31. Oktober 2019 / 14:59 Uhr

96-Keeper Michael Esser im Interview: "Ich freue mich über jedes Spiel, das ich noch machen darf"

96-Keeper Michael Esser im Interview: "Ich freue mich über jedes Spiel, das ich noch machen darf"

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der Konkurrenzkampf mit Ron-Robert Zieler stört das Verhältnis nicht. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt Michael Esser seine Sicht auf den für ihn kuriosen und enttäuschenden Sommer. 
Der Konkurrenzkampf mit Ron-Robert Zieler stört das Verhältnis nicht. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt Michael Esser seine Sicht auf den für ihn kuriosen und enttäuschenden Sommer.  © imago/petrow
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Er ist die Nummer zwei bei Hannover 96 - und das ist für einige nach wie vor nicht verständlich. Nach der Abstiegssaison, in der die Roten mit Michael Esser einen starken Rückhalt hatten, verpflichtete der Verein Ron-Robert Zieler als Nummer eins. Im Interview gibt Esser einen Einblick in seine Gefühlswelt.

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Michael Esser im SPORTBUZZER-Interview: Mit uns hat er über die Enttäuschung über sein Reservistendasein, die Vorfreude auf den ersten Einsatz gegen den SV Sandhausen, (k)eine interne Trainerdiskussion und eine mögliche Vertragsverlängerung gesprochen.

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Michael Esser, Sie müssen gegen Sandhausen ins Tor. Nach dem Transfer von Ron-Robert Zieler und gescheiterten Wechsel im Sommer, wie schätzen Sie Ihre aktuelle Situation ein?

Das Ganze ist im Sommer unglücklich gelaufen. Aber ich glaube, man hat nichts davon, wenn man alles daran aufhängt. Ich war enttäuscht, klar, aber davon kann ich mir nichts mehr kaufen. Ich konnte nicht wechseln, gucke jetzt auf das Spiel, das ich bekomme. Ich freue mich auf die Gelegenheit, mich vor den Fans auszuzeichnen zu dürfen.

Ist die Anspannung anders jetzt?

Ja, man sagt zwar immer, man gibt immer Vollgas, trotzdem ruft man immer ein oder zwei Prozent mehr ab, wenn man spielt. Bis jetzt ist die Woche gut gelaufen.

Ihr Verhältnis zu Zieler soll trotzdem in Ordnung sein. Was haben Sie gedacht, als Sie die Szene in der Nachspielzeit in Karlsruhe gesehen haben?

Wir haben ein gutes Verhältnis, das stimmt. Von der Bank konnte ich es nicht richtig sehen. Ich habe zuerst gedacht, Ron hätte zum Schiedsrichter etwas gesagt. Hinterher habe ich es dann gesehen. Es sah ein bisschen nach Pleiten, Pech und Pannen aus. Wir machen das 3:2, kriegen das 3:3 und dann passiert das auch noch. Ich habe noch gedacht, oh, wahrscheinlich verlieren wir das Spiel, wenn jetzt noch ein Schuss kommt.

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Zieler holt aus ... ©

Haben Sie Josip Elez das nicht zugetraut?

Zutrauen schon, aber so ein Sonntagsschuss kann immer mal reingehen.

Wie sind Sie mit Zieler nachher umgegangen?

Wir haben in der Kabine nicht groß darüber geflachst, aber ein kurzes Schmunzeln gab's da schon. Das ist richtig dumm gelaufen für Ron, aber man sieht ja, dass es keine Absicht war.

Als Torwart mag man nicht so auf Youtube landen, oder?

Genau. Ich schaue mir ungern Torwartfehler von anderen an. Weil ich denke: Oh, der Arme, hoffentlich passiert mir das nicht. Wenn man so was im Kopf hat, unterlaufen einem vielleicht auch eher selbst Fehler.

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Beim VfL Bochum gelang Esser der Durchbruch im Profifußball. Allerdings kam er zu Beginn seiner Bochum-Zeit zunächst bei der zweiten Mannschaft zum Einsatz. ©

Wie ist es, wenn Sie Zieler von der Bank aus zugucken müssen?

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Natürlich ist das nicht zufriedenstellend. Ich möchte einfach eine gute Leistung bringen, und dann muss der Trainer entscheiden, was er weiterhin macht.

Können Sie sich durch eine starke Leistung gegen Sandhausen zur Nummer eins machen?

Ich persönlich glaube nicht daran. Ich müsste schon vier Elfmeter halten, damit es da zum Grübeln kommt. Der Trainer hat im Sommer die Hierarchie klargemacht. Das wird sich durch ein Spiel nicht ändern.

Für wen wollen Sie gegen Sandhausen die Null halten?

Ganz einfach. Ich habe viele Leute im Verein kennengelernt, für die es sich lohnt zu kämpfen. Gerade für die Fans auch. Was die Fans im Abstiegsjahr geleistet haben, davor muss man den Hut ziehen. Gerade denen möchte ich zeigen, dass wir die drei Punkte hierbehalten und ich ein gutes Spiel für sie mache.

Wie schwer fällt es, für den Trainer zu kämpfen, der Sie zur Nummer zwei gemacht hat?

Damit habe ich kein Problem. Das muss ich ausblenden.

Ist es in der Mannschaft ein Thema, dass es für Mirko Slomka eng werden könnte, sollte es mit dem ersten Heimsieg nicht klappen?

Nein. Bei mir nicht. Ich weiß nicht, ob die anderen darüber sprechen. Glaube ich aber nicht.

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Würden Sie nach der Erfahrung in dieser Saison den Platz im Tor noch einmal freiwillig freimachen wie am letzten Bundesligaspieltag für Samuel Radlinger?

Ich würde es immer wieder genauso machen. Aber das ist ja jetzt nicht die Frage. Ich bin jetzt die Nummer zwei und freue mich über jedes Spiel, das ich noch machen darf.

Zieler hat noch vier Jahre Vertrag. Ihr Vertrag läuft nächsten Sommer aus. Wollten Sie nicht mit 96 verlängern?

Der Verein hat so entschieden. Jan Schlaudraff (Sportdirektor) kam zu mir und hat gesagt, dass er die Situation falsch eingeschätzt hat. Aber ich habe es ja schon gesagt: Es bringt nichts, drauf rumzureiten. Ich muss meine Leistung bringen und dann sehen, was im Winter oder Sommer passiert.

Denken Sie schon an den Winter und die Chance, bei einem anderen Verein Nummer eins zu sein? Gibt es Anfragen?

Es gibt ein leichtes Vorfühlen. Aber ich möchte jetzt das Spiel durchbringen. Wer weiß, was im Fußball passiert. Vielleicht heißt es im Winter: 96 will unbedingt mit mir verlängern. Alles schon passiert.

Würden Sie als Nummer zwei verlängern?

Das müsste ich mir überlegen. Tendenziell möchte ich lieber und gerne noch spielen.