21. November 2019 / 08:17 Uhr

96-Trainer Kocak: "Bin jetzt bei einem Traditionsverein mit einer geilen Fankultur"

96-Trainer Kocak: "Bin jetzt bei einem Traditionsverein mit einer geilen Fankultur"

Jonas Szemkus und Andreas Willeke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
96-Trainer Kenan Kocak beim SPORTBUZZER-Interview.
96-Trainer Kenan Kocak beim SPORTBUZZER-Interview. © Petrow
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Seit einer Woche ist Kenan Kocak neuer Trainer bei Hannover 96. Im Training nahm er seine Mannschaft schon richtig ran. Im ersten Teil des großen SPORTBUZZER-Interviews spricht der 38-Jährige über seine Karriere, Werte im Fußball und über seine ersten Eindrücke in Hannover.

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Kenan Kocak, Sie sind für viele Leute in Hannover ein unbeschriebenes Blatt. Was möchten Sie denn als erstes darauf schreiben?

Für mich ist es schwierig, mich selbst zu beschreiben und zu sagen, so bin ich, so ticke ich. Ich bin so aufgewachsen, dass ich für Werte stehe, die ich unabhängig vom Beruf ausleben will und ins Berufsleben übertragen kann.

Welche Werte sind das?

Zum Beispiel Ehrlichkeit, das kann man insofern übertragen, dass wir einen ehrlichen Fußball spielen und ehrliche Arbeit ableisten wollen. Diese Werte kann man nicht herbei reden, die muss man leben und vorleben. Bescheidenheit und Demut sollten wir auch alle haben in unserem privilegierten Beruf. Sehr viele Leute haben einen deutlich härteren Job, in dem sie deutlich weniger verdienen. Dementsprechend sollten wir Fußballer versuchen, jeden Tag das Beste aus uns herauszuholen.

Ungewöhnlich für einen Profifußballtrainer ist, dass Sie mal als Sozialarbeiter angestellt waren. Was haben Sie dabei gelernt?

Das war ein Projekt der Stadt Mannheim mit 20 bis 30 schwer erziehbaren Jugendlichen, bei dem es darum ging, die Jungs und Mädchen in die Berufswelt zu integrieren. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht, da ging’s darum, Vertrauen aufzubauen, um dann die Probleme angehen zu können. Die Erfolgsquote war auch sehr hoch.

Die Bilder zum ersten Training von Kenan Kocak bei Hannover 96 (15. November 2019):

Kenan Kocak macht sich gemeinsam mit Torwart-Trainer Jörg Sievers auf den Weg zu seinem ersten 96-Training. Zur Galerie
Kenan Kocak macht sich gemeinsam mit Torwart-Trainer Jörg Sievers auf den Weg zu seinem ersten 96-Training. ©
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Lässt sich Ihre Sozialarbeit auf eine schwer erziehbare 96-Mannschaft übertragen?

Ich habe bis jetzt nicht den Eindruck, dass ich schwer erziehbare Charaktere in der Mannschaft habe. Im Gegenteil, ich bin sehr überrascht von der Offenheit und dem Engagement der Spieler. Das stimmt mich positiv. Es geht darum, den Weg zum Menschen zu finden, und daraus dann neue Wege einzuleiten. Beim Fußball ist es genauso. Wenn ein Trainer behauptet, alle Spieler sind gleich, dann ist das falsch. Denn jeder Spieler tickt anders und hat seinen eigenen Charakter. Einen musst du vielleicht etwas auf Abstand halten, den anderen mehr pflegen, den anderen in Ruhe lassen. Es ist die Aufgabe eines Trainer, herauszufinden, wie tickt mein Spieler. Dann kann ich mit meinen Spielern auch über Inhalte sprechen.

Können Sie die 96-Profis schon einschätzen?

Ein bisschen schon, auch wenn wir erst wenige Tage zusammen verbracht haben. Mir macht es Spaß, die Spieler auch mit ihrer Persönlichkeit kennenzulernen. Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.

Hier geht es zu Teil 2 des großen SPORTBUZZER-Interviews mit 96-Trainer Kenan Kocak.

Sie sind ja hier, weil es Defizite gibt ...

... sonst wäre Hannover 96 auch nicht in der zweiten Liga.

Wo haben Sie Ansatzpunkte zur Veränderung lokalisiert?

Wir müssen mit Hannover 96 eine DNA entwickeln, für die wir stehen. An dieser Linie müssen arbeiten.

Ob nun von einer Philosophie oder DNA die Rede war – das hat nun schon ziemlich jeder Trainer angekündigt, der bei 96 zuletzt angefangen hat. Warum wird es mit Ihnen auch gelingen?

