17. Oktober 2020 / 12:36 Uhr

Trennung nach neun Jahren: Volkan Bulut wird Co-Trainer bei Dynamo Moskau - ohne Breitenreiter

Trennung nach neun Jahren: Volkan Bulut wird Co-Trainer bei Dynamo Moskau - ohne Breitenreiter

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Seine erste Station im Profifußball ohne André Breitenreiter: Volkan Bulut wird Co-Trainer bei Dynamo Moskau.
Seine erste Station im Profifußball ohne André Breitenreiter: Volkan Bulut wird Co-Trainer bei Dynamo Moskau. © imago/DeFodi/pmk/Nordphoto
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Pokalsensationen, Bundesliga-Aufstiege und Co.: André Breitenreiter und Volkan Bulut feierten als Trainer-Duo viele Erfolge. Nun geht der einstige Co-Trainer von Hannover 96 eine neue Herausforderung an - ohne Breitenreiter.

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Ausfahrt Garbsen. Der erfolgreiche Kaffeeverkäufer Volkan Bulut war noch keine 30 Jahre alt und bog rechtzeitig ab in seinen zweiten Bildungsweg. Der Fußball sollte nun sein Leben prägen. Er coachte Pokalsensationen mit dem TSV Havelse, stieg in die Bundesliga auf mit dem SC Paderborn, trainierte spätere Superstars wie Leroy Sané in Schalke, feierte mit Hannover 96 auf dem Rathausbalkon die Rückkehr in die Bundesliga.

Immer an der Seite von Breitenreiter

Diesen steilen Karriereaufstieg ging Volkan Bulut nie allein, sondern immer an der Seite von André Breitenreiter. Ohne Breitenreiter kein Bulut, und ohne Bulut kein Breitenreiter. Am Dienstag verlässt der 38-Jährige aber seine gewohnte Umgebung: Er steigt ins Flugzeug nach Moskau, wagt dort das Abenteuer Dynamo, ohne Breitenreiter.

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Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. Zur Galerie
Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. © imago/

"Er hat mir Türen geöffnet"

„Neun Jahre, eine sehr erfolgreiche Zeit“, erinnert sich Bulut dankbar. „Ich habe von Andrés Fachkompetenz sehr profitiert, unsere Mannschaften hatten immer einen Plan und eine Struktur. Ich weiß, was ich André zu verdanken habe. Er hat mir Türen geöffnet.“

Schwarz wird Buluts Cheftrainer

Auf der anderen Seite lobte Breitenreiter stets Buluts Loyalität und dessen Fachkompetenz. Den Titel „Fußballlehrer“, die höchste Etage der Trainerausbildung, trägt Bulut seit drei Jahren. Den nächsten Eingang nimmt er nun ohne seinen Türöffner. Der Familienvater heuert als Co-Trainer bei Dynamo Moskau an und wechselt zum ersten Mal seinen Boss. Der frühere Mainz-Coach Sandro Schwarz wird Buluts Cheftrainer. Hannovers Trainertraumpaar geht getrennte Wege.

"Große Chance"

Bulut beschreibt es nicht als Trennung, er spricht von einer „Chance, die ich ergriffen habe, nach neun Jahren noch mal etwas anderes zu machen. Ich habe das André gegenüber immer offen und ehrlich kommuniziert“. Die Entscheidung, Co-Trainer von Schwarz zu werden, steht bereits seit Monaten. Nun ergab sich das Angebot aus Moskau: „Ehrlich, da musste ich auch erst mal schlucken. Aber ich bin weltoffen. Und es war schnell klar, was für eine große Chance das ist.“

Alte Bekannte in Moskau

Bei Dynamo trifft der 38-Jährige seinen ehemaligen Schalker Spieler Roman Neustädter wieder. Und Konstantin Rausch. „Kocka ist ein Hannoveraner wie ich, wir haben uns bereits intensiv ausgetauscht“, sagt Bulut. Zweiter Co-Trainer wird der frühere ukrainische Nationalstürmer Andrij Vo­ronin, der als Spieler vier Jahre bei Dynamo unter Vertrag stand. „Das wird uns alles sehr helfen“, sagt Bulut.

„Vielleicht irgendwann“, sagt Bulut, wolle er mal Cheftrainer einer Profimannschaft werden: „Aber wenn das mein Hauptziel wäre, würde ich das jetzt nicht machen.“ Zu tun gibt es eine Menge für Cheftrainer Schwarz und Co-Trainer Bulut. Dynamo steht aktuell auf Tabellenplatz sechs, unterhalb des Europa-Strichs. „Aber es sind nur vier Punkte nach oben“, sagt Bulut, der die vergangenen Tage damit verbrachte, „mir Videos von den Spielen anzuschauen“.

Er und Schwarz wollen der Mannschaft nun „eine Struktur und einen Plan geben“, um sportlich in die Phalanx der reichen St. Petersburg (170 Millionen Euro Marktwert) oder ZSKA Moskau (130 Millionen) zu stoßen. Der Marktwert der Dynamo-Mannschaft liegt bei 50 Millionen Euro. Das entspricht in etwa dem Marktwert des Bundesliga-Aufsteigers Arminia Bielefeld.

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Über anderthalb Jahre kein Job

Über anderthalb Jahre, nach dem Aus bei 96 Ende Januar 2019, war Bulut ohne Job. Auf Hannovers Fußballplätzen blieb er präsent. Sein Bruder Sevkan betreute Bezirksligist Can Mozaik. Er trainierte selbst beim TuS Altwarmbüchen die U6, wo sein Sohn Tayan spielt.

Tayan lernte den Papa bereits in einer Rolle kennen, in der ihn bisher kaum jemand kennt: als Cheftrainer.