18. November 2020 / 07:16 Uhr

Schnäppchenchance für Köln: Kehrt Ron-Robert Zieler nie wieder zu 96 zurück?

Schnäppchenchance für Köln: Kehrt Ron-Robert Zieler nie wieder zu 96 zurück?

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kann sich seine Zukunft in Köln sehr gut vorstellen: Ron-Robert Zieler.
Kann sich seine Zukunft in Köln sehr gut vorstellen: Ron-Robert Zieler. © imago images/Eduard Bopp
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Bei Hannover 96 wurde Ron-Robert Zieler aussortiert. Beim 1. FC Köln, an den er ausgeliehen wurde, fühlt der 31-Jährige sich wohl - und erfährt große Wertschätzung, auch als Nummer zwei. Es könnte gut sein, dass die Kölner die ausgehandelte Kaufoption für Zieler ziehen oder 96 dabei noch runterhandeln.

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Die letzten Wochen vorm Leihabschied aus Hannover hätte sich Ron-Robert Zieler gern geschenkt: erst angezählt, dann aussortiert und schließlich ersetzt. Michael Esser kam als Stammkraft zurück, und Zieler war außen vor.

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Doch die Lösung, die der Torwart und 96 fanden, wird für alle Seiten zum Glücksfall: Der 31-Jährige kam bei seinem Jugendklub unter, ist beim 1. FC Köln Nummer zwei und hat nun trotzdem wieder Spaß. Nicht nur wegen des Bundesliga-Debüts mit Köln zuletzt gegen Bremen. Da erscheint es sogar wahrscheinlich, dass Zieler im Sommer nicht zu 96 zurückkehrt.

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Denn Köln hat eine Kaufoption für ein Zieler-Schnäppchen – und 96 könnte sogar ganz auf eine Ablöse verzichten. Auf die feste Ablösechance hatte Profichef Martin Kind gepocht, doch die Entscheider in Hannover scheinen selbst da noch gesprächsbereit, um sich Zielers Gehalt komplett zu sparen. Das ist für Zweitliga-Verhältnisse ziemlich hoch – nicht der einzige Grund, warum die Zieler-Rückholaktion im Sommer 2019 den 96-Chefs mittlerweile so missfällt.

Rückkehr zu alter Wertschätzung

Die hatte noch der damalige Sportchef Jan Schlaudraff eingetütet, es ging auch um Identifikation. Doch schon nach einer wackligen Saison hatte Zieler das Vertrauen verloren. Trainer Kenan Kocak wollte lieber eine andere Nummer eins, entschied sich für Vorgänger Esser als Nachfolger und legte Zieler einen Wechsel nahe.

Nach einigem Hin und Her und losem Interesse von ein paar Klubs meldete sich Zielers Ausbildungsverein 1. FC Köln (1999 bis 2005) – und es machte Klick: Leihdeal bis Sommer, fürs Erste. 96 spart jetzt schon immerhin einen Teil des Gehalts, auch Köln kommt gut weg.

Zieler verzichtet auf Geld, doch auch für ihn entpuppt sich der Wechsel zum Glücksgriff. Beim FC erlebt er gerade die Rückkehr zu alter Wertschätzung. In Köln wissen sie, was sie an Zieler haben – zum Beispiel Erfahrung. Als Stammtorwart Timo Horn gegen Werder mit Hüftproblemen noch vor der Halbzeitpause raus musste, sprang Zieler ein und machte eine fehlerfreie Partie. Nur den Elfmeterausgleich (1:1) des einstigen 96-Kollegen Leonardo Bittencourt konnte er nicht verhindern.

Von Rynio bis Zieler: Die Stammtorhüter von Hannover 96 seit 1979

Jürgen Rynio: 1979 bis 1986 (204 Spiele) Zur Galerie
Jürgen Rynio: 1979 bis 1986 (204 Spiele) ©

Kölns Sportchef Horst Heldt lobte später: „Ron hat das trotz Kaltstarts exzellent gemacht. Für uns war es wichtig, dass er sofort sehr präsent war.“ Fürs Erste bleibt Zieler zwar Nummer zwei – aber mit Option auf mehr. Horn steht wegen einiger Wackelauftritte (und trotz Aufwärtstrends) in der Kritik. „Wir haben zwei gute Torhüter“, sagt Heldt zwar, geht davon aus „dass Timo gegen Union wieder im Tor steht“. Aber mal sehen, wie lange die Entscheidung so eindeutig bleibt.

Zieler kann sich Köln langfristig vorstellen

Auch wenn Zieler nicht sofort eine neue Chance bekommt: Er fühlt sich wohl in Köln, das ist viel wert. Nicht nur, weil Familie und Freunde vor Ort sind, sondern auch wegen des positiven Feedbacks der FC-Chefs und der Heimatgefühle in der Heimatstadt. Zieler ist happy, hat wieder eine positive Körpersprache. Öffentlich sprechen will er zurzeit nicht, sondern sich auf Fußball konzentrieren. Aber, so hört man aus dem Umfeld des Torwarts: Er kann sich die Sache mit Köln langfristig vorstellen. Jetzt muss nur noch der FC wollen.

Das würde auch 96 helfen, kommenden Sommer droht sonst der nächste Torwartüberschuss. Stand jetzt stünden vier Keeper auf der Matte, alle mit Ambitionen: außer Leihrückkehrer Zieler und Platzhirsch Esser (32) sind das Ersatzkeeper Martin Hansen (30) und der talentierte Leo Weinkauf (24, alle Vertrag bis 2023), der nach zwei Leihjahren als Stammkeeper beim Drittligisten MSV Duisburg zurückkehrt. Da wird 96 ausdünnen müssen, mit Zieler als erstem Streichkandidaten.