14. September 2021 / 07:02 Uhr

"Das tut richtig gut": 96 fliegt wieder auf kürzlich noch verschmähten Zieler

"Das tut richtig gut": 96 fliegt wieder auf kürzlich noch verschmähten Zieler

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nach einigem Hin und Her scheint Ron-Robert Zieler wieder richtig bei Hannover 96 angekommen zu sein.
Nach einigem Hin und Her scheint Ron-Robert Zieler wieder richtig bei Hannover 96 angekommen zu sein. © IMAGO/Jan Huebner
Anzeige

Er wurde bejubelt, die Nordkurve feuerte ihn an: "Das tut richtig gut", sagte Ron-Robert Zieler nach dem 1:0 gegen St. Pauli. Der 32-Jährige ist wieder als Nummer eins von 96 gesetzt, nicht mehr verschmäht, genießt stattdessen das Vertrauen der Verantwortlichen.

Ehrenrunde in der HDI-Arena. Ehre, wem Ehre gebührt. Nach dem 1:0 gegen St. Pauli mag sich Manager Marcus Mann aber nicht zu lange gratulieren lassen. „Das war jetzt ein Spiel, wir wollen da demütig bleiben“, sagt Mann. „Wir müssen nachlegen, es hilft ja keinem, wenn wir mit blauen Flecken vom Schulterklopfen zum ersten Trainingstag kommen.“

Anzeige

Mit diesen Flecken könnte Ron-Robert Zieler gewiss leben. Der Torwart hielt den Sieg gegen St. Pauli fest. „Zieler, Zieler“, rief die Nordkurve. Eine Geräuschkulisse, die der Weltmeister seit den besten 96-Zeiten nicht mehr gehört hat.

Mehr über Hannover 96

„Die Atmosphäre war richtig gut, auch hinterm Tor, das tut richtig gut. Diese Atmosphäre ist einfach geil“, sagte der Torwart. Einen gefährlichen Schuss von Christopher Buchtmann hatte er toll pariert, sich Kopf voran Richtung Kofi Kyereh geworfen. Zieler blieb liegen, Luka Kranjc schützte den Torwart vorm nachstochernden Kyereh.

Die Nordkurve feuerte Zieler an. 96 gewann. Bei der Ehrenrunde hielt der Torwart seine Tochter Viola Viktoria (1) genauso sicher wie zuvor die Bälle, die auf sein Tor flogen. „Einfach schön, das Gefühl zu genießen, sich ein Stück weit feiern zu lassen für dieses eine Spiel“, sagte er anschließend.

Kein gutes Standing unter Kocak

Der 32-Jährige war nach seinem kometenhaften Aufstieg als jungenhafter Schlussmann in Hannover zur Reizfigur geworden. Er verließ das abgestiegene 96 von fünf Jahren nach Leicester, kehrte vor zwei Jahren zurück.

Aber er hatte kein gutes Standing unter Trainer Kenan Kocak. Dem Höchstverdiener wurde sogar vorgerechnet, wie viel Punkte seine Fehler gekostet hatten. Er wirkte verunsichert, die Fragen nach seinen Schwächen bei Elfmetern und Freistößen nervten. 96 holte Michael Esser zurück – und er musste die Stadt verlassen, in der er eigentlich heimisch werden wollte.


Sebastian Ernst auf den Spuren von Huszti, Zieler und Co.: Die "verlorenen Söhne" von Hannover 96

<b>Sebastian Ernst:</b> Das Eigengewächs, von 2006 bis 2016 bei 96 ausgebildet, stand unter Tayfun Korkut bereits ein paar mal im Profikader, als eine Syndesmosebandverletzung den Spielmacher zurückwarf. Korkuts Nachfolger Michael Frontzeck schickte Ernst zurück zu den Amateuren, es folgte der Wechsel nach Magdeburg in die 3. Liga. Zur Galerie
Sebastian Ernst: Das Eigengewächs, von 2006 bis 2016 bei 96 ausgebildet, stand unter Tayfun Korkut bereits ein paar mal im Profikader, als eine Syndesmosebandverletzung den Spielmacher zurückwarf. Korkuts Nachfolger Michael Frontzeck schickte Ernst zurück zu den Amateuren, es folgte der Wechsel nach Magdeburg in die 3. Liga. ©

Nach einem Jahr als geliehene Nummer zwei in seiner Geburtsstadt Köln musste er zurück zu 96. Der neue Trainer Jan Zimmermann und Manager Mann gaben ihm aber das Gefühl, eine Chance zu bekommen. Nun packen ihn die positiven Emotionen und Bewertungen. Zimmermann lobt seine „stabilen Leistungen, nicht nur gegen St. Pauli“. „Er macht einen herausragenden Eindruck“, findet Mann. „Er strahlt viel Ruhe aus, nicht nur auf dem Platz.“

Diese Sätze hat Zieler in Hannover lange nicht gehört. „Das freut uns alle, auch für ihn persönlich, es ist nicht alles rosarot gewesen für ihn“, weiß Mann, der auch bei der Aussprache mit 96-Boss Martin Kind dabei war. Die Initiative war von Kind ausgegangen, der über den Torwart gesagt hatte, 96 hätte ihn 2019 nicht verpflichten dürfen.

Im Duell mit Hansen durchgesetzt

Zuletzt hatte Zieler noch über das „seltsame Gefühl“ gesprochen, nach Hannover zurückzukehren, wo er nicht mehr gewollt war. Aber Mann und Zimmermann hatten ihm den Platz im Tor freigeräumt und Esser nach Bochum abgegeben. Im Duell mit Martin Hansen setzte sich Zieler durch.

„Es war ja nicht einfach für ihn“, weiß Mann. „Er hat gezeigt, dass er eine große Klasse hat. Ein guter Torwart ist unbezahlbar.“ Das wird der Keeper besonders gerne hören, weil es ja mal Zweifel gab, ob der Weltmeister sein Geld wert ist.