04. März 2019 / 12:50 Uhr

Hannover 96: Thomas Doll schämt sich für seine Schülermannschaft 

Hannover 96: Thomas Doll schämt sich für seine Schülermannschaft 

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Trainer Thomas Doll gibt Anweisungen.
96-Trainer Thomas Doll gibt Anweisungen. © imago images / Sven Simon
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Nach der derben 1:5-Klatsche vom VfB Stuttgart schämt sich Hannovers Trainer Thomas Doll für seine Schülermannschaft: Einen derartigen Auftritt habe er, obwohl schon lange im Geschäft, "noch nicht gesehen“. 

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Nach der Schande in Stuttgart standen rund ein Dutzend Fans am Zaun vor dem 96-Mannschaftsbus. Sie schimpften. Schimpften wie zuvor schon die Fans in der Gästekurve nach dem 1:5-Debakel in Stuttgart. 96-Trainer Thomas Doll hatte sogar Verständnis – und schimpfte mit. „Jeder, der mit 96 etwas zu tun hat, hat sich geschämt. Ich natürlich auch“, sagte Doll und erzählte die Geschichte von dem „Mädchen im Rollstuhl, im 96-Trikot, das vor dem Mannschaftshotel stand. Wie wir die Leute enttäuschen ...“

Dolls Bilanz passt dazu: Sie ist eine einzige Enttäuschung. 0:3, 2:0, 0:3, 0:3, 1:5. Stuttgart war sein fünftes Spiel als 96-Trainer, seine vierte Niederlage, der Tiefpunkt. Der Abstieg ist damit so gut wie besiegelt. Doll versuchte nicht einmal, Mut zu machen. „Durchhalteparolen mache ich nicht, die will doch kein Mensch hören, wir haben noch zehn Spiele hier oder da – wir müssen uns einfach mal anders präsentieren.“ Eine ehrliche, aber erschütternde Aussicht.

Bilder der Bundesliga-Partie zwischen dem VfB Stuttgart und Hannover 96

Hannovers Takuma Asano (li.) im Zweikampf mit Stuttgarts Santiago Ascacibar.  Zur Galerie
Hannovers Takuma Asano (li.) im Zweikampf mit Stuttgarts Santiago Ascacibar.  ©
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"Es heißt doch Mann gegen Mann, nicht Mann gegen Schüler.“

Der Auftritt in Stuttgart, besonders die erste Hälfte, hatte „null Komma null zu tun mit Bundesliga“, sagte der Trainer. Dann spulte er die Wiederholung des 0:1 von Mario Gomez (4. Minute) ab, als Oliver Sorg rausrückte, Felipe nicht absicherte. „Und das in der Fünferkette, gegen Gomez, das geht so nicht“, meinte er. „Wir haben immer diese Böcke drin, das kannst du als Mannschaft gar nicht ausgleichen.“

Hinten Böcke, vorne Stockfehler, „da kommt jeder Ball wie ein Bumerang zurück“. Das 0:2 (16.) und 0:3 (45.) durch Ozan Kabak schluckte 96 durch Standardsituationen. Auch dazu hatte Doll ein vernichtendes Urteil: „Wir haben eine klare Zuordnung, es heißt doch Mann gegen Mann, nicht Mann gegen Schüler.“

Der 96-Trainer sprach überraschend offen an, wie er seine Mannschaft sah: wie eine Schülermannschaft. Marvin Bakalorz, noch einer der Besseren, fehlte „das Fußball-Abc auf dem Platz“. A für Abwehr, B für Balleroberung, C für Chancen – alles nicht vorhanden. Das 1:3 durch Jonathas (68.)? Auch kein Wachmacher. Stattdessen setzte sich das Abwehrchaos fort mit den beiden Treffern von Steven Zuber (78., 81.).

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Doll hat sich Bundesliga-Rückkehr anders vorgestellt

Dolls Maßnahmen vor dem Abstiegsendspiel griffen alle nicht. Nicolai Müller konnte wegen eines Mittelhandbruchs, den er sich am Donnerstag im Training zugezogen hatte, nur in Teilzeit stürmen. Bobby Wood stürmte gar nicht, obwohl er als Stuttgart-Experte (zweifacher Schütze im Hinspiel) aufgestellt war. Kapitän Waldemar Anton wirkt im Mittelfeld genauso verunsichert wie in der Abwehr. Wie der Trainer die Spieler noch mal erreichen möchte in dieser Saison, nachdem er derart auf Distanz zu ihnen ging, bleibt auch offen. Die Rückkehr in die Bundesliga habe er sich „anders vorgestellt“, sagte der 52-Jährige. Er sei „lange im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen“. Als Strafe „dürfen sich die Spieler die erste Hälfte noch einmal komplett anschauen“, kündigte Doll an.

Die Frage, wie nah er an der Mannschaft dran sei, hielt Doll für verfrüht. „Ich bin erst gefühlt einen Monat hier, von 8 bis 8 Uhr im Stadion“, erklärte er. „Also wenn ich nicht nah an der Mannschaft bin … Wenn ich das Gefühl hätte, nicht nah an der Mannschaft zu sein, wäre ich der Erste, der seine Tasche packt und sagt: Komm, macht es ohne mich.“ Was die Zeit in der Bundesliga angeht, kann 96 nach der Schande von Stuttgart einpacken.

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