25. Mai 2020 / 07:24 Uhr

"Die Tore sind ein Argument": Marvin Ducksch und sein neues Standing bei Hannover 96

"Die Tore sind ein Argument": Marvin Ducksch und sein neues Standing bei Hannover 96

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer Kenan Kocak (rechts) lobt Marvin Ducksch für seinen Trainingsfleiß.
Trainer Kenan Kocak (rechts) lobt Marvin Ducksch für seinen Trainingsfleiß. © Guido Kirchner/dpa-Pool/dpa
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Er galt als Kandidat für einen Wechsel im Sommer, doch nun hat sich das Blatt anscheinend komplett gewendet. Mit seinem Doppelpack hat Marvin Ducksch Argumente geliefert, warum er weiter für Hannover 96 stürmen sollte. Trainer Kenan Kocak lobt Einstellung und Trainingsfleiß des Stürmers.

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Wenn eine schwierige Beziehungskiste mit einer kurzen Umarmung endet, dann darf der Deckel drauf. Stürmer Marvin Ducksch und sein Trainer Kenan Kocak hatten nicht die herzlichste Beziehung in diesem Jahr geführt. Das 4:2 für 96 in Osnabrück nach dem Abpfiff besprachen die beiden so einig, sogar innig, als hätten sie die Wende an der Bremer Brücke gemeinsam ausgeheckt.

Viel Lob für Marvin Ducksch

Dieses neue Bild schmückte außerdem Duckschs neue Kopfmode. Der Stürmer hatte seine Haare eng zusammengebunden wie einst Zlatan Ibrahimovic und das enge Spiel in Osnabrück mit einem Doppelpack fast allein gedreht.

Die Stimmung zwischen Trainer und Sorgen-Stürmer war bereits während der Corona-Pause ins Positive gekippt. „Kocak hat schon in den letzten Wochen gesagt, dass Ducksch super trainiert, sich sehr professionell verhält und sich anbietet“, erklärte Augenzeuge Martin Kind. Der 96-Boss lobt den 1,8-Millionen-Stürmer nun, nachdem er und auch der Trainer lange so unzufrieden waren.

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„Er hat mit seinen beiden Toren – und vor allem wie er das zweite erzielt hat – bewiesen, welchen Stellenwert er für die Mannschaft hat“, sagte Kind. „Die beiden Tore sind ein Argument. Er hat damit gezeigt, dass er zur Mannschaft gehört.“ Das bedeutet, dass 96 von dem Plan abrückt, Ducksch nach einem Jahr schon wieder abzugeben. Es hat sich gezeigt, dass der Sommertransfer (Vertrag bis 2022) doch effektiver ist als zunächst angenommen.

"Er hätte auch von Anfang an spielen können"

Duckschs Tor-Quote bezogen auf Einsatzminuten sieht ordentlich aus. Acht Treffer machte er für 96, alle 175 Minuten schießt Ducksch ein Tor – in etwa die gleiche Statistik hat sein Vorlagengeber fürs 3:2, Hendrik Weydandt. John Guidetti, dessen Leihe fast die Hälfte der Ducksch-Ablöse kostet, schoss bisher ein Tor in 400 Einsatzminuten. Für einen echten Transfer von Alavés ist der Preis für Guidetti ohnehin zu hoch. Mit seiner Mentalität hilft der Schwede der Mannschaft zwar, aber in Osnabrück gelang ihm ansonsten nicht sonderlich viel.

Anders als Ducksch. Kocak gab zu, dass er den 26-Jährigen schon von Anfang an bringen wollte. „Es war eine sehr harte Entscheidung, ihn draußen zu lassen, er hätte auch von Anfang an spielen können“, sagte Kocak. „So stark hat er trainiert. Die Tore, die Leistung sind ein Ergebnis davon, wie gut er in den letzten Wochen gearbeitet hat.“

Bilder zum Spiel VfL Osnabrück gegen Hannover 96

Linton Maina und Maurice Trapp (VfL Osnabrück)

 im Zweikampf. Zur Galerie
Linton Maina und Maurice Trapp (VfL Osnabrück) im Zweikampf. ©

Als Folge änderte sich auch die Wertschätzung des Trainers für Ducksch. Das Verhältnis war kritisch, Körpersprache und Zweikampf-Verhalten gefielen dem Trainer nicht. Nachdem Ducksch zu spät zur Teambesprechung vor dem Kiel-Spiel gekommen war, suspendierte Kocak ihn für ein Spiel. Jetzt rettete Ducksch den Sieg. „Kocak hat auch die Kraft, seine Meinung zu korrigieren. Es entscheidet immer die Leistung“, sagt Kind über den Trainer. Kocak sieht es pragmatisch: „Heute ist der Ducksch draußen gewesen, demnächst ist vielleicht ein anderer draußen.“

Kocak gibt die Verantwortung für den Leistungssprung an den Stürmer weiter: „Das ist sein Verdienst, ich hab nix gemacht“, sagte der 96-Trainer. Lob gab es auch vom gegnerischen Coach Daniel Thioune: „Die individuelle Qualität hat sich durch die Einwechslungen deutlich erhöht beim Gegner, dann schlagen diese Gegner dann auch zu.“

Marvin Ducksch: seine Karriere in Bildern.

Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. Zur Galerie
Der heute 25-jährige Marvin Ducksch begann seine Fußballkarriere mit vier Jahren beim BSV Fortuna Dortmund 58 und wurde von seinem Vater trainiert. 2002 wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund, welche er anschließend vollständig durchlief. ©

Ducksch wurde erst in der 58. Minute eingewechselt. Zwei Treffer schoss er in einer halben Stunde, deshalb war es doch noch „definitiv ein gelungener Nachmittag“, sagte Ducksch und rückte seine 96-Kollegen in den Mittelpunkt: „Wir haben uns die letzten 78 Tage den Arsch aufgerissen, gearbeitet, sind marschiert und hinten heraus haben wir uns das, denke ich, heute auch verdient.“ Verdient hat sich Ducksch die neue Wertschätzung mit Trainingsfleiß und seinen Saisontoren sieben und acht – seine ersten in diesem Jahr.

Es sollen mehr folgen, an der Mission Aufstieg soll Ducksch in der kommenden Saison mithelfen. Der Zopf bleibt dran bei 96.

Die Fans der Roten hat der Stürmer mehrheitlich überzeugt mit seinem Doppelpack: In einer SPORTBUZZER-Umfrage stimmen 55,9 Prozent der Teilnehmer dafür, Ducksch am Mittwoch gegen Karlsruhe in die Startelf zu befördern. 31,9 Prozent trauen dem Braten noch nicht vollends, 12,3 Prozent halt das sogar für verfrüht.