12. November 2021 / 20:32 Uhr

Corona "nicht leicht weggesteckt": 96-Stürmer Valmir Sulejmani im Interview

Corona "nicht leicht weggesteckt": 96-Stürmer Valmir Sulejmani im Interview

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Im Blick: 96-Stürmer Valmir Sulejmani hofft nach langer Corona-Erkrankung auf mehr Einsätze.
Im Blick: 96-Stürmer Valmir Sulejmani hofft nach langer Corona-Erkrankung auf mehr Einsätze. © Florian Petrow
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In Großburgwedel geboren, seit 2005 – mit kurzen Unterbrechungen – gehört Valmir Sulejmani (25) zu Hannover 96. Im Interview spricht er über die vielen Jahre im Verein und seine schwere Corona-Erkrankung.

Zwei Tore im Test beim 5:2 gegen Egestorf/Langreder – man konnte sehen, das hat Ihnen etwas bedeutet?

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Das Stadion in Barsinghausen liegt mir. Da habe ich seit der U13 schon so oft gespielt und immer getroffen. Ich hatte auch Bock zu kicken, es hat Spaß gemacht.

Sie kamen ja in dieser Saison noch nicht oft dazu. Welchen Anteil hat daran Ihre Corona-Erkrankung?

Die Infektion habe ich nicht leicht wegstecken können. Ich hatte alle Symptome, die man nur haben kann. Ge­schmacks­ver­lust, Fieber, Husten und ein leichtes Stechen in der Herzgegend – da hatte ich sogar ein bisschen Panik. Ich habe mich dann komplett durchchecken lassen. Durch meine Erkrankung haben sich jetzt zehn meiner Freunde impfen lassen, so hatte es noch was Positives.

Jetzt abstimmen! Mit welchen 96-Profis würdet ihr (nicht) verlängern?

Sie haben sechs bis sieben Wochen gebraucht, um richtig fit zu werden?

Wenn man zwei Wochen gar nichts machen kann, ist es schwer zurückzukommen. Ich habe mir sogar einen Basketballkorb gekauft, um wenigstens Bälle werfen zu können. Beim Training fehlte mir auch danach oft die Luft. Seit zwei Wochen bin ich aber wieder der Alte. Hauptsache, gesund, das ist das Wichtigste.


Sie sind ein Junge der Region. Alle reden über Weydandt, Sie laufen da unter dem Radar. Ärgert Sie das nicht?

Ich bin jetzt im 15. Jahr bei 96 plus zwei Unterbrechungen. Ich kenne den Verein sehr gut, ich habe alles miterlebt, Auf- und Abstieg, hatte viele Trainer. Ich gebe Gas und erledige meine Aufgaben, aber es stört mich nicht, dass man nicht über mich redet.

Was bedeutet Ihnen denn 96?

96 begleitet mich durch mein Leben, es ist mein Herzensverein.

Der Trainer sagt ja öfter, er will Weydandt stützen – könnten Sie nicht auch ein bisschen Unterstützung gebrauchen?

Ich verstehe mich sehr gut mit Henne. Nach seinem Tor gegen Heidenheim war ich als einer der Ersten bei ihm und habe ihm gesagt, dass ich es ihm von Herzen gönne. Ich bin so erzogen worden. Wir pushen uns gegenseitig, auch mit Luki (Hinterseer) und Maxi (Beier) bei den Torschussübungen. Wir können das ja, wir haben so eine geile Mannschaft, es stimmt einfach alles.

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Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Nur die Tabelle nicht. Woran fehlt’s?

Vielleicht fehlt uns das Quäntchen Glück. Gegen St. Pauli, Kiel und Düsseldorf zu null gewonnen, danach ist es manchmal so, als hätten wir das Fußball spielen verlernt. Jeder kann in der verrückten Liga jeden schlagen. Da muss man von der ersten Minute bis zum Abpfiff fo­kus­siert sein. Ich bin aber guter Dinge, dass wir wieder in die Erfolgsspur kommen.

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Sie haben sich ja quasi warmgeschossen und empfohlen für das Spiel nächsten Freitag gegen Paderborn?

Jeder Spieler wünscht sich, mehr zu spielen, das ist ganz normal. Aber das entscheidet nun mal der Trainer. Ich versuche, ihm Signale zu senden, dass ich wieder da bin.

Was ist denn Ihre Lieblingsposition?

Vorne drin, da fühle ich mich am wohlsten.

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Im eigenen Strafraum hätten Sie zuletzt in Düsseldorf fast einen Handelfmeter verursacht?

Oh, nein, habe ich gedacht. Das wär’s gewesen, ich bin nach langer Zeit mal wieder zurück und dann das. Ich wusste, dass ich meinen Arm angelegt hatte, hab’s aber an der linken Hand gespürt.

Sie dürften einen Länderrekord halten?

In der deutschen U17 war die Konkurrenz groß mit Leroy Sané, Timo Werner und Julian Brandt. Das war nicht einfach, aber cool. Für Albanien habe ich nur einen Lehrgang in der U19 besucht, dann kam die Anfrage vom Kosovo. Im Juni bin ich zu­letzt für das Nationalteam berufen worden, daran will ich anknüpfen.

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Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. Zur Galerie
Der Spielplan von Hannover 96 in der Zweitliga-Saison 2021/22 in der Galerie - vom 1. bis zum 34. Spieltag. ©

Am Saisonende läuft Ihr Vertrag aus – gab’s schon Gespräche?

Da gab’s noch keine Kontakte.

Sie würden gern bleiben?

Wenn man 15 Jahre bei 96 schafft, dann schafft man auch 16 (lacht). Mein Papa sagt immer, gib Gas, irgendwann wirst du belohnt. Der Zusammenhalt in unserer Familie ist sehr groß. Mein 82-jähriger Opa Sahit war jetzt auch wieder aus dem Kosovo zu Besuch. Er motiviert mich. Ich bin immer froh, wenn ich auf dem Platz stehe, trainieren und spielen darf. Als wir aus dem Kosovo kamen, hatten wir nichts. Meine Mutter hat unsere Sachen aus dem Altkleider-Container geholt. Mein Vater ist ein Arbeitstier und war lange nur geduldet, musste alle drei Monate nachweisen, dass er keinen Unsinn macht. Das hat mich ge­prägt. Familie ist für mich alles. Und 96 gehört auch zu meiner Familie.