10. März 2022 / 14:10 Uhr

Lizenz-Ärger: DFB bildet 96-Trainertalent Lars Fuchs nicht aus

Lizenz-Ärger: DFB bildet 96-Trainertalent Lars Fuchs nicht aus

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Will die Profilizenz machen: Trainer Lars Fuchs von Hannover 96.
Will die Profilizenz machen: Trainer Lars Fuchs von Hannover 96. © Debbie Jayne Kinsey
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Schöne, neue Trainerausbildung beim Deutschen Fußball-Bund: Lars Fuchs (39) bestand die Prüfung, auch Manager Marcus Mann machte sich für den Trainer der U23 von Hannover 96 stark, aber der DFB lehnt ab. Die Voraussetzungen haben sich geändert.

Lars Fuchs kommt gerade von der Arbeit nach Hause. Es ist kurz vor 20 Uhr. Der 39-Jährige hat einen Fulltimejob bei der Regionalligamannschaft von Hannover 96. Seit sechs Jahren trainiert Fuchs Talente auf höchstem Niveau: die U17 in Magdeburg, die U17 in Hannover in der Bundesliga, nun die U23. Fuchs verdiente früher sein Geld als Profi, als Stürmer in Braunschweig, Osnabrück, Magdeburg und Hannover. Der „Fuchser“ stürmte 60-mal in der 2. Liga, schoss von der Regionalliga aufwärts über 100 Tore in fünfeinhalb Jahren als Profi. „Das reicht leider nicht“, sagt Fuchs. Der Deutsche Fußball Bund lehnte seine Bewerbung für eine der 16 Stellen des neuen Fußballlehrer-Jahrgangs ab, obwohl Fuchs sich bei der Aufnahmeprüfung qualifizierte.

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Dadurch entstehen auch 96 Probleme. Talentechef Michael Tarnat rechnet damit, dass 96 von der Ausbildungs-Kategorie 1 heruntergestuft wird. In Stephan Schmidt ist nämlich aktuell nur ein Trainer im Dienst (U19), der die höchste Trainerlizenz besitzt. Fuchs und Steven Turek (U17) besitzen die zweithöchste Lizenzierung (A-Lizenz), Christian Schulz macht gerade die A-Lizenz. Aber die Neuordnung der Lizenzen machen es 96 kurzfristig und mittelfristig unmöglich, talentierten Trainern die höchste Ausbildungsstufe zu gewährleisten. „Die Nagelsmänner oder Tedescos wird es dann vielleicht in Zukunft nicht mehr geben“, vermutet Tarnat. Vier Jahre müssen Fuchs und Turek (31) mindestens eine U19-Bundesligamannschaft oder ein Regionalligateam trainiert haben. „Wenn ich das hinter mir habe, bin ich kein junger Trainer mehr“, weiß Fuchs.

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Fuchs ist kein Nagelsmann und kein Tedesco. Er war Profi. „Aber ich hätte es sieben Jahre sein müssen, aber leider ist die damals drittklassige Regionalliga in meiner Zeit zur 4. Liga geworden, deshalb komme ich nur auf 5,5 Jahre“, erzählt er. Eine längere Profizeit hätte die Wartezeit verkürzt. Seine Erfahrung in der U17-Bundesliga zählt nicht. Vor kurzer Zeit hätten die Voraussetzungen noch genügt. 

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„Ausbildung wird besser“

Der DFB stellte seine Lizenzierung um: Der „Fußballlehrer“ heißt jetzt „Pro Lizenz“. Und nicht allein der Name ändert sich, auch die Voraussetzungen und die Kosten. Allein die Kosten für A-Lizenz steigerten sich von 6000 Euro auf 9000 Euro. Fuchs lobt den DFB allerdings wegen der Umstellungen. „Grundsätzlich wird die Ausbildung viel besser, die Umstellung war nötig.“ Aber dass er nun mindestens drei weitere Jahre warten muss, bis er die höchste Lizenz bekommt, das trifft ihn dann doch. „Es geht da auch um meine Karriere, wer soll von uns noch den Fußballlehrer machen?“ fragt er. 

