Hannover-Profis für das Thema Corona sensibilisiert. 96 war das erste Profiteam in Deutschland, bei dem Spieler positiv auf Covid-19 getestet wurden. Timo Hübers und Jannes Horn hatten sich angesteckt, aber zum Glück keine schlimmen Verläufe.

"Die Selbstdisziplin der Jungs ist hoch"

„Wir wissen, was es heißt, in Quarantäne zu sein und sich massiv einschränken zu müssen“, schildert Zuber. Deshalb sei es für alle selbstverständlich, „dass wir uns sehr genau an die Vorgaben der DFL und die Abstandsregeln halten. Wir tun alles dafür, die Hygienemaßnahmen einzuhalten, um wieder Fußball spielen zu können. Die Selbstdisziplin der Jungs ist hoch, sie ma­chen das echt gut.“ Corona-Abstriche gibt’s natürlich auch – und die waren bei 96 zuletzt alle negativ.

Es ist zumindest ein deutliches Indiz dafür, dass die Hygieneregeln von den Profis in Hannover ernst genommen werden – und greifen. Seit den ersten Lockerungen wird bei 96 in kleinen Gruppen im Stadion trainiert. Die Profis halten Abstand und ziehen sich so­gar in unterschiedlichen Kabinen um, auf dem Rasen gibt’s weiterhin keine Zweikämpfe.

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Trotz Einschränkungen war die Rückkehr an den Ball beinahe heilsam. „Die Jungs ha­ben sogar die harten Läufe genossen“, erzählt Zuber und lacht, „du lernst in der Quarantäne solche Dinge wieder zu schätzen. Klar kannst du zu Hause auf dem Ergometer Rad fahren oder 4000 Sit-ups machen – aber du bist es als Leistungssportler gewohnt, anders an deine Grenzen zu gehen.“

Zuber verspricht: "Wir werden bereit sein"

Ob Hannovers Profis und der Rest der Fußballer allerdings sofort wieder an ihre Grenzen gehen können, wenn die Saison fortgesetzt wird, bleibt fraglich. Wenn die Politik am Mittwoch grünes Licht gibt, könnte es schon am 15. Mai mit den ersten Geisterspielen weitergehen – nach neun Tagen Vorbereitung mit Zweikampferlaubnis.

„Natürlich hat da ein wesentliches Element im Training gefehlt, und nur anderthalb Wochen Vorbereitung wären schwer am Limit“, bestätigt auch Zu­ber, „aber ungewöhnliche Situationen bedürfen ungewöhnlicher Maßnahmen.“ 96 werde alle Entscheidungen mittragen – „und wir werden bereit sein“, betont der Sportdirektor: „Ich wünsche mir einfach, dass wir bald wieder spielen können. Die Jungs sind auch heiß drauf und wollen wieder kicken.“