20. April 2021 / 07:40 Uhr

Kocak behält vorerst seinen Job - doch 96 verliert Zeit in der Zukunftsplanung

Kocak behält vorerst seinen Job - doch 96 verliert Zeit in der Zukunftsplanung

Dirk Tietenberg und Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Martin Kind schiebt Planungen für die neue Saison aktuell den Riegel vor - zu unsicher ist der Verbleib von Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber.
Martin Kind schiebt Planungen für die neue Saison aktuell den Riegel vor - zu unsicher ist der Verbleib von Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber. © Florian Petrow
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Dass Hannover 96 für die 2. Liga planen kann, steht seit knapp zwei Monaten fest. Passiert ist seitdem wenig, denn Kenan Kocak und Gerhard Zuber haben nicht mehr das uneingeschränkte Vertrauen von Profichef Martin Kind. Transfergespräche liegen auf Eis, die Zeit läuft 96 davon.

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Die Enttäuschung ließ sich nach dem 3:4 in der Nachspielzeit in Bochum an der Miene des 96-Trainers ablesen. Allerdings hatte Kenan Kocak in dem Ruhrfestspiel zwar die Partie, aber weder sein Gesicht noch seinen Job verloren. Was 96 aktuell tatsächlich verliert, ist Zeit. Und die ist kostbarer als ein verlorenes Pünktchen in Bochum.

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Es wird viel gesprochen in der Chefetage, aber nichts mehr geplant. Dabei steht spätestens seit dem 2:3 in Düsseldorf im Februar fest, dass Hannover erneut für die 2. Liga vorarbeiten kann. Sebastian Ernst wurde aus Fürth geholt, alles schien gut. Aktuell sind die Transfergespräche auf Eis gelegt, weil das Vertrauen in Kocak und Manager Gerhard Zuber erloschen ist nach zu vielen Enttäuschungen – acht sieglose Spiele sind es mittlerweile, mit drei Niederlagen in Folge.

Die Stimmen zum 96-Auswärtsspiel beim VfL Bochum:

<b>96-Torschütze Philipp Ochs:</b> Im Moment habe ich keine Worte dafür. Aber es ist halt oft im Fußball so, dass man einen draufkriegt. Das wichtigste ist, dann wieder aufzustehen und weiter Gas zu geben. Wir haben jetzt noch wichtige Spiele vor uns in den nächsten Wochen und da geben wir Vollgas.  Zur Galerie
96-Torschütze Philipp Ochs: "Im Moment habe ich keine Worte dafür. Aber es ist halt oft im Fußball so, dass man einen draufkriegt. Das wichtigste ist, dann wieder aufzustehen und weiter Gas zu geben. Wir haben jetzt noch wichtige Spiele vor uns in den nächsten Wochen und da geben wir Vollgas."  ©

Neuer Chefgipfel mit Kocak, Zuber und Kind

Am Donnerstag folgt der nächste Chefgipfel mit Kind, mit Zuber, mit Kocak. Die einzige Neuigkeit dann wird sein, ob 96 gegen Regensburg (Mittwoch, 18.30 Uhr) gewonnen, verloren oder remis gespielt hat. Ob das Klima entspannter wird, ist nicht klar. Lange wird 96 diese Eiszeit nicht durchstehen.

Am Montag bestätigte Kocak ein Treffen mit Boss Martin Kind am vergangenen Freitag vor dem Bochum-Spiel. Kocaks Berater Slaven Stanic hatte mitgesprochen. Ob es um neue Forderungen ging? Oder Vorgespräche für eine Vertragsauflösung des Trainers? Kocak wurde nicht konkret. „Ein allgemeiner Austausch“, sagte er. „Das war schon lange vereinbart.“

Kind-Lob bedeutet keine Jobgarantie

Es entscheidet aktuell nur der Boss. Martin Kind teilte am Montag über die Klubkanäle mit, das Spiel in Bochum mache „trotz der unglücklichen Niederlage Hoffnung“. Kind lobte zu Recht den „Kampfgeist“ der Mannschaft, sparte aber Kritik an der katastrophalen Chancenverwertung und am schlampigen Defensivverhalten aus.

Die sportliche Situation mit acht Spielen ohne Sieg sei dennoch „unzufriedenstellend“. Das liest sich nicht wie eine Jobgarantie für Kocak oder Zuber, zumal keiner von beiden in der Mitteilung namentlich erwähnt ist. Kein Vertrauensvorschuss diesmal. Warum auch? 96 ist Vorletzter der Rückrundentabelle und gewann neben dem Derby nur gegen eine Mannschaft: Osnabrück, Schlusslicht der Rückrundentabelle.

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"Da steht man manchmal und schüttelt den Kopf"

Kocak stand am Montag öffentlich Rede und Antwort, während seine Pechvögel ausradelten. Er habe vor dem Bochum-Spiel „keine Befürchtungen gehabt“, er könne seinen Job verlieren. Darüber mache sich Kocak „keine Gedanken“. Über seine Spieler mache er sich nach dem 3:4 „sehr gute Gedanken, die Mannschaft hätte einen Sieg verdient gehabt“, sagte er.

Er habe in seiner Karriere nie ein Team wie dieses erlebt. „Es ist schon eine besondere Saison, in der sich eine Mannschaft in vielen Spielen nicht belohnt hat“, sagte er. „Da steht man manchmal da und schüttelt den Kopf: Wie kann man so ein Spiel nicht gewinnen?“

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Nur mit Haraguchi und Hübers wird verhandelt

Wie häufiger in den vergangenen Jahren sind bei 96 viele schwierigere Fragen offen. Die einzigen Vertragsgespräche, die aktuell geführt werden, betreffen Genki Haraguchi und Timo Hübers. Beide haben auslaufende Arbeitsverträge und sollen gehalten werden.

Für die beiden Leistungsträger und für potenzielle neue Spieler gilt das Gleiche: Sie müssten sich einlassen auf eine 96-Zukunft, von der noch nicht klar ist, wer sie als Trainer oder Manager prägen soll. Das wäre eine wichtige Information für die Transfergespräche.