23. Februar 2022 / 17:23 Uhr

96-Coach Dabrowski erklärt, was er mit Hinterseer vorhat: „Gibt mir Optionen“

96-Coach Dabrowski erklärt, was er mit Hinterseer vorhat: „Gibt mir Optionen“

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Lukas Hinterseer kommt bis auf Weiteres nicht über eine Jokerrolle bei 96 hinaus.
Lukas Hinterseer kommt bis auf Weiteres nicht über eine Jokerrolle bei 96 hinaus. © Florian Petrow
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Als Ducksch-Nachfolger hat 96 Lukas Hinterseer verpflichtet. Tore hat der Stürmer noch nicht erzielt, stattdessen muss er sich mit der Jokerrolle begnügen. „Das Schöne ist ja, dass mir das auch Optionen gibt, variabel auf Situationen zu reagieren“, sagt Coach Dabrowski.

Die Erwartung an Tore kann ein Hemmschuh sein. Hannover 96 hat seine etwas komplizierte, aber fest eingebaute Torgarantie nach Bremen verkauft. Marvin Ducksch, darüber lächelt jeder Bremer Fan, erzielte seitdem zwölf Tore für Werder. Dafür holte 96 Lukas Hinterseer, der in Bochum einst als Tormaschine galt. Und traf gar nicht.

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Dem direkten Torjägerduell gegen Ducksch gegen Bremen war Hinterseer durch eine Corona-Infektion entgangen. Die Folgen der Erkrankung spürte der Österreicher noch lange. Beim 3:0 in St. Pauli brachte Christoph Dabrowski ihn in den Schussminuten. Er solle am Spiel „schnuppern“, sagte der 96-Trainer. Aber es riecht vor dem Kielspiel am Freitagabend in der HDI-Arena ganz und gar nicht nach einer Rückkehr in die Startelf. Hinterseer hat eine neue Rolle, die er schon vom Hamburger SV kennt.

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Vielleicht hilft ein Hinweis, der Christoph Dabrowski darauf bringt, Hinterseer doch noch gegen Kiel zu bringen. Im Hinspiel in Kiel (3:0) entpuppte sich Hinterseer als entscheidender Faktor für den klaren Sieg. Er befand sich auf dem Weg zu seinem ersten Treffer in seinem zweiten Spiel. In seinem ersten (1:0 gegen St. Pauli) hatte der Österreicher das Siegtor für Sebastian Kerk vorgelegt.

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Nun also Kiel – Hinterseer allein mit Ball Richtung 1:0 in den 10. Minute. Kiels Keeper Ioannis Gelios stoppte den 96-Stürmer als letzter Mann mit einem Foul. Rot für Gelios, gut für 96, aber am Ende eher schlecht für Hinterseer. Dabrowski: „Was im Hinspiel passiert ist, weiß ich nicht genau. Ich habe mich damit nicht auseinandergesetzt.“

Erste Auftritte im 96-Dress nicht als Maßstab

Dies bedeutet: Die ersten beiden ordentlichen Spiele von Hinterseer im Dress von Hannover 96 nimmt sein Trainer nicht zum Maßstab, wenn er darüber grübelt, wen er am Freitag gegen Kiel aufstellen soll.

Der Österreicher ist seitdem nie mehr zu so einer großen Chance gekommen. Was ja sein Manko war, das sich von Spiel zu Spiel mehr verfestigt und offenbart hat. Hinterseer ist ein Festmacher in der Spitze, ein potenzieller Wegbereiter, ein Räumeöffner, aber kein Torjäger, der selbst viele Chancen hat. Warum? Wieso? Kaum erklärbar, zumal er bis vor erst drei Jahren die Liga mit einer Ducksch-Quote unsicher machte: 32 Tore in zwei Spielzeiten mit Bochum. Davon träumen Hinterseer und 96 heute.

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Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Dabrowski, der auch mal Bochumer war, wirkt häufig etwas angespitzt in seinen Bemerkungen, wenn er auf Hinterseer angesprochen wird. Fast so, als wolle in einen Luftballon stechen, in dem doch nichts sei als heiße Luft. „Minutenzählen“ nennt Dabrowski das und findet diese Torlosdebatte öffentlich eher schädlich als erhellend. Nach elf Spielen ohne Tor (in 839 Minuten übrigens) und einer top aufgestellten Offensive in St. Pauli stellt sich allerdings schon die Frage: Herr Dabrowski, was haben Sie mit Lukas Hinterseer vor? 

Das erläutert der Trainer recht deutlich: „Ich muss sagen, dass er sehr gut trainiert. Ich bin zufrieden mit seiner Trainingsleistung, er ist schon aktiv dabei und deswegen hat er eine Berechtigung gehabt, einen Kurzeinsatz zu bekommen.“ Einsatz ja, aber nur kurz. Der 96-Trainer hat Hinterseer – und nebenbei auch Hendrik Weydandt – bis auf Weiteres den Joker-Stempel aufgedrückt. Was ja auch erfolgversprechend sein kann, erklärt der Trainer: „Das Schöne ist ja, dass mir das auch Optionen gibt, variabel auf Situationen zu reagieren, beziehungsweise die Art und Weise unserer Grundordnung zu ändern.“ Zusatz: „Wenn es erforderlich ist.“

Dazu besteht nach dem St.-Pauli-Sieg und den Spielen zuvor kein Anlass, glaubt Dabrowski: „Unsere Offensive hat gut funktioniert“. Dazu gehören Sebastian Kerk, Maximilian Beier und Cedric Teuchert – nicht Hinterseer und nicht Weydandt, zumindest, was die Startelf angeht. Der Tore-Druck, sagte Hinterseer im Spätsommer, mache ihm nichts aus. Die Erwartungen sinken automatisch, wenn er als Joker kommt. Das kann noch gut werden.