16. April 2020 / 07:19 Uhr

"Toller Typ", aber "zu hohe Hürden": Keine Zukunft bei 96 für John Guidetti

"Toller Typ", aber "zu hohe Hürden": Keine Zukunft bei 96 für John Guidetti

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Es sieht sehr stark danach aus, als würde sich John Guidetti nach einem halben Jahr schon wieder aus Hannover verabschieden.
Es sieht sehr stark danach aus, als würde sich John Guidetti nach einem halben Jahr schon wieder aus Hannover verabschieden. © imago images/Jan Hübner
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John Guidetti hat das Zeug zum Publikumsliebling bei Hannover 96. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass er in der nächsten Saison noch für die Roten stürmt. Der schwedische Nationalspieler ist schlichtweg zu teuer - sowohl was das Gehalt, als auch die Kaufoption von 4,5 Millionen Euro betrifft.

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Er ist nach Hannover gekommen, um zu spielen – und Tore zu schießen. Bisher ist seine Bilanz noch eher mau – ein Tor hat John Guidetti bei fünf Einsätzen erzielt. Verpflichtet hat ihn 96 vorerst nur bis zum Saisonende, das immer noch für den 30. Juni geplant ist.

Dass es danach für den schwedischen Nationalspieler noch weitergeht bei 96, ist so gut wie ausgeschlossen. „Ich mag ihn, er ist ein toller Typ und kommt gut rüber“, sagt 96-Profichef Martin Kind, „aber die Hürden für eine Weiterverpflichtung sind wohl zu hoch.“

Bilder vom Training von Hannover 96 (15. April)

Keeper Martin Hansen packt wieder zu. Zur Galerie
Keeper Martin Hansen packt wieder zu. ©

Zumindest nach dem, was im Vertrag steht. 4,5 Millionen Euro Ablöse müsste 96 zahlen, um die Kaufoption zu ziehen und Guidetti fest zu verpflichten. Das passt nicht mal ansatzweise in den reduzierten 96-Haushalt der nächsten Saison. Auf etwa 17 Millionen Euro soll der Personaletat nach ersten Schätzungen schrumpfen. Für die aktuelle Saison liegen die Kosten für die Profis bei 23 Millionen Euro.

Stürmer schlichtweg zu teuer

Guidetti gehört zu den Topverdienern mit etwa 90 000 Euro monatlich. Für ein halbes Jahr mag das finanzierbar sein, aber nicht auf Jahre – Guidetti ist schlichtweg zu teuer für 96. Die einzige kleine Chance, dass er in Hannover bleiben könnte, wären die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise. Sollte der Transfermarkt einbrechen, Ablösesummen und Gehälter, wie zu erwarten, stark sinken, gäbe das vielleicht eine neue Situation.

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So aber hat Guidetti am Mittwoch seinen 28. Geburtstag in dem Bewusstsein gefeiert, dass er mit seiner Familie schon bald wieder weiterziehen muss. Er ist ja ein Wandervogel, der als Sohn eines Entwicklungshelfers in Kenia angefangen hat.

Über den Stockholmer Heimatklub IF Brommapojkarna ging’s für Guidetti 2010 zu Manchester City. Dann begann der Leihservice mit mehr Haltestationen als von „Sixt“ oder „Hertz“. Er stoppte in Burnley, bei Feyenoord Rotterdam, Stoke City und Celtic Glasgow. 2015 ankerte Guidetti bei Celta Vigo in Spanien. 2018 ging es weiter nach Alavés. In der ersten Saisonhälfte kam er da auf fünf Einsätze, bevor er bei 96 landete.

Wandervogel und Exzentriker: Die Karriere von 96-Stürmer John Guidetti in Bildern

Nachdem er fünf Jahre seiner Kindheit in Kenia verbracht hat, kehrte John Guidetti 2007 zu seinem schwedischen Heimatverein IF Brommapojkarna zurück - und debütierte mit zarten 15 Jahren in der ersten Mannschaft. Kurz darauf holte ihn Sevn-Göran Eriksson zu Manchester City. Von dort aus startete eine Leih-Odyssee für das Talent... Zur Galerie
Nachdem er fünf Jahre seiner Kindheit in Kenia verbracht hat, kehrte John Guidetti 2007 zu seinem schwedischen Heimatverein IF Brommapojkarna zurück - und debütierte mit zarten 15 Jahren in der ersten Mannschaft. Kurz darauf holte ihn Sevn-Göran Eriksson zu Manchester City. Von dort aus startete eine Leih-Odyssee für das Talent... ©

Als er nach anfänglichen Problemen fit war, stellte ihn Kocak ins Sturmzentrum. Guidetti ist dabei der logische Konkurrent von Hendrik Weydandt, beide sind von ähnlicher Statur. Weydandt quälte sich lange mit einer Verletzung, sonst hätte er womöglich den Vorzug erhalten.

Zum Start der Geisterspiele Anfang Mai sind beide fit. Unwahrscheinlich, dass beide gleichzeitig auf dem Platz stehen, dazu sind sie sich zu ähnlich. Kocak wird sich entscheiden müssen – mit der Aussicht, dass nach der Saison beide weg sein könnten, wenn Weydandt seinen Vertrag auch nicht verlängern sollte.