08. April 2020 / 11:52 Uhr

Schließt sich Hannover 96 weg? Das sind die Szenarien für einen virenfreien Betrieb

Schließt sich Hannover 96 weg? Das sind die Szenarien für einen virenfreien Betrieb

Andreas Willeke und Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
John Guidetti (links) und Genki Haraguchi spielen sich in der verwaisten HDI-Arena die Bälle zu.
John Guidetti (links) und Genki Haraguchi spielen sich in der verwaisten HDI-Arena die Bälle zu. © Florian Petrow
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Training in der abgeschottenen HDI-Arena - in Kleingruppen und im Schichtbetrieb. Das ist der Status quo bei Hannover 96. Allerdings ist das ein fragiler Zustand. Szenarien wie das Wegschließen unter medizinischer Aufsicht in Hotels und eine 15-Mann-Kaderuntergrenze werden diskutiert.

Tag zwei. Das geheime Training bei Hannover 96 bleibt eine Ausnahmesituation. Schichtdienste, Passübungen in Vierergruppen, ins Auto, aufs Fahrrad, in den Bus – und ab nach Hause. Reicht das, damit der Betrieb weiter virenfrei läuft? Am Dienstag schickte Hertha BSC unter anderem den Ex-96er Marius Wolf in Quarantäne. Der Status quo ist brüchig.

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Der SPORTBUZZER geht die Szenarien durch...

Mehr über Hannover 96

... Superstarlösung

Die Mannschaft schließt sich unter medizinischer Aufsicht selbst weg. Die RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“ machte es vor. Der Sender quartierte alle Kandidaten in eine Villa ein. Bei 96 wird die Idee diskutiert, weil es Quartiere gibt. Die Gesellschafter Martin Kind (Kokenhof) und Gregor Baum (Courtyard) besitzen Hotels, Baum sogar direkt neben dem Stadion.

Die Hotels stehen leer, im Courtyard hat schon der AC Mailand genächtigt. Sogar Familienmitglieder könnten mit einziehen. Es wäre der sicherste, aber drastischste Weg. Die britische Premier League verfolgt ihn: Ab 1. Juni soll die Saison dort im Schnellverfahren zu Ende gespielt werden. Die Superstarlösung ist auch eine Superschnelllösung, wird aber bei der DFL aktuell nicht verfolgt – noch nicht.

... Partyverbote

Gerade für die 96-Profis wäre eine erneute Quarantäne – selbst im Luxushotel – eine unangenehme Situation. Deshalb setzen die Verantwortlichen zurzeit darauf, dass die Profis auf sich selbst aufpassen, wenn sie das abgeschottete Stadion nach dem Training verlassen haben. Privatpartys, Sixpack-Picknicks mit Freunden – das sollten die Spieler lassen.

Bilder vom ersten Training von Hannover 96 nach vier Wochen (6. April 2020)

Erstes Training in der HDI-Arena:
 Marvin Bakalorz mit kurzen Haaren. Zur Galerie
Erstes Training in der HDI-Arena: Marvin Bakalorz mit kurzen Haaren. ©

... Disziplinformel

Der Sportliche Leiter Gerhard Zuber ist optimistisch: „Selbstdisziplin ist da ein großes Thema.“ Wer draußen in großen Gruppen feiert, riskiert die Ansteckung der Spielerkollegen. Eine Aktion wie vom Schalker Armine Harit in der Shishabar kostete den Profi viel Bares (100 000 Euro Strafe).


Aber die Folgen für die Mannschaft hätten noch teurer kommen können. „Gerade bei Sportlern ist es so, dass jeder auf seine Gesundheit extrem achtet“, sagt Zuber optimistisch. Es hängt viel davon ab, ob sich jeder an die Disziplinformel hält.

... 15-Mann-Regel

Mit dieser Disziplin, so die Hoffnung der DFL, lässt sich der Schaden in Grenzen halten. Dazu käme eine neue Verordnungsvariante: Wird ein Spieler positiv getestet, muss nicht mehr die komplette Mannschaft weggesperrt werden – so wie 96 nach dem Positivfall Horn.

Sollten mehrere Spieler in Quarantäne gehen müssen, setzte die Liga bei der letzte Mitgliederversammlung die Kaderuntergrenze auf 13 Spieler plus zwei Torhüter fest. „Das ist ein Denkmodell“, bestätigte 96-Geschäftsführer Martin Kind. Keine perfekte Lösung, aber machbar.

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Ron-Robert Zieler: 2,5 Millionen Euro (unverändert) ©

... Testserie

Tägliche Tests in der Bundesliga? Umstritten. Die zuverlässigen Tests werden in Kliniken eher gebraucht. Die aktuell verfügbaren Schnelltests sind nicht so valide. Um über die Art der Testung zu entscheiden, setzt die DFL die medizinische Task Force ein.

Bei 96 zeigte eine Task Force Wirkung, nachdem Horn positiv getestet wurde. Alle Tests nach dem Ende der Quarantäne waren negativ. „Die Spieler haben sich quasi in Selbstquarantäne begeben“, sagt Zuber zum anschließenden Verhalten der Mannschaft. „Keiner hat Symptome.“ Aber: „Es laufen Planungen im Hintergrund, ob die Tests intensiviert werden.“