14. Februar 2022 / 10:57 Uhr

96 und die Standards: Vorn den Fluch gebrochen, hinten weiterhin zu anfällig

96 und die Standards: Vorn den Fluch gebrochen, hinten weiterhin zu anfällig

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der sitzt - endlich mal: Julian Börner (links) befördert den Ball nach einer Ecke per Kopf in den Darmstädter Kasten.
Der sitzt - endlich mal: Julian Börner (links) befördert den Ball nach einer Ecke per Kopf in den Darmstädter Kasten. © Florian Petrow
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Es bleibt ein großes Thema: 96 und die Standards. Gegen Darmstadt gelang Julian Börner endlich der erste Treffer in dieser Saison nach einer Ecke, brach damit den Fluch. Hinten allerdings bleiben die Roten anfällig, kassierten beide Tore nach ruhendem Ball.

Schön zu sehen, wie der wuchtige Verteidiger Julian Börner über sein Tor jubelte wie ein glückliches Bolzplatzkind. Es hat geklappt. Endlich. Das erste Tor für ihn, das 2:1 außerdem der erste Treffer, den 96 in dieser Saison nach einem Eckstoß erzielte. Nach 110 verschenkten Ecken endlich ein Tor: Börner rannte dankbar zum Erfinder des Standardprototyps: Co-Trainer Garip Capin. Börner und Capin umarmten sich. Aber der Sieg war dies nicht. Denn nur die Standards betrachtet, „verlor“ 96 die Partie gegen Darmstadt mit 1:2.

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Die Gäste waren als stärkste Standardtruppe der 2. Liga angereist. Zuerst fiel das Eigentor von Sebastian Stolze, der überrascht einnickte nach einer verlängerten Ecke. Mit dem Kopfball des Zweimeterriesen Aaron Seydel schaffte Darmstadt das 2:2.

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Bei den „Lilien“ hat das Standardphänomen einen Namen: Tobias Kempe. Zehn Tore bereitete der hessische Torkempe bereits in dieser Saison vor. Bei 96 schwankt der Spezialist Sebastian Kerk hingegen in der Präzision, er leitete vier 96-Treffer ein, davon nun gleich zwei auf einmal, einen aus dem Spiel heraus, einen nach beschriebener Ecke.

Am Sonntag funktionierte die neue 96-Variante, die in ihrer Planung der Anmutung eines historischen Treffers ähnelte. Beim 7:1-Weltspiel der Deutschen 2014 in und gegen Brasilien folgte das 1:0 demselben Muster. Kerk schoss, Marcel Franke und Gaël Ondoua stürmten nach vorn, zogen drei Gegner mit und blockten den Weg für Börner frei. So kam es, dass der 96-Verteidiger unbedrängt dastand wie Thomas Müller seinerzeit in Belo Horizonte. Der Unterschied lag in der schlussendlichen Ausführung: Müller schoss, Börner köpfte den Ball ins Tor.

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Dabrowski freut sich - und ärgert sich

Aus dem kleinen taktischen 96-Werk erwuchs kein Siegtor, erst recht kein Start für ein fußballerisches Wunder. Aber vielleicht der Auftakt in eine erfolgreichere Phase nach ruhenden Bällen. Denn die wenigen Treffer auf dem 96-Konto beruhen eben auch auf der besonderen hannoverschen Schwäche in diesem Bereich. Den offensiven Fluch bei Standards ist die Mannschaft nun durch das Börner-Tor losgeworden. Aber hinten stellte sich 96 immer noch ähnlich schlecht präpariert an wie zuvor.

„Das Standardtor freut mich natürlich, diesmal hat die Variante geklappt", sagte Trainer Christoph Dabrowski. „Das ist positiv, dass wir getroffen haben, nicht so positiv ist, dass wir zwei nach Standards kassiert haben.“

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen Hannover 96 und dem SV Darmstadt 98

96-Coach Christoph Dabrowski (links) unterhält sich vor dem Spiel mit Darmstadts Aushilfstrainer Kai Schmitz. Zur Galerie
96-Coach Christoph Dabrowski (links) unterhält sich vor dem Spiel mit Darmstadts Aushilfstrainer Kai Schmitz. ©

Für Darmstadt sind vor allem Freistöße vor dem gegnerischen Strafraum das vielversprechendste Mittel, weil diesem Zweitliga-Spitzenteam die Spitzenspieler fehlen. 96 fiel zu oft rein auf die Freistoßfallen vor dem Strafraum. So kam es zum 2:2, nachdem Kerk den Ball an der Mittellinie verloren und Börner den Stürmer Luca Pfeiffer auf dem Flügel gefoult hatte. Diese Fouls so nahe vorm eigenen Strafraum sollten nicht Standard bleiben im 96-Abstiegskampf.

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