05. März 2021 / 07:35 Uhr

Gudra, Doumbouya und Bokake: 96-Trainer Kocak hat viel vor mit seinen Talenten

Gudra, Doumbouya und Bokake: 96-Trainer Kocak hat viel vor mit seinen Talenten

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Will die Talente langsam heranführen: 96-Trainer Kenan Kocak (rechts).
Will die Talente langsam heranführen: 96-Trainer Kenan Kocak (rechts). © Florian Petrow/imago images
Anzeige

Mit Mick Gudra, Moussa Doumbouya und Grace Bokake kriegen bei Hannover 96 aktuell die Talente eine Chance - entweder im Training oder wie Gudra und Doumbouya sogar im Spiel. Trainer Kenan Kocak ist überzeugt von ihnen, weiß aber auch, dass noch viel Arbeit ansteht.

Anzeige

Wie schnell kommt Moussa Doumbouya bei 96 voran? Beim 2:3 in Düsseldorf wechselte ihn der Trainer in der 71. Minute ein – der 23-Jährige bereitete das zweite 96-Tor von Mick Gudra vor. Beim 2:2 gegen Fürth brachte ihn Kenan Kocak in der 67. Minute. Drei Minuten später köpfte der Stürmer sein erstes Profi-Tor. In Aue könnte Doumbouya die Startelf-Premiere feiern. Danach sah es im Training aus.

Anzeige

Seinen Berater wundert es nicht, dass Doumbouya in der 2. Liga durchstartet. „Das ist kein Zufall, ich bin nicht überrascht“, sagt Altin Lala, „ich bin überzeugt von ihm. Er ist keine Eintagsfliege.“ Der frühere 96-Kapitän freut sich besonders über die Entwicklung des Mannes aus Guinea, der im Boot über Libyen nach Europa geflüchtet war: „Moussa hat im Mittelmeer die Haie gesehen, wovor soll er Angst haben?“

Mehr zu Hannover 96

Doumbouya-Vertrag geht bis 2022

Doumbouya geht jedenfalls bissiger in die Zweikämpfe als beispielsweise Marvin Ducksch. Der beste 96-Torjäger (zehn Treffer) scheint manchmal den Körperkontakt zu vermeiden. Kocak kennt aber auch „Punkte, an denen wir mit Moussa arbeiten“.

Als da wären vor allem „taktische Details, wo wir mit ihm sehr viel aufholen müssen, sowohl gegen den Ball als auch im eigenen Spiel“. Aber Trainer werden ja auch dafür bezahlt, Spieler zu entwickeln. „Das geht nicht von heute auf morgen“, meint Kocak.

In der Mannschaft ist Doumbouya akzeptiert, das zeigte sich auch beim Torjubel, als das komplette Team ihn fast erdrückte. „Der Junge ist total bodenständig“, findet etwa Torwart Michael Esser.

Formal ist Doumbouya aber noch ein Spieler der Reserve. In der abgebrochenen Regionalliga-Saison erzielte er in fünf Spielen vier Tore. „Sein Amateurvertrag läuft auch noch ein weiteres Jahr bis Juni 2022“, weiß Lala.

Mehr Berichte aus der Region

Lala sieht Doumbouya bei den Profis

Als Flüchtling sind seine Vertragsverhältnisse kompliziert. Solange er kein Profi ist, muss er für seine Aufenthaltsgenehmigung eine Ausbildung vorweisen. Doumbouya macht eine Logistiker-Lehre. Er hat umgeschult, die Ausbildung zum Dachdecker deshalb abgebrochen.

Perspektivisch sieht Lala ihn bei den Profis: „Moussa hat Potenzial, ich hoffe, dass er so weitermacht.“ Dann sei es „in der Verantwortung von Trainer, Sportchef Gerry Zuber und Kind, über einen Profivertrag zu reden. Nicht sofort, aber zu angemessener Zeit“, sagt Lala. Dann muss auch über Geld geredet werden. Zurzeit verdient Patrick Twumasi noch das Zwanzigfache vom Doumbouya-Gehalt.

Gudra und Bokake überzeugen Kocak

Eine hohe Meinung hat Kocak von Mick Gudra (20), der einen Profivertrag bis 2023 besitzt und „ein Spieler ist, der es schaffen kann, aber brutales Pech hatte“. Durch Kreuzbandriss und Pandemie: „Auch Grace Bokake entwickelt sich gut.“

Kocak will die Talente „behutsam aufbauen“ und hofft, „dass sie ihre Chance dann auch nutzen“. Der ehemalige Dachdecker hat ja schon gezeigt, dass er was auf der Pfanne hat.