13. Oktober 2021 / 07:06 Uhr

"Werde nie die Ruhe verlieren": Trainer-Versprechen an 96-Stürmer Weydandt

"Werde nie die Ruhe verlieren": Trainer-Versprechen an 96-Stürmer Weydandt

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Für 96-Stürmer Hendrik Weydandt (rechts) läuft's derzeit nicht. Trainer Jan Zimmermann bleibt aber geduldig und entspannt.
Für 96-Stürmer Hendrik Weydandt (rechts) läuft's derzeit nicht. Trainer Jan Zimmermann bleibt aber geduldig und entspannt. © Florian Petrow
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Hendrik Weydandt kommt bei 96 derzeit nicht über die Jokerrolle hinaus - bestenfalls. Coach Jan Zimmermann bleibt aber geduldig und verspricht: "Ich werde bei ihm nie die Ruhe verlieren." Der Stürmer befindet sich am kritischen Knackpunkt seiner Karriere, aber: "Er hat es ja nicht verlernt."

Welcher Spieler ist eigentlich das aktuelle Gesicht von Hannover 96? Wo ist der Typ, der Liebling: Früher gab es Jan Simak, Robert Enke, Didier Ya Konan, Steven Cherundolo, Altin Lala, Salif Sané oder Lars Stindl. Nun hat 96 zumindest herausgefunden, wer aktuell die größte Nummer ist im Team von Trainer Jan Zimmermann. Die Nummer 9, das Trikot mit der Torjägerzahl von Hendrik Weydandt, hat sich am besten verkauft.

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Für den Fan ist Weydandt also das Gesicht bei 96, obwohl er seit vielen Monaten außer Form ist. „Es gibt schon eine große Identifikation mit ihm, und das macht es für ihn ja auch nicht leichter“, vermutet Zimmermann. Der Fußballlehrer, der Weydandt in Egestorf zum Regionalligastürmer machte und schließlich dessen Märchengeschichte aus der Kreis- in die Bundesliga mitschrieb, lässt Weydandt nicht fallen.

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Zimmermann gibt ein menschliches Versprechen ab: „Eins ist klar: Ich werde bei Henne nie die Ruhe verlieren und ihm jede Unterstützung geben, die er braucht.“ Diese Formulierung ist ungewöhnlich im Profigeschäft. Die Bindung zwischen Trainer und Stürmer ist seit eh und je eng. Aber nicht so eng, dass nicht auch Zimmermann erkannt hat, dass sich Weydandt am kritischen Knackpunkt seiner Karriere befindet.

Sechs Bundesligatore und 13 Zweitligatore in drei Saisons, dazu Treffer im Derby. Nicht übel für einen, der nie ein Nachwuchsleistungszentrum von innen gesehen hat. Aber nun ist Lukas Hinterseer im Sturm gesetzt, ein ähnlicher Typ, der neben einer ähnlichen Wucht technisch besser ausgebildet ist. Immerhin hat Weydandt schon einen Treffer erzielt in dieser Saison, Hinterseer noch keinen.

Zimmermann und die Knotenfrage

Weydandt ist nur Joker, wenn überhaupt. Zweimal spielte er von Beginn an – es waren die schlechtesten 96-Spiele beim 0:2 in Dresden und 0:4 in Darmstadt. Beim Stand von 0:0 in Nürnberg und in Überzahl brachte Zimmermann ihn gar nicht – auch der Fußballlehrer weiß, wann sein Lieblingsschüler der Mannschaft helfen kann und wann nicht. Weydandt hat viel mit sich selbst zu tun, gab auch zu, zuweilen zu viel nachzudenken über seine Situation. Nicht einmal der Jokersiegtreffer gegen Heidenheim half ihm aus der Krise.

Zimmermann stolpert über die Frage, warum den Knoten mit diesem wuchtigen 1:0 nicht geplatzt sei bei Weydandt. „Manchmal klappt es, manchmal nicht“, erklärt der Trainer. „Ich habe es ganz selten erlebt, dass so ein Knoten platzt. Man muss immer ein bisschen ziehen, ein bisschen zerren und so langsam geht er auseinander, der Knoten. Auseinanderreißen? Das klappt selten.“ Der Trainer versucht’s nicht mit Gewalt, sondern mit Gefühl – wie ein Papa, der seinem Sohn hilft, einen verknoteten Schnürsenkel am Schuh aufzufädeln.


Hendrik Weydandts Fußballkarriere in Bildern:

Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. Zur Galerie
Hendrik Weydandt (rechts) begann seine Fußballkarriere beim TSV Groß Munzel. ©

Die Fans spüren, dass der Schuh drückt bei Weydandt. Sie meinen es gut, klopfen Weydandt auf die Schulter, beim Test in Havelse spendeten sie Trost, munterten ihn auf. „Natürlich ist das schon cool, wenn man so im Fokus steht, aber es macht einem auf der anderen Seite auch mehr Druck“, weiß Zimmermann. Weydandt habe „tolle Phasen und tolle Erlebnisse gehabt, diese Gefühle sind dann der Maßstab“.

Diesen Anspruch erfüllt Weydandt aktuell nicht. Es wird Zeit brauchen für einen, der es über Jahre aus der Kreisliga über die Oberliga, in die Regionalliga bis in die Bundesliga schaffte. Zimmermann lässt ihm die Zeit im festen Glauben: „Er hat es ja nicht verlernt.“