96 könnte Fuchs nun fallen lassen. Was will der Klub mit einem Trainer der Reserve, der die erste Mannschaft im Notfall nicht übernehmen könnte? Aber das Gegenteil ist der Fall. „Wir unterstützen ihn, zu Not verzichten wir auf die höchste Kategorie“, sagt Tarnat. Sogar Profi-Manager Marcus Mann hatte dem DFB ein Empfehlungsschreiben für Fuchs geschickt. Aber der DFB lässt 96 hängen, bildet dafür drei Bewerber aus dem eigenen Verband aus, die keine Klubmannschaft trainieren – oder mehrere Bewerber eines Klubs. Bei nur 16 Teilnehmern pro Jahr aus einem Pool von 130 Bewerbern und dieser Auswahl wird in Zukunft wohl tatsächlich weniger Nagelsmänner geben. Fuchs rechnet auch damit, dass sich jedes Jahr weniger Trainer für die „Pro Lizenz“ bewerben, weil die Erfolgsaussichten so gering sind.

Polomka hat „Glück im Unglück“

Auch Martin Polomka (A-Lizenz), bis Dezember noch Trainer beim HSC in der List, möchte gern die höchste Trainerstufe erreichen. Bei der Neuordnung „habe ich Glück im Unglück“, sagt er. „Das passt in meine Planung.“ Und so sieht sein Plan aus: Er hospitiert aktuell in der 96-Akademie, zuletzt bei Fuchs, und schaut sich anschließend das NLZ in Bremen an. Frühestens im Sommer würde er gerne wieder eine Mannschaft in der Regionalliga übernehmen, „aber nicht mit der Voraussetzung, sofort den Fußballlehrer zu machen, ich möchte mich auf diese eine Mannschaft fokussieren“. Zweieinhalb Jahre trainierte ein Regionalliga-Team, weitere anderthalb Jahre, und er hätte die Voraussetzungen für die neue Pro Lizenz erfüllt.

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Fuchs trainiert nun weiter die U23 von Hannover 96 in der Regionalliga und hofft auf eine Verkürzung seiner Wartezeit. „Es ist schade, aber mir geht’s gut, ich bin froh und ich habe einen coolen Job.“ Und er hat einen Arbeitgeber, der cool genug ist, auf ein Trainertalent zu setzen, das der DFB (vorerst) ablehnt.        

Welche Lizenz? Kosten und Nutzen

C-Lizenz: ​Mannschaften auf Kreisebene, Kinder- und Jugendfußball. Ausbildung bei den Landesverbänden (NFV in Niedersachsen). Zeitaufwand: 120 Lerneinheiten inklusive Prüfung. Kosten: je nach Kursform (Online/Präsenz/Verpflegung) bis zu 500 Euro.  

B-Lizenz: Männer bis zur Oberliga, Frauen bis zur Regionalliga, alle Jugendteams außer Bundesliga, DFB-Stützpunkttrainer. Ausbildung bei den Landesverbänden. Zeitaufwand: 120 Lerneinheiten inklusive Prüfung. Kosten: 930 Euro inklusive Übernachtung und Verpflegung.      

B+-Lizenz: ​Wie B-Lizenz plus Cheftrainer einer B-Junioren-Bundesligamannschaft, Honorartrainer bei Verbänden. Ausbildung ab B+ beim DFB. Zeitaufwand: 160 Lerneinheiten. Kosten: 3900 Euro inklusive Unterkunft und Verpflegung. 

A-Lizenz: ​Männer Regionalliga, Frauen Bundesliga, A-Junioren-Bundesliga. Lernaufwand: 360 Lerneinheiten. Kosten: 9000 Euro inklusive Unterkunft.    

A+-Lizenz: ​Wie A-Lizenz. Fortführung der B+ Lizenz mit Schwerpunkt Jugend (A-Lizenz nicht erforderlich). Zeitaufwand: 540 Lerneinheiten. Kosten: 16.500 Euro inklusive Unterkunft. 

Pro-Lizenz: ​Alle Profimannschaften. Zeitaufwand: 700 Lerneinheiten. Kosten 19.000 Euro, dazu kommen Kosten für Unterkunft und Verpflegung (etwa 6000 Euro).