08. Oktober 2020 / 19:46 Uhr

"Tore passieren zu einfach": 96 bei Union über weite Phasen nicht erstligareif

"Tore passieren zu einfach": 96 bei Union über weite Phasen nicht erstligareif

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Spieler von Union Berlin feiern das 2:1 - und später den Sieg.
Die Spieler von Union Berlin feiern das 2:1 - und später den Sieg. © imago images/Andreas Gora
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Schon die Anfahrt zum Testspiel beim 1. FC Union Berlin barg für 96 so ihre Tücken. Die Besprechung vor dem Spiel entfiel, weil die Roten mit ihren beiden Bussen zu lange im Stau gestanden hatten. Auf dem Platz ging es holprig weiter, auf Erstliga-Niveau spielte das Team von Kenan Kocak nicht und unterlag mit 1:4.

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Berlin. Die Hauptstadt, der Hotspot. Der 1. FC Union hielt sich eisern in der Bundesliga als Nummer zwei in Berlin. Und der Promifaktor steigt: Pokerface Max Kruse mischt die Karten seine Karriere noch einmal neu, Loris Karius ist mit seiner Schauspiel-Freundin Sophia Thomalla nach Köpenick gezogen. Es weht eine edle Berliner Bundesliga-Luft, an der Hannover 96 im Test schnuppern durfte.

Das 1:4 (0:1) roch noch ganz und gar nicht nach der großen Fußballwelt. Was einerseits an der schwachen ersten Hälfte, andererseits an einigen Experimenten lag, die Trainer Kenan Kocak für die nahe und die ferne Zukunft ausprobierte.

Bilder vom Testspiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hannover 96

Hannovers Josip Elez (Mitte) kann dem Ball nur hinterherschauen. Zur Galerie
Hannovers Josip Elez (Mitte) kann dem Ball nur hinterherschauen. ©

Es fing schon schleppend an: Der Anstoß verzögerte sich um 20 Minuten, weil die beiden Mannschaftsbusse in Magdeburg auf der A2 und später in Berlin selbst im Stau stecken geblieben waren. „Das war nicht ideal, wir konnten gar keine Mannschaftsbesprechung machen“, sagte Kocak.

Königstransfer lässt Klasse aufblitzen

Patrick Twumasi hat außerdem die PS noch nicht, um ein Star der 2. Bundesliga zu werden. Der ghanaische Königstransfer steckt im Formstau. Die drei fußballfreien Sommermonate waren ihm anzumerken. „Wir haben gesehen, dass er leider noch sehr viel aufarbeiten muss“, meinte der 96-Trainer. „Er lässt immer schön aufblitzen, wozu er in der Lage ist, aber die Kostanz ist nicht da.“ Vor dem 1:1 traf Twumasi mit seiner ersten starken Aktion nach 48 Minuten den Pfosten, Valmir Sulejmani verwandelte den Nachschuss.

Der Test hatte aber nicht nur wegen der Verspätung ungemütlich begonnen. Es regnete Fäden, Kocak schützte sein Haupt mit einer Kappe. Er schüttelte immer wieder den Kopf, auch wegen einiger Szenen der neuen Offensivwaffe Twumasi. Der Angreifer versteckte sich auf dem linken Flügel – wie ein Alligator, der bewegungsarm daliegt und nur zuschnappt, wenn die Beute nah genug herankommt.

1759 Fans wollten den Testspiel sehen. Es hat sich in Köpenick herumgesprochen, dass der Derbysieger aus Hannover ein ernstzunehmender Aufstiegkandidat zu sein scheint. Der Auftritt einiger 96-Aushilfskräfte entsprach allerdings in der ersten Hälfte nicht einmal Zweitliga-Niveau. Josip Elez erlaubte sich in der Innenverteidigung Fehler, als habe er über ein halbes Jahr nicht mehr auf dem Platz gestanden. In der 26. Minute ließ der Kroate das Bein stehen, Unions Keita Endo fiel darüber – Elfmeter. Akaki Gogia verwandelte per Heber.

Bei Basdas sieht Kocak "eine gute Performance"

Chancen von 96? Bis zur Pause Fehlanzeige. Sogar Union-Manager Oliver Ruhnert bedauerte die Chancenarmut bei 96. Er könne die Leistung seines neuen Torwarts Karius gar nicht beurteilen, weil der nichts aufs Tor bekommen hatte.

Erst nach dem Treffer von Sulejmani wurde 96 für eine Viertelstunde munter. Aber es traf nur noch Union - erst Marius Bülter (69.), dann zweimal der frühere 96-Stürmer Cedric Teuchert (72., 75.). „Die Tore passieren zu einfach“, monierte Kocak. Aus der Kritik nahm er Baris Badas deutlich heraus. „Eine gute Performance“, fand der Trainer.

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Langfristig tat Kocak noch etwas für die entfernte 96-Zukunft und setzte die Teenager ein, die aktuell bei den Profis hospitieren: Kocak lobte Grace Bokake (18), Jan-Erik Eichhorn (18), Lawrence Ennali (18), Noah de Waal (17), Nicolò Tresoldi (16) und Adrian Becker (16), die ebenfalls Bundesliga-Luft schnuppern durften. Es ist aber noch ein weiter Richtung erster Klasse – für 96 und für die Talente sowieso.