09. Juni 2021 / 10:32 Uhr

Mann mit Karlsruher Netzwerk: So tickt der Kandidat auf den Posten als 96-Sportchef

Mann mit Karlsruher Netzwerk: So tickt der Kandidat auf den Posten als 96-Sportchef

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
 Gut vernetzt zu sein, ist als Sportchef nicht von Nachteil: Marcus Mann.
Gut vernetzt zu sein, ist als Sportchef nicht von Nachteil: Marcus Mann. © IMAGO/Jan Huebner
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Wird Marcus Mann neuer Sportchef von Hannover 96? Der 37-Jährige ist Kandidat auf die Nachfolge von Gerhard Zuber, war vor zwei Jahren schon einmal bei den Roten im Gespräch. Er gilt als ausgleichender Charakter, der aber nicht immer den bequemen Weg geht - und gut vernetzt ist.

Die Suche nach dem richtigen Mann als Sportchef, sie könnte zu Marcus Mann führen. Zu viele Fehlversuche gab es in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bei Hannover 96. Die letzten in der Reihenfolge ihres Erscheinens: Dirk Dufner, Martin Bader, Horst Heldt, Jan Schlaudraff und Gerhard Zuber. Mit der ehemals rechten Hand von Heldt wird zurzeit über die Trennung gesprochen. Ohne Abfindung wird es mal wieder nicht funktionieren bei Zubers Vertrag, der noch zwei Jahre läuft. „Wir sind im Gespräch“, sagt 96-Chef Martin Kind.

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Und dann könnte Mann kommen. Der 37-Jährige war bereits vor zwei Jahren Kandidat bei 96, da war er noch Sportchef beim 1. FC Saarbrücken. Der Viertligist war sein erstes Projekt als Manager. 2016 fing er bei den Saarländern an, sofort nachdem er seine Spielerkarriere beendet hatte. Mit ihm als Sportchef schrieb Saarbrücken Geschichte – der Klub war der erste Viertligist in der Geschichte des DFB-Pokals, der das Halbfinale erreichte nach einem 7:6 gegen Düsseldorf. „Der Aufstieg hat Priorität“, sagte Mann nach der Sensation. Der gelang dann auch, im Pokal war gegen Leverkusen Schluss.

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Langjährige Wegbegleiter bezeichnen Mann als kompromissbereit und höflich. Ein ausgleichender Charakter, der ein Auge hat für die Tücken in der Spielerkabine und der Kaderplanung.

Mann nahm aber auch nicht immer nur den bequemen Weg. Er entließ den beliebten Trainer Dirk Lottner, als er den Aufstieg in Gefahr sah. Mann setzte sich selbst mit dem Trainer des ersten Frauenteams als Interimslösung ein, gewann sein erstes und einziges Spiel an der Seitenlinie mit 7:0 gegen Koblenz.

Zuletzt rechte Hand von Rosen in Hoffenheim

Ob er sich als Trainer sehe, wurde er danach gefragt. Nein, sagte er, dadurch könne er sich nur seine Bilanz zerstören. Humor hat er offenbar, dazu Mut und den richtigen Blick für Trainertalente. Mann holte Lukas Kwasniok, der den Klub in die 3. Liga führte. Mann zog nach dem Aufstieg nach Hoffenheim weiter. Manns Mann Kwasniok arbeitete so gut in Saarbrücken, dass ihn Paderborn nun als Nachfolger von Steffen Baumgart verpflichtete.

Mann kümmerte sich in der vergangenen Saison in Hoffenheim als rechte Hand von Manager Alexander Rosen sowohl um die Perspektiven für die Profis als auch um den Nachwuchs.


Die Manager von Hannover 96 seit 1996:

<b>Franz Gerber:</b> Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. Zur Galerie
Franz Gerber: Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. ©

Für 96 ist der Blick auf die Talente wichtig, auf den eigenen Nachwuchs soll künftig stärker gesetzt werden. Vor jedem Transfer soll die Frage gestellt werden: „Haben wir so einen in der Akademie?“, erklärt Kind. Wichtiges Profil zudem für den 96-Boss: Der neue Sportchef soll „ein gutes Netzwerk haben, aber nicht Teil eines Netzwerks sein.“ Manager, die nur mit bestimmten Beratern arbeiten, können einen Verein viel Geld kosten.

Bei Mann scheint es da keine Probleme zu geben. Er ist aber Teil eines kleinen Karlsruher Netzwerks. Beim KSC kickte er mit den Ex-96-Profis Markus Miller und Mario Eggimann – und mit Christian Eichner, dem aktuellen Trainer, ist er sogar familiär verbandelt. Manns Schwester Monja heiratete Eichner. „Wenn es ein Fußballer sein musste, dann war Christian die beste Wahl“, meinte Mann. „Da waren mir andere Kollegen etwas suspekter.“