Ich maße mir nicht an zu beurteilen, was andere Trainer vor mir gesagt oder getan haben. Ich kann nur sagen: Ich gebe jeden Tag mein Bestes und versuche mit der Mannschaft einen Fußball zu entwickeln, mit dem wir uns – damit meine ich Mannschaft, Trainer, Fans und den ganzen Verein – identifizieren können. Wir wollen leidenschaftlich sein, Herzblut zeigen, ehrlich, engagiert, mutig, frech, offen für die Menschen und fürs Miteinander sein. Wir wollen nahbar sein. Dazu brauchen wir alle, vom Zeugwart bis zur Putzfrau.

Das meinen die Fans zum neuen 96-Trainer Kenan Kocak

Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. Zur Galerie
Fan-Meinung zur Verpflichtung von Kenan Kocak als 96-Trainer. ©

Ist der Aufstieg noch ein Thema, welchen Platz wollen Sie erreichen?

Wir tun aktuell gut daran, gar nicht so weit nach vorne zu schauen und auch nicht über irgendwelche Platzierungen zu sprechen. Es ist momentan eine sportlich schwierige Situation, in der es vor allem um Stabilisierung geht. Und ich bin optimistisch, dass wir das alle zusammen schaffen. Die tägliche Arbeit ist die Basis fürs Gesamtprodukt. Ich konzentriere und fokussiere mich auf die jetzige Arbeit und nichts anderes.

Wie wichtig sind für Sie Hierarchien und Spieler, die vorangehen?

Grundsätzlich sind im Fußball die Hierarchien flacher geworden. Die Spieler wissen mehr und wollen auch mehr erfahren. Social Media und das Drumherum ist wichtiger geworden. Ich bin ein Verfechter davon, dass die Mannschaft Struktur und Klarheit braucht. Diese Klarheit wollen wir schaffen.

Was haben Sie in dem Jahr seit der Entlassung in Sandhausen gemacht – außer Pep Guardiola und Jupp Heynckes zu besuchen?

Ich habe nicht nur die beiden besucht, sondern auch Joachim Löw in Freiburg und Diego Simeone in Madrid und habe mich mit ihnen ausgetauscht. Ich habe Führungsseminare besucht, mir Spiele vor allem auf dem englischen Markt angeschaut. Ich habe versucht, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Ich war ohne Job mehr unterwegs als im Job (lacht). Ich bin kein Typ fürs Sofa.

Das sind die Trainer von Hannover 96 seit dem Aufstieg 2001

Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. Zur Galerie
Am 14. November bestätigte Hannover 96 Kenan Kocak als Nachfolger von Mirko Slomka. © imago/

Was nimmt man von solch Trainerpersönlichkeiten wie Guardiola mit?

Da geht es weniger um Trainingsinhalte, sondern darum, wie man mit bestimmten Situationen umgeht, welche Erfahrungen sie da gemacht haben und welchen Tipp ich mitnehmen kann. Da geht es auch nicht immer nur um Fußball.

Hier geht es zu Teil 2 des großen SPORTBUZZER-Interviews mit 96-Trainer Kenan Kocak.

Was ist für Sie in der Ansprache der Spieler wichtig?

Klarheit, Offenheit, Ehrlichkeit und Authentizität. Die Spieler sollen sein, wie sie sind. Nicht wie ich es gern hätte. Ich bin ja auch, wie ich bin. Es geht nur miteinander, das müssen die Spieler wissen.

Es werden auch harte Worte fallen?

Inkonsequenz ist nicht mein Ding, ich bin für Direktheit. Momentan habe ich aber noch keinen Grund für harte Worte gehabt. Grundsätzlich gilt - ich bin hier der Trainer, ich habe die Verantwortung. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es auch direkt ins Gesicht.

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Haben Sie die Umstellung vom kleinen Sandhausen in die zumindest vom Anspruch her größere Fußballwelt in Hannover geschafft?

In Sandhausen spielt man auch auf zwei Tore (lacht). Wir haben mit Sandhausen gegen 96 auch zweimal nicht verloren. Als Trainer ist es überhaupt keine Umstellung. Meine Philosophien auf dem Platz sind deckungsgleich. Die Umstellung ist nur, dass ich jetzt bei einem Traditionsverein mit einer geilen Fankultur bin. Darauf habe ich richtig Bock. Deswegen bin ich hier.

Die Wahrnehmung von 96 ist aber anders als die in Sandhausen. Es könnte für Sie ein Sprungbrett ins größere Geschäft werden?

Ich hatte im Laufe des letzten Jahres genug Optionen und Angebote, auch von Traditionsvereinen. Ich sage aber nur zu, wenn ich von etwas überzeugt bin. Ich habe im Leben nie etwas geschenkt bekommen, ich habe mir alles hart erarbeitet. Mir ist nicht bange vor der Aufgabe hier. Im Gegenteil. Ich habe riesige Lust auf Hannover und 96.

Hier geht es zu Teil 2 des großen SPORTBUZZER-Interviews mit 96-Trainer Kenan Kocak.

Die Vertragslaufzeiten der Spieler von Hannover 96

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Hendrik Weydandt (im Team seit 2018): Vertrag läuft zum Saisonende aus ©
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