24. November 2020 / 11:56 Uhr

Ausnahmen Esser, Hult & Kaiser: Enttäuschter 96-Coach Kocak streicht Stammplätze

Ausnahmen Esser, Hult & Kaiser: Enttäuschter 96-Coach Kocak streicht Stammplätze

Dirk Tietenberg und Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ist schwer enttäuscht von der Leistung in Würzburg: 96-Trainer Kenan Kocak.
Ist schwer enttäuscht von der Leistung in Würzburg: 96-Trainer Kenan Kocak. © imago images/Sven Simon
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Die schwache Leistung und die Niederlage in Würzburg haben Folgen: Kenan Kocak faltete die Profis von Hannover 96 bei der Besprechung am Montag zusammen - und hat die Stammplätze gestrichen. Bis auf Michael Esser, Niklas Hult und Kapitän Dominik Kaiser ist jetzt kein Spieler mehr gesetzt. 

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Geisterspiele haben auch etwas Gutes, vor allem für die Fans, die Hannover 96 ansonsten auf Auswärtsfahrten begleiten. Sie verderben sich nicht den Sonntag durch stundenlanges Herumreisen in der Republik, um dann unterirdische Leistungen ihrer Mannschaft geboten zu bekommen. 96-Chef Martin Kind hat sich die doppelte Tortur nach und in Würzburg allerdings angetan. Enttäuschung und Ärger waren ihm dabei ins Gesicht geschrieben, das war selbst hinter der Maske zu erkennen.

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Diese Mannschaft – wie man jetzt sieht fehlerhaft zusammengestellt um aufzusteigen – ist dabei, alle Hoffnungen zu zerstören. Furchtbarer Fußball und Auswärtspleiten in Serie ergeben Tabellenplatz elf mit Tendenz nach unten.

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Die Reaktion von Kenan Kocak am Montag war heftig. So laut wie noch nie und so sauer wie nie faltete er die Spieler zusammen. Der Trainer prangerte in der Kabine die Charakter- und Mentalitätsprobleme der Mannschaft an.

Die zweite Halbzeit in Würzburg hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Zum wiederholten Mal mangelte es an Einsatzwillen. Im Interview mit dem SPORTBUZZER hatte er jüngst erklärt: „Ich mag keine Spieler, die meinen, weil sie bei 96 sind, sind sie was Besonderes.“ Dieses divenhafte Verhalten hat er bei einigen Profis ausgemacht. Bis auf Torwart Michael Esser, Kapitän Dominik Kaiser und Niklas Hult gibt es keine Stammplätze mehr – alle anderen Positionen sind offen. Der Kredit ist aufgebraucht, Kocak war zu geduldig mit einigen Profis.


Zuber spricht von einer Momentaufnahme

Nimmt man die beiden offensiven Außen, Patrick Twumasi und Kingsley Schindler, dann kann man feststellen: Mit Leichtmatrosen wird das rote 96-Boot nicht weit kommen. Ein paar Drehungen, ein bisschen Zirkus reichen nicht aus, um sich in Liga zwei durchzukämpfen. Kocak, der Twumasi nicht verpflichten wollte, muss mit ihm klarkommen. Genki Haraguchi bewegt sich im selben Fahrwasser, er ist ein Schatten des Spielers aus der Vorsaison.

Muss 96 das Ziel nach ganz unten korrigieren? Vom Aufstieg mag Kind sowieso nicht mehr sprechen. Wer beim Letzten verliert, der nur einen Punkt aus sieben Spielen geholt, die wenigsten Tore geschossen und die meisten kassiert hat – der ist nicht konkurrenzfähig. „Es ist nur eine Momentaufnahme“, meinte Sportchef Gerhard Zuber. Dann ist es aber gerade kein guter Moment mit nur einem Punkt aus den letzten drei Spielen. Vor allem in der Defensive greifen die notwendigen Mechanismen nicht.

Bilder vom Spiel der 2. Bundesliga zwischen den Würzburger Kickers und Hannover 96

Torhüter Michael Esser hat den Ball im ersten Versuch nicht richtig zu fassen bekommen. Zur Galerie
Torhüter Michael Esser hat den Ball im ersten Versuch nicht richtig zu fassen bekommen. ©

Was nun? Die Gegner werden stärker. Als Nächstes kommt Kiel, dann geht’s auswärts zum HSV und nach Heidenheim. Kocak muss es bis dahin schaffen, Spieler zu finden, die wirklich für 96 kämpfen und spielen wollen.